Ausstellung von

"Architektur ist mir passiert"

Installation des "paper architects" Alexander Brodsky im Architekturzentrum zu sehen

  • Bild 1 von 10 © Bild: Architekturzentrum Wien

    Die Ausstellung

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    Die Ausstellung

Es ist ein öliger Spiegel, den der russische Architekt Alexander Brodsky den Besuchern seiner Personale im Architekturzentrum Wien (Az W) vor die Augen und auch vor die Nasen hält. Die eigens für die Ausstellung "It Still Amazes Me That I Became An Architect..." verwirklichte namenlose Installation, die mehrere Meter hoch und breit die Alte Halle des Az W beherrscht, ist aber nur eines von unzähligen Werken des zwischen Design, Architektur und Kunst changierenden Russen, die bis 3. Oktober zu sehen sind.

Das Az W mache nur "höchst selten Personalausstellungen", wie Direktor Dietmar Steiner bei der Pressekonferenz am heutigen Mittwoch betonte. Ausnahmen bestätigen aber die Regel, vor allem, wenn das Werk eines Architekten eine "konzeptive Aussage" habe. Die Ausstellung zu Brodsky solle nun dessen künstlerisches wie architektonisches Schaffen gemeinsam präsentieren. Es sei notwendig, "in Zeiten von Massenproduktionen an den Ursprung der Architektur zu erinnern", was laut Steiner mit "singulären künstlerischen Einzelpersönlichkeiten jenseits der mechanischen Architektur" gelingen solle.

Begehbare Installation mit vielen Skizzen
Dass Brodsky "die kürzeste Linie vom Kopf zur Hand" suche, wie es der Direktor ausdrückte, zeigt sich vor allem in seinen schwarz-weiß Zeichnungen, die die begehbare Installation umgeben. Abstrakt anmutende Landschaften stehen neben klaren Gebäudeformen, die teils ihr Inneres preisgeben, oder scheinbar zufällig hingekritzelten Skizzen. Ergänzt wird die Schau durch Fotos von Brodskys langjährigem Partner Yuri Palmin, der vor allem seine realisierten Gebäude festgehalten hat.

Weißer Riesenkubus begeistert
Nicht nur den Raum, sondern auch die Wahrnehmung des Besuchers am stärksten vereinnahmt aber die Installation: Von außen ein weißer Kubus, eröffnet sich beim Betreten des Objekts ein Raum mit schwarzen Wänden, einem Bassin voller Öl und über den Köpfen schwebende, geschwärzte Objekte - von alten Koffern über Plastikflaschen bis zu Regenschirmen und Schlittschuhen ist alles vertreten. Die auf drei Ebenen angeordneten und etwas chaotisch anmutenden Gegenstände (insgesamt rund 1.500) vervielfältigen sich beim Blick in die schwarze Flüssigkeit, ergänzt wird das eindrückliche Raumerlebnis durch den penetranten Geruch. Trotz des beschränkten Platzes ist die Installation für etwa 15 bis 20 Besucher gleichzeitig gedacht.

Vom "Wodka-Pavillon" zum "Wolkencafe"
Der 1955 geborene Brodsky steht vor allem für künstlerische und architektonische Positionen jenseits des Mainstreams und erlangte auch als Teil der russischen "paper architects" Bekanntheit. Seine "Wahrung der Substanz und des Alltags" (Steiner) zeigt sich etwa in Arbeiten wie dem "Wodka-Pavillon", den er 2003 aus Fensterrahmen einer abgerissenen Wodka-Fabrik erzeugte, oder dem "Wolkencafe", das er im selben Jahr aus eine hölzernen Dachkonstruktion und alten Plastiksäcken realisierte.

Teil einer neuen russischen Architekturszene
Der sehr zurückhaltende Künstler, der bei der Präsentation mit Steiner und Kuratorin Katharina Ritter stilecht mit Wodka anstieß, sieht sich selbst aber nicht zwingend als Teil einer neuen russischen Architekturszene. "Ich lebe und arbeite dort. Das ist die Verbindung." Dass es ihn - wie der Titel der Schau nahelegt - immer noch überrascht, Architekt geworden zu sein, erklärte er ganz lakonisch: "Ich habe so lange Kunst gemacht und über Architektur nachgedacht, dass ich mir das zunächst nicht vorstellen konnte. Aber dann ist es doch passiert."