Auch nach Abgang von Mentor Schüssel: Plassnik (50) bleibt weiter Außenministerin

"Große Blonde" gilt als unnachgiebige Verhandlerin

Auch nach Abgang von Mentor Schüssel: Plassnik (50) bleibt weiter Außenministerin

Wolfgang Schüssel geht, Ursula Plassnik (50) bleibt. Die engste Vertrauensperson des bisherigen Kanzlers hält der Regierung auch nach dem Abschied ihres Mentors die Stange. Die spröde Kärntnerin wird sich damit weiter mit jenem Thema herumschlagen müssen, mit dem sie als Außenministerin auch weit über die Landesgrenzen hinaus Furore machte, dem türkischen EU-Beitritt.

Die große Stunde Plassniks schlug im Oktober 2005. Da hatte sie im Auftrag Schüssels gegen alle ihre EU-Kollegen die Position Österreichs zu vertreten, wonach Verhandlungen mit der Türkei nur dann zu führen seien, wenn die Aufnahmefähigkeit der EU als Bedingung für einen Beitritt zur Union festgelegt werde. Plassnik trieb damals die anderen Außenminister mit ihrer Sturheit zur Weißglut, holte sich aber auch Anerkennung.

Der britische Außenminister Jack Straw verlieh seiner österreichischen Amtskollegin rhetorisch die "Tapferkeitsmedaille". Weniger begeistert ist man in der Türkei über die Kärntnerin. In Medien war von einer "1,90-Zicke" ebenso die Rede wie von der "großen, trotzigen Blonden".

Damit beschrieben die türkischen Zeitungen Stereotype, die auch in der österreichischen Innenpolitik zumindest hinter vorgehaltener Hand Plassnik gerne nachgesagt werden. Bei Verhandlungen gilt die Außenministerin als unnachgiebig und schwer zu nehmen, wenngleich auch als hochkompetent und mächtig. Gleichzeitig dürfte es auch manchem Mann ein wenig unheimlich sein, dass die große Blonde aus Kärnten mit 1,90 Metern auf ihn herabblickt.

Nicht so Schüssel. Wiewohl er nur 1,72 Meter an Größe aufweist, was so manches witzige Bild abgab, lässt der VP-Chef Plassnik kaum einmal von seiner Seite. Als Außenministerin Benita Ferrero-Waldner nach gescheiterter Präsidentschaftskandidatur in die EU-Kommission nach Brüssel abbog, war sofort klar, dass nun Plassnik rasch wieder aus der österreichischen Botschaft in Bern nach Wien zurück musste, um Schüssel auf internationaler Ebene den Rücken frei zu halten - auch wenn sie eigentlich lieber im Hintergrund die Fäden zieht als sich selbst ins Rampenlicht zu schieben.

Die österreichische EU-Präsidentschaft meisterte Plassnik wie erwartet souverän. Inhaltlich widmete sie sich verstärkt der Annäherung der Balkan-Staaten an die EU. Innenpolitisch unter Beschuss kam sie bei der Tsunami-Katastrophe, als der Außenministerin zu spätes Handeln und eine unterkühlte Reaktion auf die menschliche Tragödie vorgeworfen wurd.

Als "Entdecker" Plassniks gilt der freilich heutige österreichische EU-Botschafter Gregor Woschnagg, früher Leiter der wirtschafts- und integrationspolitischen Abteilung im Außenministerin. "Sie war erfreulich erfrischend und direkt, tough und sachlich kompetent", schwärmte Woschnagg für seine "Schülerin".

Schüssel wurde auf Plassnik aufmerksam, als sie in jenem Stab arbeitete, der mit den Vorbereitungen für die erste österreichische EU-Präsidentschaft betraut war. Aus den Dossiers, die sie zusammenstellte, entwickelte sich langsam eine intensive Arbeitsbeziehung, in deren Folge Schüssel sie 1997 bat, seine Kabinettschefin zu werden.

Plassniks Berufung in Schüssels Kabinett fiel in die Zeit der "Amsterdamer Frühstücksaffäre". Damals berichteten Medien, Schüssel habe den deutschen Bundesbankchef Hans Tietmeyer "eine richtige Sau" genannt. Plassnik befand sich damit plötzlich mitten im Presserummel - und hielt sich distanziert, eine Verhaltensweise, die sie bis heute beibehielt. Die Außenministerin gilt als medienkritisch bis -feindlich.

Nach außen wirkt Plassnik oft unterkühlt, langjährige Freunde schreiben ihr hingegen eine besondere Herzlichkeit zu, etwa die Grüne Vizechefin Madeleine Petrovic, eine alte Studienkollegin. Ihr Privatleben hält Plassnik diskret, Klatschspalten sind nicht das ihre. Gesehen wird sich höchstens bei Kultur-Events, manchmal an der Seite vom Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, Georg Springer. Verheiratet war die Außenministerin zwei Mal, mit dem heutigen - SPÖ-nahen - Parlamentsdirektor Georg Posch und mit dem Schweizer Diplomaten Gerard Stoudmann.

(apa/red)