Autoindustrie setzt stärker auf Billig-Autos: Spar-Mobile immer mehr auf dem Vormarsch

Einkommensunterschiede sind Hauptgrund für Boom Weltweit bis 2012 bis zu 4,1% Zuwachsraten möglich

Autoindustrie setzt stärker auf Billig-Autos: Spar-Mobile immer mehr auf dem Vormarsch

Die immer größer werdenden Einkommensunterschiede in den USA und Europa und die rasante Motorisierung von China und Indien machen Billigautos zu einem Hoffnungsträger der internationalen Autoindustrie. Nach einer Studie des Beratungsunternehmens Roland Berger wird der weltweite Markt für Billigautos in der nächsten Zeit um weltweit vier Prozent jährlich wachsen. Geradezu explodieren wird die Nachfrage in China, überdurchschnittliches Wachstum wird aber auch für die USA und Europa erwartet.

Bis 2012 werden die Billigautoverkäufe in China pro Jahr um gut 13 Prozent, in Osteuropa um knapp acht und in Indien um 7,6 Prozent zulegen, glauben die Experten. Für die USA wird ein Wachstum von fast neun Prozent und in Westeuropa von gut fünf Prozent angenommen. Lediglich in Japan dürfte sich die Nachfrage nicht wirklich gut entwickeln. Als "Low Cost Cars" (LCC) definiert Roland Berger Pkw, die für weniger als 10.000 Dollar bzw. 10.000 Euro verkauft werden.

Value for Money
Nachdem lange Zeit Premium-Modelle und Luxusmarken den Takt in der Autoindustrie vorgegeben haben, hätten sich die europäischen Verbraucher in den vergangenen Jahren stärker auf "value for money" konzentriert. Ähnliches gelte für Amerika: Die "wahrscheinlich stärkste Triebkraft, die eine fruchtbare Umgebung für Billigautos schafft, sind die beträchtlichen und weiter wachsenden Einkommensunterschiede in den USA", heißt es in der Studie. Die ärmeren 50 Prozent der US-amerikanischen Bevölkerung hätten 2005 nur mehr zwei Prozent der insgesamt 17 Millionen in den USA verkauften neuen Pkw erworben: "Die ärmsten Amerikaner sind aktuell aus dem Markt 'hinausgepreist' worden, mehr und preisgünstigere Billigautos würden bereitwillige Käufer finden."

Bestseller Dacia
Nicht unähnlich die Situation in Westeuropa, wo sich in den vergangenen Jahren der eigentlich für Osteuropa bestimmte "Logan'" gut verkauft hat - ohne dass Renault Geld in Werbung gesteckt hätte. Ein Detail aus der Studie: In Deutschland sind in den vergangenen sechs Jahren die Reallöhne stagniert, die Kosten für den Betrieb und die Anschaffung von Pkw aber um 20 Prozent gestiegen.

Riesenmarkt China
In China werden derzeit 3,2 Millionen preiswerte fahrbare Untersätze verkauft, 2012 sollen es schon doppelt so viele sein. Dieses erwartete enorme Wachstum unterscheidet sich freilich kaum von jenem des Gesamtmarktes. Die billigsten Autos der Welt werden heute in China hergestellt und ab umgerechnet 3.000 Euro verkauft. Insgesamt werden dort aktuell 30 verschiedene Modelle für weniger als umgerechnet 7.000 Euro angeboten.

Asiaten für den Westen
Große Hoffnungen, den europäischen und amerikanischen Markt für sich erobern zu können, machen sich die Asiaten, besonders Hersteller in China und Indien. Allein im Reich der Mitte hätten sieben Produzenten diesbezügliche Exportpläne.

Westliche Konzepte sind fertig
Die etablierten westlichen Hersteller hätten auch Projekte in der Schublade, entscheidend sei die Schnelligkeit, mit der Pläne umgesetzt würden, meint man bei Roland Berger. Entsprechend auch der Titel der am Mittwoch vorgelegten Studie: "Der frühe Vogel fängt den Wurm." Die alteingesessenen Originalhersteller müssten schnell handeln, "um ihren früheren Fehler zu vermeiden, als sie die japanischen und koreanischen Hersteller unterschätzt haben". (APA)