Austria-Zukunft entscheidet sich am 19.12.:
Umwandlung in Kapitalgesellschaft geplant

GV stimmt über Ausgliederung der Profiabteilung ab Veilchen nehmen sich FC Bayern als AG-Vorbild

Auch nach Ende der Herbstsaison ist für einen Teil der violetten Fußball-Familie noch keine Weihnachtsruhe angesagt. Am Dienstag im Wiener Rathaus sollen auf der Generalversammlung (19 Uhr) die Weichen für die Vereinszukunft gestellt werden.

Die 180 ordentlichen Mitglieder stimmen an diesem Abend über eine mögliche Ausgliederung des Profi-Betriebes in eine nichtbörsennotierte Kapitalgesellschaft ab. Erteilt die GV durch Zwei-Drittel-Mehrheit der Anwesenden dazu Grünes Licht, wird das Präsidium gemeinsam mit Magna an der Realisierung einer Aktiengesellschaft oder einer GmbH zügig beginnen. "Wir haben für unser Vorhaben durchwegs positives Echo erhalten", erzählte der geistige "Baumeister" Markus Kraetschmer, der im Hintergrund schon seit Mitte September intensiv an dem Projekt arbeitet und laufend Gespräche führt.

Mit einer Nicht-Goutierung beschäftigt man sich im Austria-Lager vorerst nicht. Wird der Veränderung zugestimmt, dann ist der 15. März 2007, an dem die Frist der Bundesliga für den Lizenz-Antrag abläuft, das nächste wichtige Datum. Bis dahin müssen die Zahlen für das nächste Budget auf den Prüfungstisch. "Die AG ist der Weg in eine moderne Zukunft. Der Klub muss wie eine Firma geführt werden, weil der Etat mittlerweile schon so große Dimensionen erreicht hat", begründete Klubmanager Kraetschmer den Schritt zu neuen, erforderlichen Strukturen.

Am 30. Juni 2006 endet der Betriebsführer-Vertrag mit Frank Stronachs Magna-Tochter SMI, danach seien die Kosten nicht mehr gedeckt. "Daher müssen wir schauen, wie es weitergeht", erklärte der seit 1997 für die Veilchen tätige Kraetschmer. Auf Grund der geringen TV-Einnahmen und der hohen Personalkosten steige die Abhängigkeit von externen Geldgebern. Ansprechpartner für die Bundesliga bleibt jedoch der Verein, der auch weiterhin Antragsteller für die Lizenz und zuständig für den Nachwuchs ist.

Der Wiener hält sich bei seinen Plänen im Großen und Ganzen an das erfolgreiche Konstrukt FC Bayern, stimmt es jedoch auf die kleineren österreichischen Gegebenheiten ab. Demnach soll die Hauptversammlung einen siebenköpfigen Aufsichtsrat bestellen, in dem der Verein den Vorsitz und einen Vertreter hat. Zwei Mitglieder stellt Magna, je ein Person entsenden die weiteren Sponsoren Siemens und Verbund, dazu kommt ein externer Experte. "Wer zum Budget der Austria beisteuert, soll auch ein Mitspracherecht für Strategien besitzen", lautet Kraetschmers Credo.

Der Aufsichtsrat mit den Haupt- und Co-Sponsoren beruft einen Vorstand, der aus zwei Leuten bestehen könnte. Dieses Duo, das z.B. Thomas Parits (Generalmanager) und Kraetschmer heißen könnte, würde mit einem vom Aufsichtsrat genehmigten Budget die operativen Geschäfte effizient führen. Finanzielle Abenteuer würde es dann nicht mehr geben. Wird etwa für einen teuren Spieler-Einkauf mehr Geld benötigt, muss der vierteljährlich tagende Aufsichtsrat sein Okay geben.

Das Vier-Stufen-Konzept basiert auf folgenden Säulen: Nachwuchs, der dem Verein mit dem weiterhin bestehenden Präsidium und dem Kuratorium obliegt, Stronach-Akademie, mit der ein Kooperationsvertrag besteht, sowie Amateur- und der Profi-Abteilung. "Wir wollen in der Bundesliga unter den Top Drei, international immer präsent sein und den Weg der Österreicher fortsetzen", nennt Kraetschmer die sportliche Zielsetzung der "Austria neu".

Als wirtschaftliche Vorteile einer AG zählt eine optimale Kosten-Nutzen-Effizienz, eine klare Klubstruktur wie in einem professionell geführten Klein- oder Mittel-Unternehmen, einen Vorsteuerabzug bei internationalen Transfers und eine besser Budget-Absicherung auf. Das geplante, neue Stadion in Rothneusiedl spiele da natürlich mit Einnahmen aus den Spielen auch mit. Wenn die GV am Dienstag der Ausgliederung der Profi-Abteilung in eine AG zustimmt, dann liegt doch auch etwas Positives unter dem violetten Christbaum. "Dann könnten wir mit der AG am 1. Juli 2007 starten", hofft Kraetschmer.

(apa)