Auto-Innovation geht am Kunden vorbei: Sinnlose Neuerungen kosten viele Milliarden

Autohersteller kümmern sich nicht um Kundenwünsche Vom 315 Innovationen kommen lediglich 10 % gut an

Auto-Innovation geht am Kunden vorbei: Sinnlose Neuerungen kosten viele Milliarden

Milliarden von Euro werden jährlich in die Weiterentwicklung von Automodellen gesteckt. Dabei übersehen die Hersteller jedoch oft die wahren Kundenwünsche und damit jene Aspekte des Autos, die verbesserungswürdig wären.

Autohersteller verschwenden Geld für sinnlose Neuerungen
Innovationen kommen bei den Kunden oft schlecht an

Die Studie "Car Innovation 2015" der Management-Beratung Oliver Wyman befasst sich mit diesem Thema und stellt fest, dass Autohersteller Unsummen für gefloppte Innovationen ausgeben, wie die Zeitung "Welt am Sonntag" berichtet. Von den 800 Mrd. Euro Forschungsgeld, die bis 2015 in der Autoindustrie ausgegeben werden, würden 40 Prozent für die falschen Projekte vergeudet, meint Jan Dannenberg, Direktor von Oliver Wyman.

Gründe fürs Scheitern
Das Scheitern von Innovationen kann vielfältige Gründe haben, darunter nicht zuletzt mangelnde Information der Kunden. Händler wenden im Schnitt nur 5,2 Minuten auf, um die technischen Neuerungen der Wagen zu erklären. Die Händler der Marke Lexus schneiden hier mit sieben Minuten noch um einiges besser ab als das Schlusslicht Mercedes-Benz, mit weniger als vier Minuten. Doch gefloppte Innovationen sind in erster Linie darauf zurückzuführen, dass auf Kundenbedürfnisse nicht entsprechend reagiert wird und diese zum Großteil auch wenig bekannt sind. Anstatt auf die Beliebtheit von digitalen Musikabspielgeräten zu setzen und entsprechende Anschlüsse einzubauen, wie es nur wenige Hersteller machen, setzen viele auf die Einführung von Fernsehfunktionen. Auf dem mitteleuropäischen Markt hat dies jedoch nur wenig Chance auf Durchsetzung, da es kaum Autos mit Chauffeur und nur selten Staus gibt.

Studienergebnis
Die Studie schließt daraus, dass es zu wenig Information über die wahren Kundenwünsche gibt. Von 315 kommenden Innovationen scheinen lediglich zehn Prozent das Potenzial zu haben, gut beim Kunden anzukommen, wie die Studie feststellt. Dazu gehören sparsame Antriebe und elektromechanische Bremsen, die bei der Verkürzung von Bremswegen behilflich sind. Auch Einparkhilfen und eine leichte Bauweise, die den Treibstoffverbrauch mindert, sind bei Kunden erwünscht. "Die Kundenwünsche und -anforderungen müssen bereits an den Anfang der Innovationskette gestellt werden", empfiehlt Dannenberg. Hersteller orientieren sich momentan vor allem an den Schlagworten Komfort, Sicherheit, Leistungssteigerung und Emissionsreduktion, die natürlich auch wichtige Bereiche darstellen. "Jedoch haben die Hersteller in den letzten Jahren dabei aus den Augen verloren, dass das Auto auch bezahlbar bleiben muss", so Dannenberg.