Ausbleiben der Winterdepression bei sonnigem Winter: Positiv für Körper & Geist

Zahl der Sonnenstunden täglich passt zur Tageslänge Frühjahrsmüdigkeit fällt durch milden Winter aus

Der bisher milde Winter ohne Meter hohe Schneedecken, zugefrorene Seen und Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt sorgt bei Wintersportliebhabern nicht gerade für Begeisterung. Das für Österreichs Breitengrad ungewohnt warme Wetter hat aber auch seine guten Seiten.

Auf körperliches und seelisches Wohlbefinden dürfte sich das derzeitige kühle und gleich bleibende Wetter eher positiv auswirken, sagte Cornel Binder-Krieglstein, Psychologe im Berufsverband der Psychologen (BÖP), im APA-Gespräch.

Sonnenstunden passen zur Tageslänge
Wer in den kühlen Wintermonaten und Depressionen leidet, hat in diesem Winter einen eindeutigen Vorteil. Mit jedem Tag ohne Sonnenschein sinkt das Wohlbefinden, weiß der Psychologe. Oft bleiben die wärmenden Strahlen in der kalten Jahreszeit zwei bis drei Wochen hinter einer dicken Wolkendecke oder Nebel verborgen. Derartiges sei in den vergangenen Wochen allerdings noch gar nicht vorgekommen. Die Zahl der Sonnenstunden täglich passe zur Tageslänge.

Wetterschwankungen schlimm für Körper
Für den Biorhythmus seien die überdurchschnittlich warmen Wintertemperaturen kein so wichtiges Thema, meinte Binder-Krieglstein. Denn bei einem sehr harten, kalten Winter werden Temperaturextreme durch den Einsatz der Heizung kompensiert. Schlimm für Körper und Psyche seien hingegen starke Wetterschwankungen oder extreme Hitze. Generell würden sich auf den Biorhythmus vor allem sehr heiße Temperaturen nachteilig auswirken.

Ausbleiben der Frühjahrsmüdigkeit
Bleibt der Winter auch in den kommenden Monaten derartig zahm, kann man auch auf ein Ausbleiben der Frühjahrmüdigkeit hoffen. Je rascher und unerwarteter der Übergang von einem harten Winter zu einem warmen Frühjahr erfolgt, desto stärker tritt Erschöpfung und Müdigkeit auf, erklärte der Psychologe. Ist der Wechsel zwischen den Jahreszeiten sanft, gewöhnt sich der Körper schneller und leichter an die Umstellung.

Sorge um Natur
Das Ausbleiben der Besuche von Frau Holle hat allerdings auch seine negativen Auswirkungen auf das Gemüt, gab der Psychologe zu bedenken: Viele seien angesichts des ungewöhnlichen Winterwetters beunruhigt und würden sich Gedanken über die Umwelt machen, meinte Binder-Krieglstein. "Da funktioniert etwas nicht in der Natur", sei der Gedanke vieler Menschen. "Die Sorge um die Natur überwiegt dabei in vielen Fälle die Freude über Heizkostenersparnis."

Nur wenige traurig
Wirklich traurig über das Fehlen der weißen Pracht seien allerdings nur wenige, meinte der Psychologe. Hätte es noch gar keine Minustemperaturen gegeben, wäre die Sehnsucht nach der kalten Jahreszeit mit Sicherheit größer. So kann man zumindest sagen: "Gut es war ein milder Winter, aber immerhin ein Winter", meinte er.

(apa/red)