Ausschreibung für Holender-Nachfolge endet bald: Bisher erst sechs Bewerbungen

Ministerium über geringe Zahl "nicht überrascht" Neil Shicoff gilt als Favorit für Staatsopern-Direktion

Einige Tage vor dem Ende der Ausschreibung für die Nachfolge von Ioan Holender als Leiter der Wiener Staatsoper gibt es bisher sechs Bewerbungen. Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) sagte nach dem Ministerrat, dass fünf neue eingegangen seien. Tags zuvor hatte Schmied in einem ORF-Interview von bisher einer Bewerbung berichtet. ÖVP-Kultursprecher Franz Morak kritisierte die Direktorensuche als "Beauty-Contest am Boulevard".

Holender selbst hatte die Ausschreibung als eine "Farce" und "idiotisch" bezeichnet und gemeint: "Wenn man ein bisschen Glück hat, bewirbt sich niemand". Im Unterrichtsministerium wurde gegenüber der APA betont, dass es "nicht überraschend" sei, dass nicht allzu viele Bewerber den offiziellen Weg über die Ausschreibung wählen. Der enge Personenkreis, aus dem sich der künftige Direktor rekrutieren werde, "neigt nicht dazu, sich aktiv zu bewerben. Dessen sind wir uns bewusst", sagte ein Sprecher zur APA. Es ist jedenfalls gesetzlich verpflichtend, eine Ausschreibung durchzuführen, wurde betont.

Das Ergebnis der Ausschreibung ist nicht bindend, es kann auch ein Kandidat zum Zuge kommen, der sich nicht beworben hat. Als Favorit wird gemeinhin Neil Shicoff gehandelt. Ob Shicoff unter den bisherigen Bewerbungen ist, ist nicht bekannt.

"Das Wichtigste", die Gespräche der Ministerin mit den potenziellen Kandidaten, beginne nach dem Ende der Ausschreibung, betonte der Ministeriumssprecher. Dafür habe man sich "ganz bewusst" viel Zeit genommen, die Ministerin will den neuen Staatsopernchef im Juni bekannt geben. Es sei auch klar, dass sich ein guter Teil der Einreichungen erst zum Ende einer Ausschreibung einfindet, betonte der Sprecher.

Morak hatte das Interview von Schmied kritisiert. Während des laufenden Ausschreibungsverfahrens offiziell bekannt zu geben, wie viele Bewerbungen eingelangt sind, "ist nicht nur politisch höchst unsensibel, sondern vor allem für die Entscheidungsfindung nicht hilfreich. Das ist eine Aufforderung, sich nicht zu bewerben weil eh schon alles ausgemacht scheint. Wer will denn da noch dabei sein?", so Morak in einer Aussendung. (apa/red)