Aufsichtsratschef der deutschen Bank geht:
Rücktritt wegen Bundesgerichtshof-Urteil

Breuer will weitere Diskussionen über ihn vermeiden Nachfolger wird Vorstandsmitglied Clemens Börsig

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, zieht die Konsequenzen aus dem andauernden Rechtsstreit mit dem früheren Medienunternehmer Leo Kirch und gibt sein Amt auf. Er werde sein Mandat zum 3. Mai niederlegen, teilte Breuer dem Kontrollgremium in einer außerordentlichen Sitzung am Sonntag mit. Er wolle die Bank nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in einem der von Kirch angestrengten Prozesse "von weiteren Diskussionen um seine Person entlasten", hieß es in einer Mitteilung.

Der BGH hatte Ende Jänner entschieden, dass Breuer durch seine öffentlich geäußerten Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit vertragliche Pflichten gegenüber der Kirch-Gesellschaft Printbeteiligungs GmbH verletzt hat. Für den 68-Jährigen ist es bereits die zweite schmerzliche Niederlage innerhalb eines Jahres: Im Herbst musste Breuer auf Druck von Großaktionären auch als Aufsichtsratschef der Deutschen Börse zurücktreten.

Als Nachfolger an der Spitze des Kontrollgremiums der Deutschen Bank ist der bisherige Finanzvorstand Clemens Börsig vorgesehen. Er soll auf der Hauptversammlung am 1. Juni in den Aufsichtsrat gewählt und dann auf der nächsten Sitzung zum Vorsitzenden bestimmt werden.

Börsig spielt damit auch eine Schlüsselrolle, falls vorzeitig ein Nachfolger für Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gefunden werden muss. Ackermann hatte angekündigt, im Fall einer Verurteilung nach der Neuauflage des Mannesmann-Prozesses von seinem Amt zurückzutreten. Derzeit ist noch unklar, wann der Prozess wieder aufgerollt wird. Börsig gilt im Gegensatz zum charismatischen Breuer als nüchterner Zahlenmensch. In der breiteren Öffentlichkeit ist er bisher kaum in Erscheinung getreten.

Ackermann sprach Breuer, dessen Amtszeit regulär noch bis 2008 lief, seinen Dank aus. Breuer habe die Entscheidung "im besten Interesse der Bank getroffen" und verdiene "ein Höchstmaß an Respekt". Der promovierte Jurist Breuer war seit 1985 Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, zwischen 1997 und 2002 leitete er das Institut.

Das Finanzressort von Börsig wird künftig auf zwei Schultern verteilt: Das Rechnungswesen übernimmt per 4. Mai Anthony Di Iorio, das Risikomanagement Hugo Bänziger. Beide Manager arbeiten bereits in den jeweiligen Ressorts in leitender Funktion für die Deutsche Bank. Erstmals seit dem Abgang von Thomas Fischer, eines einstigen Rivalen Ackermanns im Rennen um den Vorstandsvorsitz, erhält die Bank damit wieder einen eigenen Vorstand für Risikomanagement. Hintergrund für den Stabwechsel am 4. Mai ist der Umstand, dass die Deutsche Bank tags zuvor ihre Geschäftszahlen für das erste Quartal bekannt gibt.

Nach Einschätzung von Branchenexperten hatte sich der interne Druck auf Breuer in den vergangenen Monaten verschärft. Kirch hatte den Manager und die Bank in den vergangenen Jahren mit einer Welle von Klagen wegen Breuers Äußerungen über die mangelnde Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe überzogen. Dies hatte nach Einschätzung von Kirchs Anwälten den Zusammenbruch des Medien- Konglomerats ausgelöst.

Der BGH hatte Kirch in seinem Urteil grundsätzlich Anspruch auf Schadenersatz zugesprochen. In einem neuen Prozess muss geklärt werden, wie hoch der Schaden ist und ob er nicht schon durch die damalige Situation des bereits angeschlagenen Kirch- Konzerns verursacht wurde.
(apa)