Auf der Qatar Motor Show funkelt das Gold:
Die Automesse der absoluten Gegensätze

In der Wüste muss wohl der Reichtum zu Hause sein Ein-Liter-Flitzer von VW auf dem Weg zur Serienreife

Im Emirat Qatar spielen Spritpreise überhaupt keine Rolle. Deshalb ist verwunderlich, dass gerade hier in Doha der deutsche Autokonzern VW sein seriennahes 1-Liter-Auto präsentiert. Obwohl die Scheichs eher für PS-starke Fahrzeuge zu begeistern sind. Hier blitzt nicht nur Chrom von den Armaturen - nein, es ist häufiger Gold anzutreffen. Egal, ob der neue Bentley Continental GT, der Aston Martin One-77 oder der Chevy Silverado - in Doha ist der Reichtum zu Hause.

Der flache Flitzer ist das genaue Gegenteil eines Spritschluckers - trotzdem ließ es sich die VW-Spitze nicht nehmen, ihn ausgerechnet im Land der Ölscheichs zu präsentieren. Das Ein-Liter-Fahrzeug XL1, dessen Prototyp diese Woche offiziell im Golf-Emirat Katar vorgestellt wurde, soll Europas größten Autobauer ins Zeitalter der Super-Sparmodelle führen. Das Lieblingsprojekt von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech könnte bereits in zwei Jahren regelmäßig vom Band laufen - zunächst freilich in geringer Stückzahl.

Bisher galt der schnittige Wagen als Konzeptauto. Mittlerweile glauben die Wolfsburger, dass der XL1 bereits in zwei Jahren regelmäßig vom Band laufen könnte. Das mit Hybridantrieb und Carbonfaser-Karosserie ausgestattete Sparmobil habe gute Chancen, ab 2013 in einem deutschen VW-Werk gefertigt zu werden, sagte ein Konzernsprecher am Mittwoch in Wolfsburg. Man sei "sehr optimistisch, dass wir bei entsprechender Nachfrage bald eine Kleinserie konstruieren können". Die Rede ist von vorerst 100 Stück.

   Die Standortfrage sei zwar noch nicht abschließend entschieden, sagte Entwicklungschef Ulrich Hackenberg dem Fachblatt "Automotive News Europa" am Rande der Automesse "Qatar Motor Show". "Aber Sinn macht die Produktion eines solchen Fahrzeugs nur in Deutschland - also wahrscheinlich in Wolfsburg oder Dresden."

   Zur Frage, wie teuer der XL1 wird, möchte sich Volkswagen einstweilen nicht in die Karten schauen lassen. Firmenpatriarch Piech erklärte, es sei noch zu früh für genauere Angaben. Geplant werde aber auf jeden Fall ein marktreifes Modell. Aus der Wolfsburger Zentrale hieß es, die zum Bau von Kohlenstoff-Karosserien nötige Produktionstechnik bleibe hochkomplex. Zuletzt habe Volkswagen aber große Fortschritte gemacht. Eine Serienfertigung sei daher möglich.

   Der Termin in Katar war von den VW-Oberen - neben Piech und Hackenberg reisten Vorstandschef Martin Winterkorn und Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) an den Golf - mit Bedacht gewählt worden. Denn das Emirat ist mit 17 Prozent drittgrößter Aktionär und soll einen weiteren Sitz im Aufsichtsrat bekommen.

   McAllister, der die Landesregierung in dem Gremium vertritt, ließ über die Staatskanzlei in Hannover schon vor seiner Rückkehr die strategische Bedeutung des XL1 hervorheben. "Das ist ein wichtiger Meilenstein für Niedersachsen - und für das Ziel 2018 von VW", sagte sein Sprecher am Mittwoch. Die Wolfsburger wollen spätestens in sieben Jahren Toyota und General Motors von den Plätzen eins und zwei verdrängen und den Thron des weltgrößten Autobauers erobern.

   Mit dem Zweisitzer, der im Schnitt sogar leicht unter der Ein-Liter-Marke auf 100 Kilometern bleibt, versuchen die VW-Entwickler, den Erzrivalen auch auf dem Zukunftsfeld der Leichtbaufahrzeuge Kontra zu geben. "In ein bis zwei Jahren sehen wir den Bau der Carbonfaser-Karosserie in verschiedenen Ausbaustufen", kündigen sie an. Der XL1 macht den Anfang - weitere Leichtgewichte könnten folgen.

(apa/red)