Aufregung um 'Halbmond statt Gipfelkreuz':
Angeblicher Verfasser droht BZÖ mit Klage

Alpenverein: BZÖ soll "unverzüglich widerrufen" "Künstlergruppe" bekennt sich zu Fälschung

Ein offenbar gefälschter Brief, den BZÖ-Chef Peter Westenthaler bei der ORF-TV-Konfrontation gegen SPÖ-Obmann Alfred Gusenbauer in die Kamera gehalten hat, sorgt für Wirbel. Westenthaler hatte aus einem Schreiben zitiert, das der österreichische Alpenverein angeblich an den Wiener SP-Gemeinderat Omar Al-Rawi geschrieben haben soll. Im Brief ging es darum, Halbmonde statt Gipfelkreuze auf den österreichischen Berggipfeln anzubringen. Al-Rawi dementierte, eine Künstlergruppe bekannte sich zur Fälschung des Schreibens, das BZÖ blieb bei seiner Darstellung und der angebliche Unterzeichner des Briefes, Andreas Ermacora und auch Al-Rawi drohen dem BZÖ jetzt mit Klage.

Laut dem Schreiben habe Omar Al-Rawi sich in einem vorhergegangenen Brief beschwert, dass "jedes Gipfelkreuz ein Herrschaftszeichen des Christentums" sei. Der angebliche Unterzeichner Ermacora sagte, er kenne das Schreiben zwar, habe es aber nicht verfasst. Sein angeblicher Antwortbrief an Al-Rawi sei ihm im Juni erstmals zur Kenntnis gelangt. Am 6. Juni dieses Jahres habe er ihn nämlich von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache geschickt bekommen, gemeinsam mit der Bitte, er möge sich dazu äußern. Schon damals habe er ausdrücklich festgestellt, mit dem Brief nichts zu tun zu haben. Die FPÖ bestätigte seine Aussagen und meinte, der Brief sei "das offensichtliche Machwerk eines drittklassigen Fälschers".

"Künstlergruppe" bekennt sich zu Fälschung
Unterdessen hat sich eine "Künstlergruppe" zum Fälschen des Briefes bekannt. Das Magazin "Datum" veröffentlichte eine Mitteilung einer Gruppe namens "Haben wir denn keine anderen Sorgen". In dem Kommunique heißt es, die Gruppe habe gefälschte Briefe verschickt um zu testen, "wie weit populistische Politiker gehen". Und weiter: "Jeder verantwortungsvolle Mensch hätte die Richtigkeit des Schreibens überprüft, bevor er damit ins TV geht."

BZÖ sieht keinen Fehler
Das BZÖ hingegen bleibt bei seiner Darstellung, der Brief sei echt. In einer Aussendung sagte BZÖ-Bundespressesprecher Lukas Brucker, die SPÖ fühle sich ertappt und sei "peinlich darum bemüht, die Diskussion um die Anbringung von Halbmonden an Gipfelkreuzen herunter zu spielen". Tatsache sei, dass der Brief existiere, so Brucker. "Sollten die genannten Personen anderer Meinung sein, dann sollen sie klagen und der Fall wird vor Gericht ausgetragen", forderte der BZÖ-Sprecher.

Ermacora kündigt Klage an
Genau das kündigte der angebliche Unterzeichner Andreas Ermacora in einer Aussendung an. Er forderte das BZÖ auf, "unverzüglich zu widerrufen", dass der Brief echt sei. Andernfalls werde "der österreichische Alpenverein sowie Dr. Andreas Ermacora Klage erheben".

Al-Rawi will BZÖ wegen Brieffälschung klagen
Al-Rawi will nun auf Unterlassung und wegen Kreditschädigung klagen. Er habe bereits Kontakt mit seinem Anwalt aufgenommen, die Klage werde am Montag eingebracht, so Al-Rawi, dessen Familie bereits "erboste Anrufe" erhalten haben soll. Der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ) sprach von einer "groteske Sache" und versicherte, von dem Brief erst erfahren zu haben. Am 1. Oktober wird Al-Rawi nach eigenen Angaben "ein Kreuz bei der SPÖ machen".

(apa)