Gefahr von

Arbeitet Nordkorea am Aufbau
eines Biowaffenprogrammes?

Geheimdienste sind über die Fortschritte des Regimes in der Biotechnologie besorgt

Gefahr - Arbeitet Nordkorea am Aufbau
eines Biowaffenprogrammes? © Bild: Getty Images

Während Nordkorea sein Atomprogramm gern der ganzen Welt präsentiert, sind die Bemühungen des Landes im Biowaffenbereich ein gut gehütetes Geheimnis. US-Geheimdienste sind aber überzeugt, dass das Regime hier massive Fortschritte macht – und bereits tonnenweise gefährliche Krankheitserreger produzieren kann.

Es war im Jahr 2015, als Nordkoreas "oberster Führer" Kim Jong-un von Kameras begleitet das neueröffnete "Biotechnische Institut Pjöngjang" besuchte. Während staatliche Medien erklärten, die Einrichtung solle Pestizide zur Schädlingsbekämpfung in der nordkoreanischen Landwirtschaft produzieren, reagierten westliche Beobachter alarmiert. Die Videoaufnahmen zeigten teures Equipment auf dem neuesten Stand der Technik: Bioreaktoren in Industriegröße, die massenweise lebende Mikoben herstellen können, und riesige Trockner, die bei Bedarf Bakteriensporen in ein feines, leicht verteilbares Pulver verarbeiten. Viele der Geräte dürfte Nordkorea aufgrund der internationalen Sanktionen eigentlich gar nicht besitzen.

Biologische Waffen stets bestritten

Zwar können all diese Maschinen auch für friedliche Zwecke eingesetzt werden. Das scheint Experten aber unplausibel. Warum sollte sich das Regime über illegale Kanäle sehr teure Geräte besorgen, nur um damit Pestizide zu erzeugen, die es auch weit billiger im Ausland kaufen kann? Während Nordkorea sein Atomprogramm gern stolz der Welt präsentiert und es häufig als Drohmittel einsetzt, hat die Führung des Landes stets vehement abgestritten, auch an biologischen Waffen zu arbeiten. Dass mutmaßlich dafür benutztes Equipment dann plötzlich im Staatsfernsehen gezeigt wurde, hat viele überrascht. Es könnte sich dabei aber um eine Reaktion auf einen Vorfall wenige Tage zuvor gehandelt haben, als die USA – angeblich versehentlich – Milzbrand-Baktieren an eine südkoreanische Militärbasis lieferten.

Bakterien
© istockphoto.at Grafische Darstellung von Bakterien

Nordkorea protestierte offiziell gegen den Zwischenfall und sah darin einen Beweis für Pläne zur biologischen Kriegsführung der USA gegen das Land. Zugleich deutlich zu machen, dass man auch selbst über derartige Kapazitäten verfüge, könnte dem Regime zu diesem Zeitpunkt als notwendige Gegen-Drohung erschienen sein. Unter amerikanischen und asiatischen Geheimdiensten gilt es heute als sicher, dass Nordkorea bereits über die notwendigen Bestandteile zur Herstellung biologischer Waffen verfügt. Hinweise darauf, dass solche tatsächlich auch in großem Maßstab produziert werden, gibt es aber nicht. Eine Produktion zusammen mit zivilen Erzeugnissen in gewöhnlichen Fabriken wäre von außen jedoch auch sehr schwer zu entdecken.

Experimente mit Milzbrand, Pocken und Pest

Noch vor zehn Jahren hieß es in einem US-Geheimdienstbericht, Nordkoreas Wissenschafter hätten nicht das technische Know-how, um massenweise gefährliche Krankheitserreger zu kultivieren. Das dürfte sich mittlerweile geändert haben. Seit Jahren schickt der Staat seine Forscher ins Ausland, um dort vertiefende Expertise in Mikrobiologie zu erlangen. In den Laboren in Pjöngjang sollen sie heute etwa mit Milzbrand-, Pocken-, Cholera- und Pest-Erregern experimentieren. Da aufgrund der zunehmenden Spannungen zwischen Nordkorea und den USA auch eine militärische Konfrontation nicht mehr ausgeschlossen werden kann, blicken die Amerikaner aufmerksam auf die möglichen Gefahren für ihre Soldaten. Die US-Armee nimmt die Bedrohung so ernst, dass mittlerweile standardmäßig alle in Korea stationierten Einheiten gegen Pocken geimpft werden.