Auf den Spuren von "JJ1": Tierschützer warten auf Genehmigung für Bärenhunde

Braunbär plünderte in der Nacht einen Hasenstall PLUS UMFRAGE: Was soll mit dem Bären passieren?

Auf den Spuren von "JJ1": Tierschützer warten auf Genehmigung für Bärenhunde

Die Tierschutzorganisation WWF hat am Donnerstag noch auf die Genehmigung für die finnische Bärenhundestaffel gewartet. Die 25.000 Euro teure Unterstützung soll beim Fang des seit Wochen durch das tirolerische-bayerische Grenzgebiet streunenden Braunbären "JJ1" alias "Bruno" helfen. Die Spuren des Tieres vom Dienstag im Siedlungsgebiet von Leutasch (Bezirk Innsbruck-Land) wurden bestätigt.

In der Nacht auf Dienstag habe "JJ1" einen Hasenstall direkt an einem Wohnhaus geplündert. Doch trotz intensiver Fangbemühungen von Tierschutzorganisationen, die allein den WWF inzwischen 70.000 Euro gekostet hätten, war das Tier vorerst weiterhin auf freiem Fuß. "Wir warten immer noch auf das Okay vom Land Tirol für den Einsatz der Hunde. Ohne die macht unsere Arbeit keinen Sinn, das haben wir in den letzten drei Wochen gesehen", sagte WWF-Sprecherin Susanne Grof. Falls die Zusage von Agrarlandesrat Anton Steixner (V) bis Donnerstag nicht erfolge, werde die Organisation ihre Bemühungen rund um den Bären "auf Sparflamme" weiterfahren müssen. "Nach einem Blick in unsere Kassen müssen wir uns dann überlegen, wie und ob wir fortfahren", sagte Grof.

"Da 'JJ1' im Trentino aus der Nähe von Menschen verjagt worden war, traut er sich nun nicht mehr zu einem Ort und den von ihm gerissenen Tieren zurück zu kehren", erklärte Grof das abnormale Verhalten des Tieres, das die Fangbemühungen erheblich erschwert. Die Vertreibung des Bären in Italien sei damals "nicht nach allen Regeln der Kunst" erfolgt. Der Bär folge seinem Instinkt und reißt Schafe. Den Instinkt, immer wieder zurück zu kommen, um sie zu fressen, hätte er aber verloren. "Am Liebsten mag er das Fleisch, wenn es schon etwas angefault ist. Aber er traut sich nicht mehr zurück", sagte die Tierschützerin.

Bärensuche verschlang schon 6.000 Euro
Für die bisherigen Fangbemühungen seien schon 6.000 Euro ausgegeben worden, fasste der Tiroler Agrarlandesrat Anton Steixner (V) zusammen. Das Land müsse auch noch die von dem Bären angerichteten Schäden bezahlen. Die zur Unterstützung angefragten finnischen Bärenjäger samt Hundestaffel würden weitere 25.000 Euro kosten. Diese Summe werde aber zwischen Bayern, dem WWF und Tirol aufgeteilt.

Vorerst sei die Abschussgenehmigung im Tiroler Bezirk Reutte wieder aufgehoben worden. Falls sich "JJ1" aber wieder, wie in Bayern am Pfingstwochenende, Menschen nähere, würde er für ganz Tirol zum Abschuss freigegeben werden. Der aus Italien stammende Braunbär wandert seit Anfang Mai im deutsch-österreichischen Grenzgebiet umher. Es ist seit mehr als 170 Jahren der erste Braunbär, der in Deutschland in freier Wildbahn aufgetaucht ist. In den vergangenen Wochen hat der Bär Dutzende Tiere gerissen.

Rom will Bären zurück
Laut WWF-Sprecherin Susanne Grof habe der italienische Umweltminister angemeldet, dass Rom den Bären zurück haben möchte. Die Organisation sei in Verhandlungen mit dem Naturpark Trentino, aus dem "JJ1" stammt, dass er den Bären mit einem Sender ausgestattet zurück nehmen wolle.

Der WWF appellierte, den Bären möglichst nicht zu töten. Allerdings hätten die Attacken am Wochenende erneut gezeigt, dass es sich um ein "problematisches Tier" handle. Experten sehen aber kaum eine Gefahr für Menschen. "JJ1" sei "kein Bär, der es auf Menschen abgesehen hat". Nur wenn Bär und Mensch zusammentreffen, "könnte es gefährlich werden". Niemand wisse, wie der Bär in so einer Situation reagiere. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch verletzt werde, sei "gering". (apa/red)