Baby verstarb nach Ärztefehler: Spital verschickte Rechnung & Mahnung an Eltern

Sogar Inkasso-Büro wurde zur Eintreibung beauftragt Gesundheitslandesrat bedauert Kommunikationsfehler

Nach der rechtskräftigen Verurteilung einer Ärztin wegen fahrlässiger Tötung gehen in Vorarlberg die Wogen hoch. Vor drei Jahren verstarb nach einem Ärztefehler ein neugeborenes Mädchen wenige Monate nach der Geburt. Nun wird Kritik am Landeskrankenhaus Feldkirch laut, wo der Fehler passierte. Bemängelt wird vor allem, dass nach dem Tod des Kindes noch Rechnungen an die Eltern gestellt wurden. Sogar ein Inkasso-Büro wurde mit der Geldeintreibung beauftragt.

Gesundheits-Landesrat Hans-Peter Bischof sprach in den "Vorarlberger Nachrichten" bezüglich der Vorschreibung der Selbstbehalte von einer "routinemäßigen Angelegenheit". Die Mahnungen hingegen beruhten auf einem Kommunikationsfehler. "Hätte die Verwaltung gewusst, welches Drama dahinter steht, wäre das nicht passiert", beteuerte Bischof. Krankenhausbetriebsgesellschaft-Direktor Luis Patsch sagte im ORF Radio Vorarlberg-Interview, dass er die Vorgangsweise "zumindest psychologisch nicht richtig finde". Seitens des LKH Feldkirch wurde am Montagnachmittag in einer Pressekonferenz betont, dass die noch offenen Rechnungen der Familie storniert werden.

Laut Rundfunk fordert der Rechtsvertreter der Eltern, Andreas Brandtner, Entschädigung für die Schmerzen und die Trauer von der Krankenhausbetriebsgesellschaft. Zwei Wochen werde noch zugewartet, anschließend geklagt, hieß es zu Mittag im Bericht des Rundfunks. Das Krankenhaus hat allerdings am Nachmittag angekündigt, mit den Eltern in Kontakt treten zu wollen.

Chefarzt Heinz Drexel unterstrich, dass am LKH Feldkirch täglich rund 60 Operationen stattfinden. Im Vergleich dazu gebe es pro Jahr etwa 300 medizinische Beschwerden, aus denen drei bis vier Schadenersatzansprüche folgten. "Selbst diese wenigen Fälle sind uns zu viel. Deshalb haben wir ein risiko- und fehlerminimierendes Meldesystem eingeführt", sagte Drexel.

Die verurteilte Ärztin arbeitet mittlerweile am LKH Bregenz. Laut Bischof wird das Urteil an den Disziplinaranwalt der Ärztekammer übermittelt werden, der anschließend über die weiteren Vorgänge einzuleiten und eventuell die Disziplinarkommission einzuschalten habe. Er hoffe, dass die Ärztin ihren Beruf weiterhin ausüben dürfe, so Bischof gegenüber den "VN". Die Ärztin wurde im November 2005 vom Bezirksgericht Feldkirch wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, ihre Berufung wurde vom Landesgericht vor wenigen Tagen zurückgewiesen. (apa)