Hausgemacht von

Imageproblem für den Austro-Film

Studie: Schwache Filmverleiher, falsche Zielgruppen, Kino häufig zu teuer

Die Werkstürmer © Bild: Thimfilm

Der österreichische Film hat bei jungen Wienern kein sonderlich positives Image. Die heimischen Produktionen werden zwar als professionell und unterhaltsam wahrgenommen, wie aus einer Studie des Medienhaus Wien hervorgeht. Gleichzeitig fehlen den 14-bis 29-Jährigen aber die spannenden Geschichten und die Identifikationsfiguren. Für zwei Drittel der Jugendlichen ist das Kino schlicht zu teuer.

Die Studie, die am späten Mittwochnachmittag im Presseclub Concordia präsentiert und diskutiert wurde, entstand im Auftrag des Filmfonds Wien und untersuchte eine der wichtigsten Zielgruppen der Filmwirtschaft. Schließlich stellen die Unter-30-Jährigen (317 wurden für die Studie befragt) mit 51,5 Prozent mehr als die Hälfte der österreichischen Kinobesucher, von österreichischen Filmen fühlen sie sich jedoch nur selten angesprochen - diese sind demnach "nicht für junge Menschen gemacht" und teilweise "altmodisch".

Die rund 16 Millionen Kinobesucher im Jahr in Österreich (davon ein Drittel in Wien) entfallen zu 96,4 Prozent auf ausländische Filme. Von 47 österreichischen Produktionen im Jahr 2011 erreichten etwa nur drei Filme mehr als 50.000 Besucher, dagegen blieben 25 unter 5.000 Besuchern. Als Gründe dafür sieht die Studie wenig marktgerechte Produktionen (Komödien und Abenteuerfilme wären etwa deutlich beliebter als kritische Dokus und Dramen) sowie die schwache Arbeit der Filmverleiher im Online-Bereich.

Information am Publikum vorbei

Die Verleihe kennen demnach zwar ihr älteres Publikum, aber die junge Zielgruppe viel zu wenig. Diese informiert sich vor allem über audiovisuelle Quellen (81 Prozent) und persönliche Empfehlungen (65 Prozent) über neue Filme. Ersteres gestalte sich bei österreichischen Filmen schwierig, weil es im Fernsehen kein entsprechendes Magazin mehr gebe und sie online zu wenig sichtbar sind. Zweiteres funktioniere ebenfalls im Wesentlichen über Social Media, wo die Aktivitäten der Verleihe zu unspezifisch sind.

Dass das Internet die größte Konkurrenz des heimischen Filmschaffens darstellt, stimmt dagegen offenbar nicht. Auch wenn ein Drittel der Jugendlichen zumindest alle 14 Tage Streaming-Angebote und ein Fünftel auch Downloads nutzt, so halte dies die jungen Leute nicht davon ab ins Kino zu gehen. Der Kinobesuch wird als Event und Gemeinschaftsereignis gesehen, ist aber vielen Unter-20-Jährigen durch Zusatzkosten für Getränke und Popcorn einfach zu teuer.

Mehr Social-Media-Aktivitäten empfohlen

Zusammenfassend empfehlen die Studienautoren einen Ausbau der Social-Media-Aktivitäten (Print-Inserate sind "kaum noch relevant") sowie ein verstärktes Engagement im Streaming- und Download-Bereich (die Plattform Flimmit sei wenig bekannt und benutzungsunfreundlich, ein österreichischer Kino-Channel auf YouTube könnte Interessen kanalisieren). Zudem sollten die Kinopreise für Jugendliche gesenkt und junge Leute im und beim Film als Identifikationsfiguren aufgebaut werden.

Kommentare