Aufregung bei Moslems: Ahmadinejad akzeptiert Papst-Klarstellung zu Islam-Rede

Al Kaida: "Wir setzen unseren Heiligen Krieg fort"<br>Vatikan startet nun diplomatische Friedens-Offensive PLUS: Die internationalen Pressestimmen zur Krise

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinejad hat die Klarstellung von Papst Benedikt XVI. zu den umstrittenen Äußerungen über den Islam begrüßt. Benedikt habe seine Aussagen "abgeändert", sagte Ahmadinejad zum Abschluss eines zweitägigen Venezuela-Besuchs in der Hauptstadt Caracas. "Wir respektieren den Papst und all jene, die für Frieden und Gerechtigkeit sind."

Dass Papst Benedikt XVI. sein Bedauern über Missverständnisse im Zusammenhang mit seinen Islam-Äußerungen ausgedrückt hat, hat die Wogen des Zorns in bestimmten Teilen der islamischen Welt aber noch nicht geglättet. Im Irak verbrannten Schiiten Bilder des Papstes sowie deutsche, amerikanische und israelische Flaggen als Zeichen ihres Protestes. Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, kritisierte die Äußerungen scharf und meinte, die Passagen der Papst-Rede an der Uni Regensburg vergangene Woche seien das "letzte Glied eines Komplotts für einen Kreuzzug".

Unterdessen erneuerte die Terrorgruppe einmal mehr ihre Drohungen gegen den Papst und den Westen im Allgemeinen. "Wir sagen dem Diener des Kreuzes: Warte auf die Niederlage", hieß es in einer am Montag im Internet veröffentlichten Erklärung. "Wir sagen den Ungläubigen und Tyrannen: Wartet, was euch heimsuchen wird. Wir setzen unseren Heiligen Krieg fort", hieß es weiter. "Wir werden das Kreuz zertrümmern."

Worte des Bedauerns weitere Beleidigung
Der Direktor des Interkulturellen Forschungsinstitutes (OCCRI) in Oxford, Scheich Riad Hanif Nadwi, warf dem Papst vor, er habe die Muslime mit seinen Worten des Bedauerns noch zusätzlich beleidigt. Denn der Papst habe behauptet, dass die Muslime seine Regensburger Rede falsch verstanden hätten. Dies sei aber keineswegs der Fall gewesen. "Die Andeutung, dass die Muslime diese komplizierte philosophische Diskussion missverstanden hätten, ist im besten Falle herablassend", sagte der erboste Scheich.

Im Kontrast zu der anhaltenden Kritik an Papst Benedikt XVI. steht der große Respekt, den sein Vorgänger Johannes Paul II. in der arabischen Welt bis heute genießt. "Groß ist der Unterschied zwischen der Toleranz, die aus den Worten von Johannes Paul II. sprach und dem Ton, den sein Nachfolger anschlägt", meinte die halbamtliche ägyptische Tageszeitung "Al-Ahram". Der Chefredakteur der in London erscheinenden arabischen Zeitung "Al-Quds al-Arabi", Abdel Bari Atwan, erklärte, "es sieht so aus, als ob der neue Papst dieses (von seinem Vorgänger propagierte) friedliche Zusammenleben mit anderen Glaubensgemeinschaften, und besonders mit den Muslimen, nicht wünsche".

Vatikan-Vetreter trifft römischen Imam und Rabbi
Nach dem Konflikt leitet die Stadt Rom eine konkrete Initiative zur Wiederaufnahme des religiösen Dialogs in die Wege. Im römischen Stadtrat findet ein Treffen zwischen dem Vorsitzenden des päpstlichen Rats für den interreligiösen Dialog, Kardinal Paul Poupard, dem Imam der Moschee von Rom, Sami Salem, und dem römischen Oberrabbiner, Riccado Di Segni, statt. Das Treffen wurde vom römischen Bürgermeister, Walter Veltroni, organisiert.

"Rom ist eine Stadt des Friedens, die sich aktiv für den Dialog zwischen Kulturen und Religionen engagieren will", sagte Veltroni. Bei dem Treffen soll eine neue Zeitschrift zur Förderung des interreligiösen Dialogs vorgestellt werden.

EU versucht Mäßigung
Mäßigend versuchte die Europäische Union zu wirken. Die gewaltsamen Proteste seien zu verurteilen. Reaktionen, die "unverhältnismäßig" seien und die Meinungsfreiheit ablehnten, seien "inakzeptabel", erklärte der Sprecher von EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso. Die Meinungsfreiheit sei ebenso ein Grundstein der EU wie die Freiheit und der Respekt aller Religionen. "Aus Sicht der EU-Kommission sollte jegliche Reaktion darauf basieren, was tatsächlich gesagt wurde", sagte Barrosos Sprecher Johannes Laitenberger. Einzelne Aussagen dürften nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden. Die Rede des Papstes sei "ein theologischer Beitrag zu einer theologischen Debatte" gewesen, unterstrich der Sprecher. Es sei aber nicht Aufgabe der EU-Behörde, die Rede des Papstes zu interpretieren.

Vatikan startet nun diplomatische Offensive
Der Vatikan selbst will nun alle diplomatischen Hebel in Bewegung setzen, um nach der offiziellen Erklärung vom Samstag und den persönlichen Worten des Papstes vom Sonntag die Situation wieder zu kalmieren. Der neue vatikanische "Außenminister", Bischof Dominique Mamberti, will sich für eine Neuaufnahme des Dialogs mit dem Islam einsetzen. Der Bischof bemängelte in einem Interview eine "übereilte Interpretation der Rede des Heiligen Vaters". Mamberti zeigte sich überzeugt, dass die Stellungnahme von Papst Benedikt XVI. die Gemüter schließlich wieder besänftigen werde. "Ich werde den Dialog mit dem Islam fördern. Dies ist eine meiner Prioritäten. Diplomatie ist gerade dies: Dem anderen die eigenen Überzeugungen erklären und den anderen begreifen", so Mamberti, Nachfolger des vatikanischen "Außenministers", Giovanni Lajolo.
(apa/red)