"Auf allen Ebenen": Ex-Chef Weis bestätigt
'unbestreitbaren' Regierungseinfluss im ORF

Weis: 'Entparteipolitisierung ist in die Hose gegangen' "Reform der Reform" des ORF-Gesetzes gefordert

Der frühere ORF-Generalintendant Weis konstatiert einen unbestreitbaren Regierungseinfluss im ORF. "Dass der Regierungseinfluss gegeben ist und zwar auf allen Ebenen, ist ja unbestreitbar", so Weis zur aktuellen Debatte um die Öffentlich- Rechtliche Anstalt. Ausdauernde Bemühungen um die Unabhängigkeit legt Weis der künftigen ORF-Führung ans Herz.

Kritische Wortmeldungen zum ORF auch aus dem Unternehmen sind nach Ansicht des früheren ORF-Generalintendantens positiv zu werten: "Das ist, glaube ich, ziemlich normal in einer politischen Redaktion", sagt er. "Das war ja auch das Ziel der Reform im Jahr 2001, machen wir uns doch nichts vor."

Hätte Weis als Generalintendant also die offenen Worte von "Zeit im Bild 2"-Anchorman Armin Wolf, der die Debatte losgetreten hatte, begrüßt? "Ich hätte mit ihm wohl darüber diskutiert und ihm wahrscheinlich auch gesagt, dass ein bestimmtes Arbeitsleid durchaus dazu gehört. Unabhängigkeit ist ja etwas, was man sich jeden Tag erkämpfen muss. Ich kann mich erinnern, dass ich permanente Auseinandersetzungen hatte, permanent. Es war eine ziemliche Mühsal, aber es hat sich gelohnt."

"Schleunigst eine Reform der Reform" des 2001 maßgeblich geänderten ORF-Gesetzes gehöre her, so der heute 67-jährige Ex-ORF- General, "mit den Hauptpunkten, die damals genannt wurden, aber diesmal wirklich." Weis war bis 2001 Generalintendant des ORF. Im Zuge des neuen ORF-Gesetzes wurden vorzeitige Wahlen durchgeführt, der neue Stiftungsrat kürte Monika Lindner mit den Stimmen von ÖVP- und FPÖ-nahen Stiftungsräten zur Generaldirektorin.

Weis hatte stets vor dem Gesetz gewarnt und sieht sich heute bestätigt: "Die Entparteipolitisierung ist in jeder Hinsicht in die Hose gegangen", meint er.

(apa)