Ausschreitungen beim Wahlfinale der FPÖ:
Linke Demonstranten sorgen für Eskalation

Demonstranten und FP-Anhänger geraten aneinander Angerückte Exekutive nahm vier linke Anhänger fest

Ausschreitungen beim Wahlfinale der FPÖ:
Linke Demonstranten sorgen für Eskalation © Bild: APA/Fohringer

Bei der FPÖ-Abschlusskundgebung für die Nationalratswahl ist es am Freitagabend zu Ausschreitungen zwischen linken Demonstranten und FPÖ-Anhängern gekommen. Nach Ende der Rede von Parteichef Strache gerieten die Gruppen immer wieder aneinander. Es wurde auf beiden Seiten mit diversen Gegenständen geworfen. Die Polizei musste auf dem Viktor Adler-Markt mehrmals einschreiten.

Schon während der Rede Straches hatten Demonstranten versucht, die Bühne zu stürmen und mussten von der Polizei zurückgedrängt werden. Es wurden auch Brandsätze gelegt.

Die Polizei konnte die Situation aber relativ schnell in den Griff bekommen, Entwarnung gab es jedoch vorerst nicht. Laut Polizei waren rund 300 Gegen-Demonstranten und schätzungsweise 3.500 FPÖ-Sympathisanten anwesend, darunter auch Rechtsextreme. Die Polizei war mit etwa 150 Mann im Einsatz und nahm mehrere Personen fest. Passanten mussten teilweise in Sicherheit gebracht werden.

Sechs verletzte Polizisten
Bilanz des Zusammenstoßes: Sechs leicht verletzte Polizisten mit Prellungen, Hautabschürfungen und ähnlichem. Auf Seiten der Gegendemonstranten wurden vier Personen vorübergehend festgenommen. Eine Anzeige liegt auch gegen einen FPÖ-Sympathisanten vor: Es wurde eine Person angezeigt, die den rechten Arm zum "Hitler-Gruß" erhoben habe, bestätigte die Polizei.

"Rache mit Strache"
In seiner Rede ritt FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache heftige Attacken gegen Muslime und die Große Koalition. In seiner rund eineinhalbstündigen Rede rief er seine Anhänger zur "Rache mit Strache" auf. Als Innenminister oder Kanzler würde er für die sofortige Abschiebung von "Asylmissbrauchern" sorgen, rief er der Masse zu. Auf der anderen Seite hatten sich Gegendemonstranten postiert, die unter anderem die türkische Fahne schwenkend "Nieder mit der FPÖ" und "Nieder mit Strache" sowie "Strache schleich dich" skandierten.

Moscheen und Minarette hätten in Österreich nichts verloren, wiederholte Strache einmal mehr seine Parolen. Er erregte sich über "voll vermummte" Frauen auf den Straßen Österreichs, die aussehen wie "weibliche Ninjas". "Da kriegt man ja Angst." Würden Österreicher in Ankara mit Minirock herumlaufen und Schweinsbraten grillen, würden sie mit nassen Fetzen davongejagt werden. Auch Gewalt gegen Frauen habe in unserer Gesellschaft nichts verloren.

Vertretung der "anständigen Ausländer"
Die FPÖ sei die einzige Partei, die die Interessen der Österreicher und der "anständigen Ausländer" vertrete, so Strache. Einmal mehr bekräftigte Strache, dass der Kosovo Teil Serbiens sei und Russland kein Feind Europas sondern ein Partner. Die Türkei hingegen hätte in der EU nichts verloren.

Der SPÖ sprach Strache bei seiner Veranstaltung auf dem Viktor-Adler-Markt im Arbeiterbezirk Favoriten die Sozialkompetenz ab. Es folgten Schlagworte wie "Massenzuwanderung", "Parallelgesellschaften", "Kriminalität" und "soziale Kälte". Er habe viele Ausländer kennengelernt, Deutsche, Tschechen, Slowaken und auch Serben. "Ja, Ihr seid europäische Bürger" und "wir wollen nicht islamisiert werden". BZÖ-Chef Jörg Haider bezeichnete Strache als "Türken-Jörg" und SPÖ-Chef Werner Faymann als "Gusi II".

Aufbruch der anderen Art
Strache brachte auch seine aus seinem Wahlkampf schon hinlänglich bekannten Schmähs, wer sie noch nicht kannte, lachte trotzdem: Den einzigen Aufbruch, den die Menschen erlebt hätten, sei der Aufbruch der eigenen Wohnung und des eigenen Autos.

Für Festzeltstimmung sorgte vor Beginn der Rede Straches die John Otti Band. Beim Einzug Straches auf die Bühne würde die Arie "La donna e mobile" abgespielt. Neben den Gegendemonstranten hatten sich auch FPÖ-Gegner unter die Menge gemischt. So war auf einem Plakat in Anspielung auf den FPÖ-Spruch "Sie sind gegen ihn weil er für Euch ist" zu lesen: "Wir sind gegen ihn weil er für Euch ist."
(apa/red)