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Region Sulmtal Sausal:
Mehr als Wein

Ausflugstipp - Region Sulmtal Sausal:
Mehr als Wein © Bild: Shutterstock/ PIXEL to the PEOPLE

Wer die Region Sulmtal Sausal besucht, kommt meist wegen des hervorragenden Weins. Doch mit Lavendel, Gin und hochwertigen Ölen gibt hier noch weitere Spezialitäten, die eine Reise wert sind

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Dietmar Kappel ist Hotelier, Küchenchef und Winzer. Das Kappel, das er gemeinsam mit seiner Frau führt, liegt auf rund 500 Metern im Sausal. An schönen Tagen reicht die Fernsicht bis Graz und auf der anderen Seite bis nach Slowenien. Vor dem Hotel fallen die Weinberge steil ab. "Die Neigung der Hänge beträgt bis zu 75 Prozent", erklärt Kappel. Das Besondere an der Region sind die Böden. Sie verleihen den Weinen auch ihre ganz typische Note. "Es gab hier noch nie geologische Verschiebungen. Unsere Reben wachsen auf Urgesteinsschiefer", so der Winzer. "Dieser Boden hat eine ganz besondere Mineralik. Der Nachteil davon ist allerdings, dass die Jungreben langsamer anwachsen."

© Inga Kjer/dpa/apa

Direkt am Hotel führt die Sausaler Weinstraße vorbei, die sich rund 15 Kilometer durch die grün-hügelige Landschaft schlängelt. Doch inmitten all der Reben links und rechts der Straße blüht es plötzlich blau-lila. Denn in Kitzeck wird auch Lavendel angebaut. Beinahe ist diese Heilund Medizinpflanze in der Steiermark in Vergessenheit geraten. Am Lavendelhof Wunsum wird sie mittlerweile aber wieder in größerem Stil kultiviert.

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Mit dem Hof hat sich Theresia Heigl-Tötsch einen Traum erfüllt. "Lavendel ist eine wunderschöne Pflanze", schwärmt sie. Zudem werden ihm eine Vielzahl an positiven Eigenschaften zugeschrieben. Er wirkt entspannend, und sein Geruch hält im Kleiderschrank Motten fern. Heigl-Tötsch war auf der Suche nach einem Produkt, das nicht Wein ist, und baute zunächst eine Vielzahl unterschiedlicher Kräuter an. Schließlich entschied sie sich vor 15 Jahren für den Lavendel. Mittlerweile baut sie auf einer Fläche von 2,5 Hektar Bio-Lavendel an. Gleichzeitig steigt auch die Zahl der daraus gewonnenen Produkte stetig. Im kleinen Shop direkt am Hof werden Tees, Seifen, Kekse, Marmeladen, Sirup, ätherische Öle und Lavendelessig angeboten. Am 29. und 30. Juni wird zudem heuer bereits zum 10. Mal das Lavendelfest unter dem Motto "Schauen, Riechen, Schmecken, Genießen" veranstaltet.

© AFP PHOTO / BORIS HORVAT Kitzecker Lavendel. Theresia Heigl-Tötsch hat sich mit dem Lavendel-Anbau einen lang gehegten Traum erfüllt. www.wunsum.com

Gin und Freilandschweine

Rund 60 Weinbauern gibt es im Sausal - darunter das Weingut Schneeberger. Die Familie produziert bereits in fünfter Generation Wein und ist immer auf der Suche nach Innovationen. So züchtet Vater Johann Schneeberger seit einiger Zeit auch Freilandschweine. Sie werden ausschließlich mit Getreide gefüttert und haben ein riesiges Freigelände zur Verfügung. Die aus den Schweinen hergestellten Spezialitäten werden in der Buschenschank verkauft und erhielten bereits etliche Auszeichnungen.

Sohn Hansi Schneeberger hat unterdessen das Sortiment um eine hochprozentige Spezialität erweitert: "Ich war vor einigen Jahren mit meiner Frau Sarina in Australien unterwegs. Dort ist uns aufgefallen, dass Gin gerade sehr populär ist. Und tatsächlich kam der Trend ein paar Jahre später auch nach Österreich", sagt Schneeberger über die Anfänge. Da er ohnehin schon seit Längerem Wacholderschnaps destillierte und damit die Grundzutat hatte, begann er, zurück zu Hause, zu experimentieren. Von den ersten Versuchen bis zum marktreifen Gin dauerte es gut ein Jahr. Jetzt bietet er zwei Sorten davon an. Das genaue Rezept ist natürlich ein Geheimnis, nur so viel verrät Schneeberger: "Für beide Sorten verwende ich 27 verschiedene Botanicals, darunter etwa den Kitzecker Lavendel. Ich versuche, den Großteil der Zutaten selbst anzubauen oder regional zu beziehen." Und wie schmeckt sein Gin? "Einer meiner Gins ist frisch und fruchtig. Der zweite wird 18 Monate in Holzfässern gereift. Das macht sich natürlich ebenfalls im Geschmack bemerkbar."

Naturbelassene Öle

Auf regionale Grundstoffe mit hoher Qualität setzt auch Thomas Hartlieb. Er betreibt eine Ölmühle in Heimschuh. Sein Urgroßvater erwarb 1907 die Mühle, die damals noch als Getreidemühle und Sägewerk genutzt wurde. Doch mit den Jahrzehnten wurde sowohl die Getreidemühle als später auch das Sägewerk zu klein, um bestehen zu können, und so spezialisierte sich Thomas Hartlieb auf hochwertige Speiseöle. "Meine Philosophie ist es, naturbelassene, ungefilterte Öle herzustellen", erklärt er. Mittlerweile sind es 25 unterschiedliche Sorten, die gepresst werden; darunter natürlich steirisches Kürbiskern-, Sonnenblumen-und Haselnussöl. Aber auch ausgefallenere Sorte wie Marillenkern-, Chia-oder Erdmandelöl werden hier produziert. "Wir pressen das ganze Jahr über kleine Mengen. So sind unsere Öle immer frisch", sagt Hartlieb.

Sein Ziel ist es, die Rohstoffe aus unmittelbarer Nähe des Betriebs zu beziehen. "Es spricht sich herum, und so bringen mir immer mehr Menschen etwa Walnüsse aus ihren Gärten", so Hartlieb. Auch die Sonnenblumen wachsen gleich nebenan. Denn ein Mitarbeiter baut im Nebenerwerb diese Pflanze an und versorgt so die Mühle mit Sonnenblumenkernen.

Kaiserliches Huhn

Thomas Hartlieb experimentiert gerne und hat "immer offene Augen und Ohren, ob es Neues zu pressen gibt". So erweitertet er laufend das Sortiment und bringt immer wieder zusätzliche Öle auf den Markt. Selten, aber doch passiert es allerdings, dass eine Sorte einfach nicht gelingen will. "Ich habe lange versucht, ein Holundersamenöl zu pressen. Aber es hat einfach nicht funktioniert", sagt er. Eine weitere Spezialität der Region ist das Sulmtaler Huhn. "Früher war es ein kaiserliches Huhn. Denn es wurde nur am Kaiserhof serviert", erklärt Hühnerzüchterin Gertrude Strohmaier. Danach sei es allerdings in Vergessenheit geraten, da diese Rasse sehr langsam wächst. Auch legen Sulmtaler Hühner nur 120 Eier pro Jahr und nicht wie Zuchthennen bis zu 360.

Getrude Strohmaiers Liebe zu den Sulmtaler Hühnern begann mit Henne Susi. "Sie war das erste Huhn dieser Rasse, das wir bekommen haben. Sie war sehr intelligent", so Strohmaier. Zehn Jahre lang lebte Susi auf dem Hof und folgte Gertrude Strohmaier auf Schritt und Tritt. Seither ist ihr diese Rasse besonders ans Herz gewachsen, mittlerweile leben 260 Hennen und 15 Hähne am Hof. Damit die Hähne friedlich zusammenleben, hängt eine spezielle mit dem Tierarzt entwickelte Naturkräutermischung im Stall. "Es sind Rotklee und Wiesenkräuter dabei. Die Rezeptur ist allerdings geheim. Aber die Hähne werden dadurch eindeutig viel ruhiger", erklärt Strohmaier. Als besondere Delikatesse gilt das Fleisch der Junghähne, der Kapaune. Derzeit brüten die Hennen am Hof von Strohmaier rund 400 Eier aus, Ende November ist das Fleisch dann erhältlich.

Und auch im Hotel Das Kappel wird laufend experimentiert, um den Gästen neue Genüsse bieten zu können. So hat Helene Kappel rund um das Haus einen Obstgarten angelegt. Das Ergebnis: 25 verschiedene Marmeladensorten.

Wellness und Reisling

Rund 60 Winzer gibt es in der Region Sulmtal Sausal. Besonders gut gedeiht hier der Riesling. Die Sausaler Weinstraße ist rund 15 Kilometer lang. Sportliche können sie auf mit dem Rad oder E-Bike bewältigen. In der Region finden auch regelmäßig Veranstaltungen statt. Zu den Höhepunkten zählen u.a. die Sausaler Ballontage (30.5. bis 1.6.) und das Kitzecker Lavendelfest (29.6. bis 30.6).

Essen. In der Region gibt es zahlreiche Buschenschanken. Öffnungszeiten unter: www.sulmtal-sausal.at Eine fantastische Aussicht und eine hervorragende Küche bietet das Panoramahotel Restaurant Steirerland, das auch eine beliebte Location für Hochzeiten ist. Sausal 10,8442 Kitzeck, www.steirerland.co.at

Schlafen. Das Winzer-Wellness-Hotel Das Kappel verfügt über einen großen Spa-Bereich. Auch kulinarisch ist das Hotel top. Dietmar Kappel ist nicht nur Winzer, sondern auch Küchenchef und erkochte eine Gault-Millau-Haube. Steinrigel 25,8442 Kitzeck. www.daskappel.at

Anreise. Es ist möglich - und für all jene, die vorhaben den Wein und Gin zu kosten, sinnvoll -, diese Region öffentlich zu bereisen. Dazu mit dem Zug bis Graz und dann weiter mit der S-Bahn nach Kaindorf an der Sulm. Ab hier mit dem Gästetaxi. Empfehlenswert ist etwa Taxi Silvia, Tel: 0664-88657826

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der News Ausgabe Nr. 15/19

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