Aus für Wettanbieter bwin in Deutschland: Sachsen entzieht Lizenz - Zwangsgeld droht

Veranstalten und Vermitteln von Wetten untersagt Verbot gilt für alle privaten Sportwettenanbieter

Der österreichische Sportwettenanbieter bwin darf keine Wetten mehr in Deutschland anbieten. Dies besagt eine am Donnerstag erlassene Untersagungsverfügung des sächsischen Innenministeriums. Medienberichten zufolge entfällt auf Deutschland rund ein Drittel des Umsatzes der börsentierten bwin (vormals betandwin). Das Unternehmen kündigte umgehend rechtliche Schritte inklusive einer 500 Mio. Euro-Klage an. Das Wettangebot bleibe vorerst online. CA IB-Chefanalyst Reisenberger rät trotzdem, die Finger derzeit von bwin-Aktien zu lassen.

Der Kurs der bwin-Aktie gab am Donnerstag teils bis knapp unter 20 Euro nach, erholte sich bis zum Nachmittag aber wieder bis auf 22,80 Euro, nur noch ein Minus von knapp 1 Prozent. Am Mittwoch war die Aktie um fast 30 Prozent abgesackt. Gemessen am Stückumsatz setzten sich die bwin-Titel am Donnerstag an die Spitze, weit vor Telekom Austria und voestalpine.

Konkret richtet sich der Lizenzentzug gegen die in Sachsen angesiedelte bwin e.K., die zu 50 Prozent Steffen Pfennigwerth gehört, die anderen 50 Prozent entfallen auf die bwin Interactive Entertainment AG als atypisch stiller Eigentümer. Weiters sind von der Untersagungsverfügung 52 private Anbieter betroffen. In Deutschland gilt ein Wettmonopol, bwin hat allerdings eine DDR-Lizenz aus 1990, dem Jahr der deutschen Wiedervereinigung.

bwin-Vorstand Manfred Bodner zeigte sich im Gespräch mit der APA empört: "Das ist ein Übergriff der Politik." Die Vorgehensweise Sachsens "wird Konsequenzen für die Politiker haben", so Bodner. Seiner Meinung nach würden sich die verantwortlichen Entscheidungsträger "klar außerhalb des Rechtsrahmen bewegen". Steffen Pfennigwerth betonte, das Unternehmen wolle nun die 14-Tages-Frist nutzen, um eine gerichtlich Aufhebung des Sofortvollzugs zu erreichen.

Der Münchner Fachanwalt Wulf Hambach erwartet jedenfalls einen langwierigen Rechtsstreit. "Dieser Schritt wird sich als Bumerang erweisen", meinte wiederum Sportrechtsexperte und Rechtsanwalt Thomas Summerer zur Nachrichtenagentur AP. Der Sportwettenmarkt per Internet werde nicht von Regierungsseite reguliert werden können, sagte er.

Der bayrische Innenminister Günther Beckstein stellte klar, dass das Verbot sofort gelte. Weitere Angebote Privater wären ein "kriminelles Verhalten, denn es ist in Deutschland verboten private Wetten zu veranstalten." Der sächsische Innenstaatssekretär Jürgen Staupe kündigte jedenfalls ein "konsequentes Vorgehen" gegen die privaten Wettanbieter an. Die Länder argumentieren, dass nur ein Wettmonopol, wie es die deutsche Oddset besitzt, vor den Gefahren der Spielsucht schützt.

Nicht nur für bwin, sondern auch für den deutschen Sport und die deutsche Fernsehlandschaft geht es um viel Geld. Für den Spitzen- und Breitensport macht bwin rund 30 Mio. Euro locker, das Gesamtmarketingbudget beträgt 56 Mio. Euro. Die deutschen TV-Sender kassieren jährlich von allen Wettanbietern schätzungsweise 100 Mio. Euro an Werbeeinnahmen. Besorgt haben sich jedenfalls bereits die beiden deutschen Fußballklubs Werder Bremen und TSV 1860 München gezeigt. Werder Bremens Marketing-Chef Manfred Müller meinte gar: "Was im Moment in Deutschland passiert, ist beispiellos. Das ist eine Treibjagd gegen Wettanbieter."

In Österreich gibt es zumindest einen anderen Rechtsrahmen. Während beim Nachbarn ein Wettmonopol herrsche, bräuchten Anbieter in Österreich lediglich eine gewerberechtliche Genehmigung, über die bwin (vormals betandwin) verfüge, so bwin-Sprecherin Karin Klein auf APA-Anfrage.

Ob der Wettanbieter sich nun mit der Bitte um Unterstützung an die heimische Politik wenden wolle, ließ Klein offen. Sie merkte aber an, dass im Aufsichtsrat ein sehr prominenter Ex-Politiker (der ehemalige Finanzminister und bwin-Teilhaber Hannes Androsch, Anm.) sitze. Hintergrund: Als die ebenfalls börsenotierte Telekom Austria bei der Versteigerung einer Mobilfunkfrequenz in Serbien auf ungewöhnlichen Widerstand stieß, setzte sich Verkehrsminister Hubert Gorbach (B) vor Ort für den ehemaligen Staatsbetrieb ein. Den Zuschlag erhielt die Telekom allerdings später trotzdem nicht.

Auf bwin E.K. droht inzwischen - wie die Süddeutsche Zeitung in ihrer Donnerstag-Ausgabe berichtet - weiteres Ungemach zuzukommen. Die Wirtschaftsprüfer hätten beim Jahresabschluss 2005 auf mögliche Steuerprobleme hingewiesen, die den Fortbestand des Unternehmens gefährden könnten. Der sächsische Fiskus ermittelt demnach seit 2003, ob bwin E.K. mit einer Wettsteuer in Höhe von 16,66 Prozent belegt werden könnte. Das könnte mehrere 100 Mio. Euro ausmachen, schreibt die deutsche Tageszeitung. Ein Verfahren beim Fiskus läuft nach bwin-Angaben noch. Aus dem Börseprospekt gehe jedenfalls hervor, dass die Finanz eine Wettsteuerpflicht der deutschen bwin bereits für den Zeitraum 1. August 2000 bis 31. Mai 2002 bejaht hatte. Der Betrag wäre laut Bericht noch offen.

bwin ist seit März 2000 an der Wiener Börse notiert. Das Unternehmen mit offiziellem Sitz in Gibraltar (Spanien) und drei Niederlassungen in Europa erzielte 2005 einen Umsatz von rund 1,13 Mrd. Euro und beschäftigte im Vorjahr 295 Mitarbeiter. Der Wettumsatz betrug 2005 nach Eigenangaben 1,14 Mrd. Euro.

(apa)