AUA-Verkauf: Ryanair-Manager sieht für Wien Wahl zwischen Pest und Cholera

Großer Airline-Partner zieht Geschäft aus Wien ab Airports Wien und Salzburg sollen billiger werden

AUA-Verkauf: Ryanair-Manager sieht für Wien Wahl zwischen Pest und Cholera © Bild: Reuters

Mit der geplanten Übernahme der AUA durch einen großen europäischen Carrier gerät das Luftfahrt-Drehkreuz Wien in eine "No-win"-Situation, der Einstieg etwa der Lufthansa wäre für Wien "erstickend", meint der stellvertretende Vorstandschef von Ryanair, Michael Cawley. Die AUA werde profitable Verkehre, Flughafen und Wirtschaftsstandort Wien würden strategisch wichtige Passagiergruppen verlieren, warnte Cawley.

Dabei könne Österreich "nicht prinzipiell Nein sagen, weil es keine Alternative gibt. Die einzige Alternative lautet Lehman Brothers'", sagte Cawley mit einem Verweis auf die soeben pleite gegangene US-amerikanische Investmentbank.

Cawley begründete seine Sicht der Dinge mit historischen Erfahrungen nach dem Einstieg eines großen Carriers bei kleineren Fluglinien. Sollte die Lufthansa zum Zug kommen, werde sie ihren Langstreckenverkehr etwa nach Chicago über das ohnedies billigere Frankfurt führen. US-Geschäftsleute hätten damit keine Möglichkeit mehr, ohne Zwischenlandung nach Wien zu kommen. Wenn Air France/KLM zum Zug kämen, werde der Langstreckenverkehr statt über Frankfurt über Paris laufen. Und sollte die russische S7 zum Zug kommen, hätte dies überhaupt "vernichtende Folgen" für den Flughafen, meinte Cawley.

Ryanair fliegt Wien wegen der für sie zu hohen Kosten nicht an - sehr wohl aber das nahe Bratislava, wohin sie jährlich 750.000 Passagiere bringt. In Österreich werden aktuell ferner Graz, Linz und Salzburg angeflogen, wobei die Linie von und nach Salzburg (von London, Dublin) zwischen 4. November und 19. Dezember "temporär" eingestellt wird. Als Begründung führt Ryanair die seinem Geschmack nach zu hohen Kosten des Flughafens an. Verhandlungen über eine Reduktion von Flughafengebühren sind im Juli gescheitert. Cawley sagte, Ryanair habe in den vergangenen Jahren neue Destinationen in bzw. nahe der Alpen (Turin, Grenoble) entwickelt, ein gänzlicher Ausfall des Ryanair-Flugverkehtrs werde den Wintertourismus in der Region treffen.

Wien zu teuer für Ryanair
Kostengründe führt Cawley auch dafür an, warum Ryanair den Flughafen Wien in absehbarer Zeit nicht anfliegen wird. Cawley räumte ein, dass es das "Endziel" von Ryanair sei, keinerlei Gebühren für Starts und Landungen zu zahlen - wenngleich dies in Wien derzeit "nicht realistisch" sei. "Bei zehn von unseren 150 Destinationen werden wir faktisch dafür bezahlt, dass wir sie anfliegen", sagte der Flug-Manager. Welche Ziele das sind, wollte er nicht offenlegen. Seiner Meinung nach müsste Wien seine Kosten zwischen "60 und 70 Prozent reduzieren".

Ryanair. die größte Billig-Airline in Europa, wird heuer 58 Millionen Passagiere und damit 14 Prozent mehr als im vergangenen Jahr transportieren. Trotz des untypischerweise stark wachsenden Geschäfts werden Verluste von Ryanair von bis zu 60 Mio. Euro im heurigen Jahr nicht ausgeschlossen.

(apa/red)