Aus für Verbrennungsmotor? von

"Wertvernichtung in Milliardenhöhe"

Verbrenner-Debatte verunsichert mehr als Diesel-Diskussion

Aus für Verbrennungsmotor? - "Wertvernichtung in Milliardenhöhe" © Bild: apa/dpa/Julian Stratenschulte

Das mögliche Ende von Verbrennungsmotoren hätte unmittelbar negative Auswirkung auf den Wiederverkaufswert von Fahrzeugen.

Die Autobranche ist im Umbruch. Die Ära der Verbrennungs- motoren könnte bald zu Ende gehen.
Ein schnelles Aus dürfte aber nich zu erwarten sein. Der Umstieg vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb werde Jahrzehnte in Anspruch nehmen, so die Einschätzung von VW-Personalvorstand Karlheinz Blessing.
Auch hierzulande zieht man die Handbremse an. Über zwei Drittel der Autofahrer in Österreich, rund 68 Prozent, halten ein Auslaufen der Verbrenner-Technologie ab 2030 für unrealistisch. So eine Online-Umfrage des Markt- und Meinungsforschungs-Institutes Integral im Auftrag des ÖAMTC.

Ein mögliches Aus hätte auch unmittelbar negative Auswirkung auf den Wiederverkaufswert von Fahrzeugen. 64 Prozent fürchten einen niedrigeren Wiederverkaufswert. "Egal welche Rahmenbedingungen für Autos die Politik letztlich festlegt, es braucht hier und heute eine Weiterfahr-Garantie für Bestandsfahrzeuge. Ansonsten droht Wertvernichtung in Milliardenhöhe für Konsumenten", so Bernhard Wiesinger, Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung.

Ende von Verbrennungsmotoren

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Die Mehrheit der Befragten spricht sich indes für eine Nennung von konkreten Zielwerten aus, statt einer Vorschreibung der Antriebsart aus. 73 Prozent wollen, dass die Politik lieber Zielwerte – etwa für Abgase – und nicht die Antriebsart selbst vorschreibt. 58 Prozent wollen ihre bestehenden Fahrzeuge unbeschränkt weiternutzen und -verkaufen können.

Auch die Diskussion über zu hohe NOx-Emissionswerte bei Dieselfahrzeugen sorgt für Verunsicherung unter den österreichischen Autofahrern. "Die meisten davon trauen den Aussagen der Autohersteller nicht mehr, machen sich einerseits Sorgen um die Umwelt bzw. Luftqualität und fürchten andererseits Fahrverbote sowie einen geringeren Wiederverkaufswert für ihre Diesel-Fahrzeuge", fasst der Leiter der ÖAMTC-Interessenvertretung zusammen. Obwohl bei den jüngsten Verkaufszahlen noch relativ wenig Bewegung zu sehen ist, geben 25 Prozent der Befragten an, dass sie – falls sie demnächst einen neuen Pkw kaufen würden – aufgrund der aktuellen Diesel-Diskussion kein Dieselauto mehr in Betracht ziehen wollen.

Hardware- statt Software-Update

Auf die Frage, welche der vorgeschlagenen Maßnahmen für eine Senkung der NOx-Werte als erste ergriffen werden sollte, nennen 35 Prozent der Teilnehmer ein Hardware-Update auf Kosten des Herstellers, 24 Prozent die Optimierung der Ampelschaltung (Grüne Welle) und 19 Prozent ein Software-Update als bevorzugte Maßnahme. 13 Prozent sprechen sich für eine Verschrottungsprämie für alte Dieselfahrzeuge, aber nur neun Prozent für (teilweise) Fahrverbote in Städten aus. Umgekehrt reihte die Hälfte der Befragten Fahrverbote in Städten als die letzte Maßnahme, die ergriffen werden sollte.

© apa/Margret Schmitt

Keine Verbote von Verbrennern

Am morgigen Dienstag treffen Vertreter internationaler Autokonzerne und Infrastrukturminister Jörg Leichtfried beim sogenannten Dieselgipfel zusammen.
Über die kurzfristige Situation hinaus geht es dann für Leichtfried darum, die Abgasstrategie 2030 zu entwickeln. Er will zwar keine Verbote von Verbrennern. Es soll aber eine Lage gesichert werden, in der es keine Nachteile gebe, emissionsfreie Autos anzumelden. "Die Alltagstauglichkeit muss hergestellt werden."

Kommentare

Roland Mösl

In vielen Großstädten Chinas sind schon seit Jahrzehnten Zweiräder mit Verbrennungsmotor nicht mehr zulassungsfähig. Dort fahren deswegen schon über 250 Millionen Elektroroller.

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