Ausverkauf ins Ausland: Englands Premier League ein "Spielzeug" reicher Investoren

Schon sechs Klubs sind in ausländischer Hand Beunruhigt: FIFA-Präsident Sepp Blatter warnt

Die englische Premier-League wird immer mehr zum Spielzeug von sehr betuchten ausländischen Privatinvestoren. Bereits sechs Klubs der höchsten Spielklasse des Landes befinden sich in der Hand von "Nicht-Briten". So blätterte der Isländer Eggert Magnusson in der vergangenen Woche rund 125 Millionen Euro für West Ham United auf den Tisch.

Dies soll aber keinesfalls das Ende der Übernahmen darstellen. Englische Klubs sind eine gute Einnahmequelle und international anerkannte Marken. Der Präsident des Weltverbandes FIFA, Sepp Blatter, fürchtet aber diese Entwicklung. Kurz nach der West-Ham-Übernahme hatte er gesagt, dass die ausländischen Investoren nur etwas vom Fußball wollen, das Gegenteil aber der Fall sein sollte.

Der britische Analyst Bill Gerrard bringt es auf den Punkt: "Die englische Liga ist die attraktivste der Welt. Die besten Trainer und Spieler sind hier, und es wird ein internationales Publikum angesprochen. Einfach das ultimative Spielzeug sehr reicher 'Kinder'".

Umsatzstärkste Liga der Welt
Aber auch der finanzielle Aspekt darf nicht unterschätzt werden. "Die 20 Klubs der Premier League machten 2004/05 einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro. Dahinter liegt die italienische Serie A mit rund 1,34 Milliarden Euro", so Alan Switzer, Analyst bei Deloitte & Touche. Dabei profitieren die englischen Klubs von modernen Stadien und hohen Eintrittspreisen.

Britische Klubs sind meist Unternehmen, die an der Börse notieren, und so leicht zu übernehmen sind. Das ist auch ein Grund, weshalb in anderen großen Ligen wie Spanien und Italien fast alle Klubs noch in einheimischem Besitz sind. "Die meisten spanischen Klubs befinden sich in der Hand ihrer Mitglieder", erklärt Switzer.

Al Fayed machte Anfang
Der Übernahmetrend wurde 1997 gestartet, als der ägyptische Geschäftsmann Mohamed Al Fayed Fulham für rund 38 Millionen Euro kaufte. Im Jahr 2003 folgte der russische Milliardär Romam Abramowitsch, der sich Chelsea für knapp 77 Millionen Euro sicherte.

Manchester United war dem texanischen Öl-Milliardär Malcolm Glazer im Jahr 2004 über eine Milliarde Euro wert. Aston Villa wurde von seinem Landsmann Randy Lerner für um das "Taschengeld" von 92 Millionen Euro übernommen. Der russisch-französische Geschäftsmann Alexandre Gajdamak legte für Portsmouth vor knapp einem Jahr fast 45 Millionen Euro auf den Tisch.

Zu diesen Teams könnte sich auch noch Rekordmeister Liverpool gesellen, der alle Übernahmeversuche bis dato erfolgreich abgewehrt hatte. Nachdem Gespräche mit dem thailändischen Ex-Premierminister und Telekom-Tycoon Thaksin Shinawatra gescheitert waren, gibt es jetzt Verhandlungen mit dem US-amerikanischen Unternehmer George Gillett.

(apa/red)