Auch Saddam-Gefolgsleute hingerichtet:
Halbbruder und ein früherer Richter gehängt

Todesurteil wegen der Ermordung von 148 Schiiten Internationale Appelle gegen Vollstreckung des Urteils

Auch Saddam-Gefolgsleute hingerichtet:
Halbbruder und ein früherer Richter gehängt

Gut zwei Wochen nach dem irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein sind am Montag auch zwei seiner Vertrauten hingerichtet worden. Saddam Husseins Halbbruder, der Ex-Geheimdienstchef Barzan al-Tkriti, und der ehemalige Richter Awad al-Bandar seien in den frühen Morgenstunden gehängt worden, sagte Regierungssprecher Ali al-Dabbagh in Bagdad.

Die Hinrichtung sei in "sehr würdevoller" Weise vollzogen worden, betonte er mit Blick auf die Exekution von Saddam Hussein, der kurz vor seinem Tode von anwesenden Zeugen beleidigt worden war. Barzan al-Tkriti und Awad al-Bandar waren wie der Ex-Staatschef wegen eines Massakers an Schiiten aus dem Dorf Dujail zum Tode verurteilt worden. Die ersten internationalen Reaktionen waren geteilt.

Bei der Exekution seien Staatsanwalt Munkith al-Farun, ein Richter und ein Arzt anwesend gewesen, sagte Dabbagh weiter. Zuvor sei den beiden Todeskandidaten das Urteil vorgelesen worden. Alle Zeugen seien aufgefordert worden, sich bei der Hinrichtung "mit Würde und Respekt" zu verhalten. Dies hätten sie auch schriftlich versichern müssen. Es habe keine Verstöße gegeben.

Kopf von Rumpf getrennt
Bei der Hinrichtung durch den Strang sei der Kopf von Barzan al-Tkriti vom Rumpf getrennt worden, berichtete der Regierungssprecher weiter. "Das geschieht selten, aber es geschieht", fügte er laut der offiziellen Übersetzung vom Arabischen ins Englische hinzu. Er sprach von einem "Akt Gottes". Wo die Hinrichtung stattfand, war nicht bekannt. Zunächst wurden auch keine Bilder von der Exekution veröffentlicht.

Die Hinrichtung von Saddam Hussein war international auch deshalb kritisiert worden, weil heimlich gefilmte Aufnahmen zeigten, wie der Verurteilte kurz vor dem Tod von Anwesenden beleidigt wurde. Barzan al-Tkriti und Awad al-Bandar waren wie Saddam Hussein wegen der Ermordung von 148 Schiiten aus dem Dorf Dujailin den 80er Jahren am 5. November zum Tode verurteilt worden.

Berufung abgelehnt
Eine Berufung gegen das Urteil für den 55-jährigen Barzan al-Tkriti und den 60-jährigen Awad al-Bandar hatte das Sondertribunal in Bagdad am 26. Dezember abgelehnt. Normalerweise hätten die beiden zusammen mit Saddam Hussein hingerichtet werden sollen. Warum dies nicht geschah, wurde nie bekannt. Der Ex-Präsident wurde am 30. Dezember hingerichtet.

Die Verteidiger der beiden Hingerichteten waren nach eigenen Angaben nicht vorab über die mehrfach verschobene Exekution unterrichtet worden. Der jordanische Anwalt Issam al-Ghassawi sagte der Nachrichtenagentur AFP, das Verteidigerteam habe die Verurteilten noch am Freitag besucht und jeweils mehr als eine Stunde mit ihnen gesprochen. Auf die Frage, ob die beiden letzte Wünsche geäußert hätten, sagte Ghassawi: "Sie wussten nicht einmal, dass sie hingerichtet werden würden." Die Leichname der beiden Vertrauten Saddam Husseins sollten in den kommenden Tagen ihren Familien übergeben werden, sagte Dabbagh.

USA: Irakische Regierung lässt "Gerechtigkeit" walten
Das Weiße Haus erklärte, die irakische Regierung lasse "Gerechtigkeit" gegen diejenigen walten, die wegen "brutaler Verbrechen gegen die Menschlichkeit" verurteilt worden seien. In der den Schiiten heiligen Stadt Nadschaf gingen hunderte Menschen zu spontanen Freudenkundgebungen auf die Straße, wie ein AFP-Reporter berichtete. Unter dem Sunniten Saddam Hussein war die schiitische Bevölkerungsmehrheit teilweise grausam verfolgt worden.

Barroso kritisiert Hinrichtungen
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kritisierte die Hinrichtungen. "Wir sind prinzipiell gegen die Todesstrafe", sagte Barroso nach einem Treffen mit Italiens Regierungschef Romano Prodi in Rom. Dieser äußerte sich ähnlich. Auch das Londoner Außenministerium bekräftigte, es lehne die Todesstrafe ab. Es handele sich aber um die Entscheidung der "souveränen" irakischen Regierung. Die UNO hatte nach der Hinrichtung Saddam Husseins eine Aussetzung der Hinrichtungen im Irak gefordert.

Saddam räumte Fehler ein
Die arabische Zeitung "Al-Sharq Al-Awsat" schrieb, Saddam habe kurz vor seiner Hinrichtung gegenüber einem seiner Anwälte "Fehler" eingeräumt. "Ich gestehe, dass ich viele Fehler gemacht habe, aber so wie ich den Staat und die Partei geführt habe, so war es richtig", zitierte ihn der Anwalt und frühere Justizminister aus Katar, Naguib al-Nueimi.

Der Anwalt berichtete außerdem, ein US-General habe Saddam während des Dujail-Prozesses gefragt, ob er wie der französische Kaiser Napoleon Bonaparte im Exil sterben wolle oder wie der italienische Diktator Benito Mussolini, der hingerichtet worden war. Saddam habe daraufhin gesagt: "Ich bin weder Napoleon noch Mussolini. Ich bin nur Saddam Hussein."

US-Außenministerin Rice "enttäuscht" über Hinrichtungen
Nach der Hinrichtung von zwei Mitangeklagten des irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein hat US-Außenministerin Condolezza Rice ihre "Enttäuschung" über die Art der Vollstreckung des Todesurteils geäußert. Die USA seien enttäuscht, dass den Angeklagten nicht mehr Würde eingeräumt worden sei, sagte Rice bei einer Pressekonferenz mit ihrem ägyptischen Kollegen Ahmed Abul Gheit in Luxor.

(apa/red)