Ausladung des Dalai Lama erregt Gemüter:
Friedenskonferenz nach Protesten abgesagt

Kritik an Südafrikas Regierung von allen Seiten Peking erneut mit Schimpftiraden gegen Dalai Lama

Ausladung des Dalai Lama erregt Gemüter:
Friedenskonferenz nach Protesten abgesagt

Aus Protest gegen die ablehnende Haltung der südafrikanischen Regierung gegenüber dem Dalai Lama haben die Organisatoren einer Friedenskonferenz die Veranstaltung im Kap-Staat abgesagt. China, das nach Ansicht von Beobachtern hinter der Absage steht, lobte die südafrikanische Regierung für ihr Verhalten - sie hatte dem Dalai Lama ein Einreisevisum verweigert. Das ursprünglich für diesen Freitag angesetzte Treffen sollte im Gastland der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 die einigende Kraft des Sports bei der Überwindung von Ausländerfeindlichkeit und Rassismus demonstrieren. Die Konferenz sei nun auf unbestimmte Zeit verschoben, hieß es.

Der Sprecher von Präsident Kgalema Motlanthe, Thabo Masebe, erklärte am Dienstag, das exilierte geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter werde bis nach der WM kein Einreisevisum erhalten. Masebe wies aber Vorwürfe zurück, die Regierung sei von China zu dieser Entscheidung gedrängt worden. Die Regierung wolle lediglich vermeiden, dass ein Besuch des Dalai Lamas zum internationalen Politikum werde und vom Geist der Fußball-WM ablenke. Südafrika will während dieser Veranstaltung nach eigenem Bekunden seine Entwicklung vom Apartheidstaat zu einer vorbildlichen Demokratie in den Mittelpunkt stellen. "Wenn Tibet zum Thema wird, wäre Südafrika nicht mehr das Thema", sagte Masebe.

Peking klatscht Beifall
Der chinesische Außenamtssprecher Qin Gang erklärte: "China widersetzt sich mit Bestimmtheit jedem Land, das offiziell Kontakt mit dem Dalai Lama aufnimmt oder seine sezessionistischen Aktivitäten unterstützt oder ihnen eine Plattform liefert." Sein Land klatsche dagegen Ländern Beifall, die sich der neben der Anerkennung der Ein-China-Politik der "Unabhängigkeit Tibets widersetzen". Wörtlich meinte er: "Das wahre Gesicht des Dalai Lama als ein Sezessionist und Heuchler wird von mehr und mehr Ländern und Völkern dieser Welt anerkannt."

Die Haltung der Regierung am Kap hatte weltweit Empörung und Ablehnung ausgelöst sowie zu Konferenz-Absagen und vereinzelten Boykott-Aufrufe geführt. Die nationale Lobbygruppe "Freunde Tibets" hatte die Fußballteams aus Norwegen und Südafrika aufgefordert, ihr Benefiz-Spiel am Samstag im neuen WM-Stadion in Rustenburg aus Protest zu streichen. Am Vortag hatten die Friedensnobelpreisträger Frederick Willem de Klerk sowie Erzbischof Desmond Tutu und das norwegische Nobelkomitee ihre Beteiligung abgesagt.

Ausverkauf der demokratischen Werte
Im eigenen Lande sprachen Kommentatoren von einem Ausverkauf der Werte, für die das demokratische Südafrika steht. Obwohl die Regierung behauptete, sie habe ihre Entscheidung ohne Druck von außen getroffen, hatte ein Mitarbeiter der chinesischen Botschaft eine Einflussnahme seiner Regierung zugegeben. Der Kap-Staat stellt rund 21 Prozent des chinesischen Handels auf dem Kontinent.

Der Enkel von Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela, Mandla Mandela, erklärte als Mitglied des Organisationsausschusses: "Die Verweigerung eines Visums für den Dalai Lama durch die Regierung befleckt wirklich unsere Demokratie-Bemühungen." Es sei unfair, wenn die Regierung wenige Tage vor Konferenzbeginn das Visum verweigere, da sie schon seit November 2008 darüber informiert gewesen sei. Ein souveräner Staat sollte sich nicht dem Druck eines anderen Staates beugen, sagte Mandla Mandela mit Blick auf China.

Die tibetische Exilregierung warf der südafrikanischen Regierung ebenfalls vor, unter Druck gehandelt zu haben. Dies sei umso bedauerlicher, als der Freiheitskampf der südafrikanischen Schwarzen gegen die Apartheid für die Tibeter immer eine Inspiration gewesen sei.
(apa/red)