Fakten von

Auch zweiter großer Waldbrand
in Portugal unter Kontrolle

Feuer von Gois breitet sich derzeit nicht weiter aus

Bei der Bekämpfung der Waldbrände im Zentrum Portugals hat die Feuerwehr ein zweites großes Feuer eingedämmt. Der Brand in Gois sei "unter Kontrolle", sagte der für den Einsatz verantwortliche Zivilschutzvertreter Carlos Tavares am Donnerstag. Einige kleinere Brandherde könnten allerdings erneut aufflammen. Insgesamt gab es 64 Tote und mehr als 200 Verletzte.

Am Mittwoch hatten die Einsatzkräfte erklärt, 95 Prozent der Brände in der Region seien unter Kontrolle, darunter der riesige Brand um die Ortschaft Pedrogao Grande. Die Waldbrände waren dort am Samstagnachmittag durch ein Trockengewitter ausgelöst worden. Die Flammen breiteten sich in der Hitze und angefacht vom Wind rasend schnell auf die Nachbarorte Gois, Pampilhosa da Serra und Arganil aus.

Nach Angaben von Tavaras konnte die Feuerwehr den Brand von Gois nun auf einem Gebiet von 20.000 Hektar eindämmen. Insgesamt waren mehr als 2.000 Feuerwehrleute im Einsatz gegen die Flammen in der Region. Unterstützt wurden sie von Löschflugzeugen aus Spanien, Frankreich und Italien.

Die Debatte über mögliche Versäumnisse der Behörden ging unterdessen weiter. Ministerpräsident Antonio Costa sagte nach einer Kabinettssitzung, notwendig sei die "vollständige Aufklärung" all dessen, was geschehen sei. Der Regierungschef, der eine schwarze Krawatte trug, fügte hinzu, für die "beispiellose menschliche Tragödie" gebe es zwei Worte: "Schmerz und Solidarität". Am Vorabend hatte Innenministerin Constanca Urbano de Sousa teilweise Mängel im staatlichen Kommunikationssystem eingeräumt.

47 der 64 Todesopfer starben am Sonntag auf der Nationalstraße 236, welche die Ortschaften miteinander verbindet. Die meisten von ihnen hatten versucht, in ihren Autos vor der Feuerwalze zu fliehen. Sie wurden jedoch von den Flammen eingeholt und starben in ihren Fahrzeugen. Andere kamen in ihren Häusern ums Leben.

Costa hatte die Leitung der Gendarmerie bereits am Dienstag um "schnelle Aufklärung" gebeten. In einer Antwort der Militärpolizei auf die Frage des Regierungschefs, warum die N236 nicht abgesperrt wurde, heißt es, das Feuer habe sich "völlig unerwartet, ungewöhnlich und erschreckend plötzlich" ausgebreitet. Zum Zeitpunkt des Dramas lagen der Gendarmerie demnach "keine Informationen über ein mögliches oder wirkliches Risiko" beim Benutzen der Straße vor.

Bewohner der betroffenen Region hatten den Einsatzkräften mangelnde Hilfe vorgeworfen. Eine Überlebende sagte dem portugiesischen Fernsehen, die Polizei habe Autos sogar auf die Nationalstraße 236 umgeleitet, die inzwischen "Straße des Todes" und "Straße der Hölle" genannt wird.

Durch die Brände in Portugal wurden nach Informationen des europäischen Spezialdienstes European Forest Fire Information System (EFFIS) bereits 26.000 Hektar Wald zerstört. Der Umweltexperte Joao Camargo machte den industriellen Anbau von Eukalyptus-Bäumen für die Papierindustrie für die Katastrophe mitverantwortlich, weil diese Bäume besonders schnell brennen und dem Boden besonders viel Wasser entziehen.

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