Auslieferung von Elsner immer konkreter: Geheimtreffen bringt Überstellung auf Kurs

Anklage räumt Zweifel über Gesundheitszustand aus Ex-BAWAG-Direktor weilt noch immer in Frankreich

Auslieferung von Elsner immer konkreter: Geheimtreffen bringt Überstellung auf Kurs

In der Causa Helmut Elsner, der sich trotz eines europäischen Haftbefehls nach wie vor in Frankreich aufhält, obwohl seine Überstellung nach Wien an sich längst genehmigt ist, hat ein Länder übergreifendes Geheimtreffen der beteiligten Anklagebehörden stattgefunden.

An dem Treffen, das über Vermittlung von Eurojust zu Stande kam und unter der Leitung der Eurojust-Vizepräsidentin Ulrike Haberl-Schwarz über die Bühne ging, nahmen unter anderem die Wiener BAWAG-Staatsanwälte Georg Krakow und Ronald Schön sowie ihr Kollege aus Aix-en-Provence, Bertrand Charpentier, teil, der dort mit dem Fall des einstigen BAWAG-Chefs Elsner betraut ist.

"Dabei wurden der Stand des österreichischen Strafverfahrens erläutert und Informationen über den Stand des Übergabeverfahrens ausgetauscht. Die beteiligten Staatsanwaltschaften haben auch alle Möglichkeiten eines weiteren abgestimmten Vorgehens besprochen", sagte Jarosch. Das Treffen habe mehrere Stunden gedauert. Zu konkreten Ergebnissen wollte sich Gerhard Jarosch, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, nicht äußern.

Überstellung des Ex-BAWAG-Chefs rückt näher
Teilnehmer an dem Geheimtreffen beschrieben das Gesprächsklima als "durchaus konstruktiv". "Uns war es vor allem wichtig, einen direkten Informationsaustausch aller am Auslieferungsverfahren beteiligten Behörden zu ermöglichen", erläuterte Jarosch. Die Überstellung des früheren BAWAG-Generaldirektors Helmut Elsner dürfte damit auf jeden Fall näher gerückt sein.

Konkrete Ergebnisse gab Jarosch naturgemäß nicht bekannt, um allenfalls beschlossene Maßnahmen nicht mit öffentlichen Ankündigungen zu torpedieren. Die Übergabe des ehemaligen BAWAG-Chefs dürfte zwar nicht unmittelbar bevorstehen, die behördeninterne Kommunikation sei aber auf jeden Fall verbessert worden, so der Sprecher: "Ziel des Treffens war es, Verständnis für die jeweils andere Seite zu gewinnen."

Kommt er oder kommt er nicht?
Bei der Staatsanwaltschaft Wien gab man sich zuversichtlich, dieses bei den französischen Kollegen erreicht zu haben. Helmut Elsner, den in Wien die U-Haft erwarten würde, befindet sich nach Hinterlegung einer Kaution in Frankreich nach wie vor auf freiem Fuß. Er behauptet, auf Grund einer koronaren Herzerkrankung nicht transportfähig zu sein. Sein Wiener Anwalt Wolfgang Schubert hatte angekündigt, der 71-Jährige werde nach einer Operation am Herzen freiwillig nach Österreich kommen und sich der Justiz stellen.

Ob ihm diese zuvorkommt, ihn in seiner Villa in Mougins in Gewahrsam nimmt bzw. nehmen lässt und Elsner mit einem entsprechend ausgestatteten Flugzeug der Notfallambulanz nach Wien transportiert wird, bleibt abzuwarten.

Zuletzt hatte es geheißen, das Zögern der französischen Behörden im Hinblick auf einen raschen Transport hätte sich in erster Linie auf gesundheitliche Bedenken bezogen. Diesen könnten die Wiener Staatsanwälte bei dem Geheimtreffen mit einer Art "Garantiererklärung" für die Unversehrtheit des früheren BAWAG-Chefs den Wind aus den Segeln genommen haben.

(apa/red)