Auch nach Privatisierungsstopp: Flughafen Wien will weiter mit Bratislava kooperieren

Vorstand prüft rechtliche Schritte gegen Slowakei EBIT konnten entgegen Erwartungen doch zulegen

Auch nach dem Privatisierungsstopp der slowakischen Regierung für den staatlichen Flughafen Bratislava/Pressburg hält der Flughafen Wien weiter fest an seiner Absicht, mit Bratislava zu kooperieren. "Wir sind davon überzeugt, dass irgendwann eine Kooperation mit Bratislava zustande kommen wird", erklärte Flughafen-Vorstandssprecher Herbert Kaufmann am Dienstag bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse in Wien. Denn "eine gute Idee ist nie langfristig zu verdrängen". Vorstellbar sei auch ein gemeinsames Betreibermodell mit Bratislava.

Offiziell wurde der Flughafen Wien noch nicht vom Abblasen der Privatisierung informiert, Kaufmann erwartet sich weitere Aufschlüsse von bevorstehenden Gesprächen mit dem slowakischen Verkehrsminister. Zudem werde man prüfen, ob das Nichteinhalten des unterschriebenen Vertrags mit einem bereits 1991 auf Regierungsebene unterzeichneten Investitionsschutzabkommen vereinbar ist.

Der Flughafen Wien hält eine knappe Mehrheit am österreichisch-slowakischen Bieterkonsortium TwoOne, das als Bestbieter im Februar den Kaufvertrag für die beiden slowakischen Flughäfen Bratislava und Kosice unterschrieben hat. In der Vorwoche gab die slowakische Wettbewerbsbehörde grünes Licht für den Verkauf von Kosice an den Vienna Airport. Kurz darauf blies Premierminister Robert Fico die Privatisierung des F.M.Stefanik-Airport in Bratislava ab.

Diese Entscheidung ist für den Wiener Flughafen-Vorstand "rechtlich bedenklich", man prüft daher den internationalen Schiedsgerichtshof einzuschalten. Zugleich sei man "auch ohne Bratislava gut gerüstet", erklärte Kaufmann heute. Von 2006 bis 2010 investiert der Flughafen insgesamt 533 Mio. Euro in das neue Terminal Skylink und den weiteren Ausbau des Airports Wien, der dann für 24 Millionen Fluggäste ausgelegt sein wird. Im Gesamtjahr 2006 wird mit knapp 17 Millionen Passagieren gerechnet. 2010 stehe den Fluggästen ab Wien eine "neue Erlebniswelt" mit hoher Qualität zur Verfügung.

Im ersten Halbjahr 7,9 Millionen Fluggäste befördert
Zum Halbjahr wurden 7,9 Millionen Fluggäste von und nach Wien befördert, das entspricht einem Plus von 8,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum lag damit über dem europäischen Vergleichswert von knapp 6 Prozent. Die Zahl der in Wien umsteigenden Transfer-Passagiere stieg weiter um 8,4 Prozent. Die Tatsache, dass die Zahl der Flugbewegungen mit 2,8 Prozent ebenso langsamer wuchs wie das höchstmögliche Abfluggewicht (+4,6 Prozent) belegt eine bessere Auslastung der Flugzeuge. Ein kräftiges Plus von 22,7 Prozent auf 130.000 Tonnen gab es im Frachtverkehr.

Ergebnis-Plus: Umsatz wuchs auf 225 Mio. Euro
Entgegen Analysten-Erwartungen hat die Flughafen Wien AG im ersten Halbjahr 2006 mit einem Ergebnis-Plus aufwarten können. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fiel mit 83,9 Mio. Euro um 8,3 Prozent besser aus als im Vergleichszeitraum 2005. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erhöhte sich um 4,6 Prozent auf 53,3 Mio. Euro, während die von der APA befragten Analysten im Mittel einen leichten Rückgang um 1,2 Prozent auf 52,4 Mio. Euro vorhergesagt hatten.

Der Periodengewinn für das erste Halbjahr 2006 ging auf Grund des negativen Finanzergebnisses um 1,6 Prozent auf 38,6 Mio. Euro zurück. Hier hatten die Experten für das Nettoergebnis einen noch stärkeren Rückgang um 7,1 Prozent auf 37,5 Mio. Euro prognostiziert. Der Umsatz der Flughafen Wien AG lag im 1. Halbjahr bei 225,3 Mio. Euro, ein kräftiger Zuwachs von 14,9 Prozent.(apa/red)