"Aufarbeitung mit größter Korrektheit":
Vatikansprecher sieht Kirche auf gutem Weg

Missbrauch: Frühere Versetzungen waren ein "Fehler" Laut Lombardi weicht Vatikan Problem nicht mehr aus

"Aufarbeitung mit größter Korrektheit":
Vatikansprecher sieht Kirche auf gutem Weg © Bild: Reuters/Bianchi

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi hat frühere Fehler der katholischen Kirche im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen eingeräumt, gleichzeitig aber auch versichert, dass heute "Fälle von Missbrauch mit größer Korrektheit" aufgearbeitet werden. In einem Interview mit dem "Kurier" sagte der 67-jährige Jesuitenpater: "Dass es falsch war, dieses Problem lösen zu wollen, indem man Priester versetzt hat, sieht inzwischen jeder. Das war ein Fehler in der Verantwortung. Aber es ist sehr klar, dass das Prozedere heute ein anderes ist: Wenn ein berechtigter Verdacht besteht, dann muss man Maßnahmen treffen, damit diese Person keine Gefahr für andere mehr sein kann."

Die katholische Kirche nehme heute eine "Haltung der Konfrontation mit den Problemen" ein und lerne aus den Fehlern. Papst Benedikt XVI. verfolge dabei entgegen aller Kommentare "eine sehr klare Linie. Priorität haben die Opfer und deren Schmerz. Die Kirche muss versuchen, einen Weg der Heilung zu gehen. Die Treffen mit den Missbrauchsopfern sind für den Papst sehr bedeutsam. Er hat auch von Gerechtigkeit und Verantwortung der Täter gesprochen, und er hat klar gesagt, wie die Kirche damit umgeht. Mit Wahrhaftigkeit und Mut, und nicht durch Vertuschung", so Lombardi. Indirekte Kritik übte der Jesuit an den Medien: Ihre Berichterstattung "ist nicht immer die ganze Realität".

Papst schweigt nicht
Man müsse verstehen, wie die Kirche funktioniert. "Sie ist kein multinationaler Konzern. Die Kirche ist mehr eine Gemeinschaft, die in verschiedenen Ländern, auf lokaler Ebene - in den Pfarren, Diözesen, bei den Bischöfen - verwurzelt ist, dort liegen auch die Kompetenzen, die man respektieren muss", so Lombardi. In diesem Sinne könne es auch nicht seine Kompetenz als Vatikan-Sprecher sein, die Richtlinien etwa der österreichischen und deutschen Bischöfe zu erklären. "Da gibt es klare Zuständigkeiten, die zu respektieren sind. Der Papst hat sich vor allem in den letzten Monaten für die Kirche in Irland engagiert. Seine Äußerungen gelten aber auch für andere Länder."

Es sei nicht zutreffend, dass der Papst zur Missbrauchs-Causa schweige, kommentierte Lombardi. "Niemand hat das, was geschehen ist, deutlicher verurteilt als der Heilige Vater. Und das nicht erst jetzt, sondern auch in der Vergangenheit. Benedikt XVI. hat Missbrauchsopfer in Washington und Sydney getroffen, Missbrauchsopfer aus Kanada hat er hier in Rom gesehen, sein Brief ist sehr deutlich. Auch in Malta war der Missbrauch Thema."

Österreich ein Vorbild
Österreich, wo Kardinal Christoph Schönborn sehr offen mit der Problematik umgeht, nannte der Papst-Sprecher als Vorbild; Gleiches gelte für die deutschen und amerikanischen Bischöfe.

Meldungen von "Kathpress" und anderen Medien, denen zufolge Papst Benedikt XVI. bzw. der Vatikan planen sollen, mit einem "Mea culpa" um Verzeihung für die Missbrauchsskandale zu bitten, wollte Lombardi nicht bestätigen, aber auch nicht eindeutig dementieren. "Selbstverständlich steht es dem Papst völlig frei, am Ende dieses 'Jahres der Priester' zu sprechen oder zu schreiben, wie er glaubt. Ich glaube, dass man jetzt vielleicht zu viel auf diesen Punkt konzentriert ist, auch wenn es sicher ein sehr schwerwiegender und wichtiger Punkt ist."

(apa/red)