Aufregung um Olympia-Korruptionsvorwurf:
Norwegisches IOC-Mitglied rudert nun zurück

"Falsch zitiert, habe nicht von Korruption gesprochen" Unterstützung für Salzburg von US-TV-Sender NBC

Weniger als 24 Stunden vor der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2014 hat der Norweger Gerhard Heiberg seine Korruptionsvorwürfe revidiert. Er sei falsch zitiert worden, erklärte das Mitglied des IOC-Exekutivkomitees in Guatemala-Stadt nach der Eröffnungsfeier der 119. Vollversammlung gegenüber der Deutschen Presse Agentur dpa. "Ich habe es schon mit den norwegischen Medien geklärt. Ich bin falsch zitiert worden. Ich habe nicht von Korruption gesprochen, sondern nur gesagt, dass zu viel Geld im Spiel ist und ausgegeben wird", sagte der Chef der Spiele von Lillehammer.

Heiberg war vom norwegischen Rundfunk NRK mit den Worten zitiert worden, es habe seitens der Bewerberstädte Salzburg, Sotschi und Pyeongchang Bestechung und Korruption, Geschenke und Einladungen gegeben.

"Es muss versucht werden, die finanzielle Obergrenze von Bewerbungen strikter zu limitieren", erklärte Heiberg weiter. Die gegenwärtige Situation mit beinahe grenzenlosen Bewerbungsbudgets führe bei einigen IOC-Mitgliedern zu Unmut.

Genau diesen sprach auch Österreichs Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) an. "IOC-Mitglieder haben mir gesagt, sie haben den Eindruck, dass dies keine Bewerbung, sondern eine Auktion sei. Sie sind sehr beunruhigt darüber", sagte Gusenbauer. Er wiederholte seine Aussagen, wonach in Guatemala "eine fundamentale Entscheidung" getroffen werde, die über die künftige Richtung der Olympischen Bewegung entscheide. Auch benötige die Welt nicht noch mehr "olympische Ruinen, die nur bei den Olympischen Spielen genützt werden und dann hat keiner mehr Verwendung für sie". Beim russischen bzw. koreanischen Mitbewerber müsste ja die Mehrheit aller Sportstätten noch gebaut werden, in Salzburg bestehen 7 von 11 nötigen Schauplätzen bereits.

Heiberg beklagte vor allem, die Kandidaten würden es in ihren Bemühungen übertreiben. Gerüchten zufolge sollen einzelne IOC-Mitglieder in ihren Zimmern Briefe vorgefunden haben.

Die IOC-Ethik-Kommission hat selbst Russlands Präsident Wladimir Putin an die Regeln erinnern müssen. Demnach sind Gespräche mit IOC-Mitgliedern nur im offiziellen IOC-Hotel erlaubt. Laut lokalen Medienberichten hatte der Kreml-Chef einige Funktionäre in eine Villa bestellen wollen.

Die russische Tageszeitung "Kommersant" (Moskau) geht allerdings in ihrer Betrachtungsweise schon einen großen Schritt weiter. "Für Wladimir Putin ist die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees ein sehr wichtiger Moment in seiner politischen Karriere. Ein Sieg Sotschis wäre als eine weltweite Anerkennung zu verstehen. Die Staatengemeinschaft würde damit den politischen Kurs Putins honorieren, den er in den vergangenen sieben Jahren als Präsident Russlands eingeschlagen hat."

Ähnlich wie vor zwei Jahren die Rede von Tony Blair, die möglicherweise bei der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2012 nach London eine Rolle gespielt hat, will auch Putin die IOC-Mitglieder überzeugen. "Die Rede des Präsidenten wird auf gewisse Weise eine Überraschung - nicht nur für das IOC, auch für uns", meinte der stellvertretende Ministerpräsident Russlands, Alexander Schukow, kryptisch. Ob sich Sotschi im Falle einer Niederlage wieder bewerben werde? "Wir werden gewinnen. Das IOC wird keinen Zweifel mehr haben, dass Russland all seine Versprechen halten wird."

Nicht so überzeugt war davon übrigens eine kleine Gruppe von teilweise maskierten Aktivisten, die sich auf einem Platz in Moskau zu einer Demonstration versammelten. Nach deren Ansicht würde der Zuschlag einem "ökologischen Desaster" gleichkommen.

In der "Süddeutschen Zeitung" sieht ein Kommentator Salzburg vor der Wahl "als letzten Mohikaner einer anderen Zeit". "Österreich, ein sportlicher Kandidat ohne finanzielle Feuerkraft, gerät so in eine Situation, auf blanken Protektionismus angewiesen zu sein", so die Süddeutsche. Unterstützung erhält Salzburg ausgerechnet vom mächtigen US-TV-Sender NBC. Die neuen Fernsehverträge für 2014 und 2016 wurde noch nicht unterschrieben, und im Falle eines Votums für Sotschi oder Pyoengchang wurde ein Abzug von 500 Mio. Dollar vom geplanten Preis angekündigt.

(apa/red)