Aus der "Tomate" wurde ein "Tier": Shaun White ist der Superstar der Halfpipe-Szene

Waghalsige Tricks fordern immer mehr Verletzte Snowboard-Bewerb ohne österreichische Beteiligung

Aus der "Tomate" wurde ein "Tier": Shaun White ist der Superstar der Halfpipe-Szene © Bild: EPA/Leanza

Die "fliegende Tomate" ist tot, es lebe das "Tier!" Der 23-jährige Snowboard-Superstar Shaun Roger White hat unmittelbar vor den Spielen in Vancouver eine endgültige Metamorphose durchgemacht. Man möge ihn jetzt nur noch Shaun "Animal" White nennen, bat der weltbeste Halfpipe-Fahrer bei seiner Ankunft in der Olympiastadt. Der Kalifornier wird wegen seiner roten Haarmähne schon länger mit dem zottelhaarigen Schlagzeuger aus der Muppets Show (The Animal) verglichen.

Ob Tomate oder Tier, White hat nach seinem Olympiasieg vor vier Jahren in Turin die Snowboard-Szene revolutioniert und gilt als der überragende Favorit im heutigen Männer-Bewerb. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der 1986 mit einem Herzfehler geborene und mittlerweile auf ein Jahreseinkommen von neun Mio. US-Dollar (6,61 Mio. Euro) geschätzte Turin-Olympiasieger mit dem Double-McTwist 1260 (Doppelsalto rückwärts mit dreieinhalb Schrauben) sowie zwei in Folge gezeigten Double-Corks 1080 seit diesem Winter Tricks im Programm hat, mit denen er unschlagbar sein sollte.

Halfpipe-Sprünge werden gefährlicher
Im Halfpipe-Sport versuchen sich die besten Akteure Winter für Winter mit neuen und immer schwierigeren Tricks zu übertrumpfen. Wie sehr das ins Auge gehen kann, zeigt das Beispiel von Whites US-Landsmann Kevin Pearce. Der zog sich zum Jahreswechsel beim Einüben neuer Höchstschwierigkeiten schwere Kopfverletzungen zu und lag danach lange im Koma.

White hingegen konnte dank seines österreichischen Sponsors Red Bull auch die schwierigsten Tricks relativ gefahrlos ausprobieren. Vor einem Jahr hatte man ihm in Silverton/Colorado im Zuge des "Projekt X" eine private Pipe geshaped und erstmals eine riesige Schnitzelgrube auf dem Berg installiert, wie sie sonst bisher nur aus der Motocross-Szene bekannt war.

Shaun White Superstar
Trotzdem stürzte auch White unlängst im Training der X-Games in Aspen schwer, knallte mit dem Kopf auf dem Rand auf und verlor dabei seinen Helm. Mit zunächst blutigem Gesicht zeigte White den Trick dann aber trotzdem auch im Wettkampf und holte, sieben Jahre nachdem er als 16-Jähriger bei diesem in der Freestyle-Szene höher als Olympia eingeschätzten Event seine erste Medaille gewonnen hatte, sein zehntes Gold.

Die FIS-Weltcup geht am Szene-Star, der lieber die TTR-Tour bestreitet, hingegen fast völlig vorbei. Mit der Generalprobe in Cypress und dem August-Bewerb in Neuseeland hat er gerade zwei Weltcupbewerbe seit Turin bestritten. Beide gewann er.

Bewerb ohne Österreicher
"Das ist der beste Programm meines Lebens. Ich hoffe, er klappt auch bei Olympia" sagte White, auf dem aber nun doch einiger Druck lastet. Denn mit Pearce und Danny Davis müssen die USA am Cypress Mountain zwei verletzte Medaillen-Kandidaten in der Halfpipe vorgeben.

Im einzigen Snowboard-Bewerb ohne österreichische Beteiligung dürfte bei den Herren neben den Japanern der für die Schweiz fahrende Russe Iouri Podladtchikov erster Konkurrent von White sein. Bei den Damen wird ein Großangriff der jungen Chinesinnen auf die US-Riderinnen Gretchen Bleiler, Kelly Clark und Hannah Teter erwartet. Weltmeisterin Liu Jiayu führt eine junge Truppe aus dem Reich der Mitte an, als Einzige hat aber die Australierin Torah Bright den Double Cork im Programm.

(apa/red)