Austro-Wirtschaft in rote Zahlen gerutscht:
BIP schrumpfte im letzten Quartal um 0,2 %

Erstmals seit Mitte 2001 wurde Rückgang verzeichnet PLUS: Wirtschaftsleistung der EU erneut eingebrochen

Austro-Wirtschaft in rote Zahlen gerutscht:
BIP schrumpfte im letzten Quartal um 0,2 % © Bild: APA

Der internationale Konjunktureinbruch hat im Schlussquartal des vergangenen Jahres auch auf die heimische Wirtschaftsleistung durchgeschlagen: Erstmals seit Mitte 2001 gab es mit einem Minus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal wieder eine Schrumpfung, berichtete das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) in einer Schnellschätzung. Damit lag das Quartal um nur noch 0,3 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals.

Österreich ist damit noch nicht in der Rezession, befindet sich aber auf dem besten Weg dahin. Für eine Rezession muss die Wirtschaft zwei Quartale hintereinander zurückgehen. Damit lag das Quartal um nur noch 0,3 Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals.

Die österreichischen Werte fielen jedoch weitaus besser aus als die seiner größten Handelspartner Deutschland (minus 2,1 Prozent) und Italien (minus 1,8 Prozent), jeweils gegenüber dem Vorquartal. Die Länder der Eurozone und der EU schrumpften im Schnitt um 1,5 Prozent.

Abschwung mit Zeitverzögerung
Einen Grund für die noch relativ guten österreichischen Kennwerte zu Jahresende 2008 Daten ortet Wifo-Experte Markus Marterbauer darin, dass die Entwicklungen nur zeitverzögert in der Alpenrepublik ankommen sei. "Österreichische Betriebe, die der deutschen Exportindustrie zuliefern, werden den Rückgang in Deutschland mit der Verzögerung von einigen Monaten zu spüren bekommen." Dazu kommt ein leichtes Wachstum der Binnennachfrage (+0,4 Prozent gegenüber Vorquartal und +1 Prozent gegenüber Vorjahr), etwas höhere Realeinkommen durch eine neuerdings wieder niedrige Inflation und stabile Immo-Preise. Der Wintertourismus 2008/09 startete mit einem Wachstum von 6,8 Prozent, die Bauwirtschaft verlor nur leicht.

Deutlicheres Minus für 2009 erwartet
Österreich wird im ersten und zweiten Quartal 2009 freilich ein viel deutlicheres Minus haben, warnte Wifo-Chef Karl Aiginger vor wenigen Tagen. Der aktuelle Konjunkturtest seines Hauses lasse jedenfalls auf weitere Produktionseinbußen in der Industrie schließen: "Die Unternehmen beurteilen die Aufträge, vor allem aus dem Ausland, und die Geschäftsaussichten so ungünstig wie schon lange nicht mehr", die Kapazitätsauslastung vor allem der großen Betriebe sei "markant gesunken", referiert das Wifo.

Auf der abschüssigen Straße schon viel weiter ist Deutschland, dessen Statistisches Bundesamt im vierten Quartal 2008 einen Rückgang um 2,1 Prozent (gegenüber Vorquartal) meldete. Das war noch schlimmer als die ohnedies pessimistischen Prognosen der Ökonomen, die einen Rückgang von 1,8 Prozent erwartet hatten. Im Jahresabstand verlor Deutschland im vierten Quartal preisbereinigte 1,6 Prozent Wirtschaftsleistung.

Auch die Wirtschaft des zweitgrößten Handelspartners, Italien, meldete schlechte Zahlen wie seit langem nicht. Allein im vierten Quartal verlor die italienische Wirtschaft 2,6 Prozent gegenüber 2007 und von 1,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Es handelt sich um den stärksten Quartalsrückgang seit den 1980er Jahren. Die italienische Regierung rechnet dieses Jahr mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 2 Prozent. (apa/red)