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"Wir brauchen mehr Mut"

Wie deutsch ist die Austrian? NEWS-Interview mit den Sanierern Albrecht und Benz

AUA - "Wir brauchen mehr Mut" © Bild: NEWS/Michael Appelt

Die Austrian Airlines haben sich neu positioniert. Die Lufthansa-Manager Jaan Albrecht und Karsten Benz haben als neue AUA-Chefs sogar den Kostenkampf gegen die Piloten gewonnen. Konsequent wurden 233 Millionen Euro an Kosten eingespart. Etliche Jobs sind auf der Strecke geblieben. Was von der AUA noch übrig ist, erklären Benz und Albrecht in ihrem ersten gemeinsamen Interview.

NEWS: Ist die AUA jetzt ganz deutsch?
Jaan Albrecht: Die AUA ist und bleibt österreichisch. Die berühmte rot-weiß-rote Heckflosse wird nach wie vor da sein. Die AUA ist Teil dieses Landes.

NEWS: Es gibt nicht einmal mehr einen Österreicher im Vorstand. Kann sich die Lufthansa so besser durchsetzen?
Albrecht: Die AUA ist im Herzen österreichisch, aber sie ist gleichzeitig ein internationales Unternehmen, und der Wettbewerb ist global. Da ist jedes Unternehmen gut beraten, wenn man Expertise aus dem Ausland holt und mit der bestehenden vernetzt. Der Großteil des Managements ist österreichisch, der Vorstand bringt heute in diesem Fall mehr Internationalität an Bord.

NEWS: Sie tauschen auch die zweite Ebene aus, kündigen gute Österreicher. Hat das System?
Karsten Benz: Wir haben das Management verkleinert und sind dabei, Doppelgleisigkeiten zu bereinigen. Das sind Veränderungen, die vor Managern nicht haltmachen. Wir haben einen guten Weg gefunden, dennoch Kontinuität zu wahren und den Mitarbeitern Sicherheit zu geben. Aber auch notwendige Änderungen durchzuführen.

NEWS: Sie haben mit Ihrer Vorgangsweise viele überrascht. Der Betriebsrat kapitulierte. Gehen Sie über Leichen?
Albrecht: Überrascht? Ich denke nicht. Überraschend war vielleicht, dass wir das im Jänner angekündigte Programm konsequent umgesetzt haben. Das war ein Muss. Schließlich ging es um den Erhalt von 6.000 Arbeitsplätzen. Diese Firma muss schwarze Zahlen schreiben. Je konsequenter wir an diesem Ziel arbeiten, desto mehr können wir uns alle im Nachhinein darüber freuen. Wir haben das Ziel, 2013 ein positives Ergebnis zu erreichen.

AUA ist konkurrenzfähig

NEWS: Würde es dann nicht auch genügen, gleich als Lufthansa statt als AUA zu fliegen?
Benz: Die Marke ist in Österreich gut positioniert. Darauf wollen wir aufbauen.

NEWS: Solange Niki bzw. Air Berlin wächst, wird die Lufthansa ihre Tochter AUA stärken, um dagegenzuhalten. Was passiert, wenn diese Konkurrenz schwächer wird?
Benz: Zunächst kümmern wir uns um unsere Hausaufgaben und versuchen jeden Tag aufs Neue, den Kunden ein Argument zu geben, mit uns zu fliegen. Den Wettbewerb kommentieren wir ungern. Und wir arbeiten daran, aus eigener Kraft wachsen zu können.
Albrecht: Wir haben es selbst in der Hand. Wenn wir unsere Kosten senken und langsam an Wachstum denken, können wir gegenüber anderen einen Schritt voraus sein. Etwa der Konkurrenz aus Osteuropa. Wir haben jetzt eine Airline, die konkurrenzfähig ist.

Wir machen unsere Hausaufgaben

NEWS: Lufthansa-Vorstand und AUA-Aufsichtsratschef Stefan Lauer sagte kürzlich, dass es vielleicht mit den 3.500 Mitarbeitern, die bei der Lufthansa abgebaut wurden, nicht getan ist. Muss auch bei der AUA noch mehr Personal gehen?
Albrecht: Die AUA hat in den letzten drei Jahren schon massiv Personal abgebaut. Wir haben kein Programm angekündigt, weiteres abzubauen. Und das werden wir auch nicht tun.
Benz: Wir machen unsere Hausaufgaben hier in Wien. Wir wollen uns in der Lufthansa-Gruppe eine klare Position erarbeiten, ein saniertes und gesundes Unternehmen sein.

NEWS: Manche Ihrer Kollegen sehen den sozialen Frieden innerhalb des Konzerns aufgrund der enormen Eingriffe gefährdet.
Benz: Die Restrukturierungsmaßnahmen waren dringend notwendig, um der AUA eine Zukunft zu geben. Ich denke, das sehen die Mitarbeiter auch so. Natürlich gibt es Veränderungen, die Konsequenzen mit sich ziehen. Der soziale Friede war nicht gefährdet.
Albrecht: Wir haben uns bemüht, es den Mitarbeitern gut zu erklären. Wenn sich das Umfeld und die Branche ändern, dann muss sich das Unternehmen anpassen. So musste auch etwa der Kollektivvertrag modernisiert werden

NEWS: Müssen die Kosten weiter runter?
Albrecht: Im ersten Halbjahr haben wir viel erreicht, aber wir sind gewillt, die Situation der Austrian weiter zu verbessern. Das heißt, wir werden uns noch einmal das Thema Gebühren anschauen, alle Möglichkeiten ausschöpfen, damit die Treibstoffentwicklung nicht sofort wieder in unsere Gewinn-Verlust-Rechnung hineinschlägt, aber auch Themen auf der Personalseite, die wir noch in Angriff nehmen müssen.

NEWS: Muss sich die AUA-Mannschaft auf neue Sparwellen einstellen?
Albrecht: Nein. Wir müssen unsere Mitarbeiter mit Transparenz überzeugen. Das ist ein laufender Prozess, der einige Zeit dauern wird. Das geht nicht von einem Tag auf den anderen, dass die Leute umdenken. Was bei Air France oder Lufthansa passiert, ist ja nichts anderes: Wir arbeiten mit der Belegschaft, um sie zu überzeugen, dass die Welt eine andere geworden ist. Wir müssen einen zweiten Gang einlegen, um auch mit den Betriebsraten und Gewerkschaften voranzukommen. Wir kommen nicht drum herum.

Langstrecke ist Schwäche der AUA

NEWS: Was sind die Schwächen der AUA?
Albrecht: Die Langstrecke, nach wie vor die Kostensituation und die Stabilität im Unternehmen.

NEWS: Warum kommen denn keine weiteren Langstreckenflüge Ihrer Partner nach Wien?
Albrecht: Unser erklärtes Ziel ist es, die Langstrecke wieder zu stärken. Wenn Sie sich Wien anschauen, dann hat sich hier etwas nicht richtig entwickelt: Emirates fliegt zweimal am Tag oder Korean Air, aber niemand von der Star Alliance. Wir werden verstärkt arbeiten, damit wir Wien besser auf die Landkarte bringen. Wir investieren 80 Millionen Euro in unser neues Langstreckenprodukt.

NEWS: Kann es Liebe zwischen AUA und Lufthansa werden?
Albrecht: Es gibt schon eine große Liebe. Wir sind ja mittlerweile verheiratet.

Das ganze Interview lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von NEWS 30/12