Austria Wien sucht weiter nach ihrer Mitte:
Daxbacher bleibt 'schönen Fußball' schuldig

Tradition der "Spielkultur" soll wiederbelebt werden Mittelfeld bleibt weiterhin die größte Austria-Baustelle

Austria Wien sucht weiter nach ihrer Mitte:
Daxbacher bleibt 'schönen Fußball' schuldig © Bild: APA/Hochmuth

Karl Daxbacher fasste es bei seiner Rückkehr zu seinem langjährigen Club Austria Wien in wenige Worte. "Wir wollen nicht nur siegen, sondern auch schön spielen", meinte der Coach des Fußball-Traditionsclubs nach seiner Bestellung im Sommer. "Austria neu" sollte im ersten Jahr des großen Umbaus nach der Stronach-Ära auch auf dem Spielfeld sichtbar sein. Acht Ligaspiele und durchwachsene Auftritte im Europacup später fragen sich aber vor allem langjährige Fans: Quo vadis, Austria?

"Er spielte lässig, leicht und heiter, er spielte stets, er kämpfte nie", schrieb der Wiener Literat und glühende Austria-Anhänger Friedrich Torberg 1945 über den "Papierenen" Matthias Sindelar, der wie kein anderer den Stil der Austria prägen sollte. Spätestens in den erfolgreichen 80er Jahren etablierten sich die Favoritner unter Herbert Prohaska und Tibor Nyilasi als Vertreter des "schönen Fußballs".

Kein Wunder also, dass deren ehemaliger Mitspieler und Austria-Urgestein Daxbacher die unter Vorgänger Georg Zellhofer ergebnisorientierte Austria auf die neue Spielkultur einschwören wollte und will. Sehr zur Freude der Fans, die Zellhofers Sätze der Marke "Die Zeiten eines Prohaska sind vorbei" nur bedingt akzeptierten.

Wenigste Gegentreffer in letzter Saison
Die Austria beendete die vergangene Saison als Dritter zwar mit den am wenigsten kassierten Treffern (33), unter den ersten sechs Teams gelangen aber auch am wenigsten (46). Auch in der im Sommer initiierten Imagekampagne "Violett ist mehr als eine Farbe" wurde die "Spielkultur" als einer der "Fünf Punkte der Ehre, die uns zu echten Austrianern machen" beworben.

Die Zwischenbilanz in der violetten Fan-Gemeinde ist jedoch zwiespältig. Vor allem die defensive "Doppel-Sechs" im 4-4-2-System, Blanchard und Hattenberger, sorge für zu wenig Druck aus dem Mittelfeld, während ein Techniker wie Milenko Acimovic an der linken Flanke nicht optimal aufgehoben sei. "So sind wir einfach in unserer Spielweise sicherer", verteidigt Daxbacher, der nach zwei Remis zum Liga-Start sowie dem 0:1 in Kostanaj "das Resultat vorerst an erste Stelle" stellte, sein System.

Austria-Zentrale größte Baustelle
Der in der Vorbereitung verletzte Kapitän Blanchard sei "einer der wertvollsten Spieler der vergangenen Jahre" und komme "immer besser ins Spiel". Der kopfballstarke Hattenberger sei allein im Zentrum mit den Defensivaufgaben überfordert gewesen. Dass vor allem die Austria-Zentrale die größte Baustelle ist, bewies aber das 0:3 gegen Rapid sowie das umjubelte 3:2 gegen Salzburg, als die Trendwende erst mit risikoreichen Umstellungen im offensiven Mittelfeld klappte.

Abgesehen von Umstellungen im Mittelfeld erwartet sich der Coach deshalb Fortschritte im Angriff, wobei Rubin Okotie und Mamadou Diabang noch genug Luft nach oben hätten. Der wegen mangelnder Alternativen im Angriff erst Ende Juli zur Austria gestoßene Diabang benötige in erster Linie Spielpraxis. "Er muss einmal topfit werden, gut ist er", hält Daxbacher große Dinge vom Senegalesen.

Auch U21-Teamstürmer Okotie, der zuletzt mit dem oft zurückhängend agierenden Mario Bazina um einen Stammplatz kämpfte, sei auf einem guten Weg, er könne sich aber noch entscheidend verbessern. "Im Abspiel muss er noch schneller und genauer werden. Das sind seine Schwächen. Im eins gegen eins ist er stark", urteilte Daxbacher über den Austria-Jungstar.
(apa/red)