Die Außenpolitik der FPÖ von

Zündler
am Balkan

Christoph Lehermayr © Bild: News/Ian Ehm

Als Vizekanzler sollte sich Heinz Christian Strache anders verhalten als in der Rolle des Oppositionspolitikers.

Als heimischer Politiker ein orthodoxes Gebetsband tragen, sich offen als Freund Serbiens bezeichnen und auf Wiens "Balkanmeile" zur einschlägigen Sängerin Ceca shaken? Das kann alles sein: anbiedernd, berechnend, naiv, integrativ. Als Oppositionspolitiker konnte sich Heinz Christian Strache das erlauben. Er kuschelte mit den Serben, während mancher Sozialdemokrat oder Bürgerlicher obskuren Moscheevereinen die Aufwartung machte, um dort im muslimischen Wählerpool zu fischen.

Zum Problem wird die einseitige Liaison aber, sobald man Regierungsmitglied ist und diese Sympathien im Ausland als offizielle Linie heimischer Außenpolitik gelten. Und die unterscheidet sich, bisher zumindest noch, recht eindeutig von dem, was Strache und seine Freunde darunter verstehen. Gerade am Balkan ist das relevant, da die Region zunehmend wieder einem Minenfeld gleicht. Kaum kaschierte Konflikte und verdeckte Bruchlinien treten immer offener zu Tage. Geheimdienste sprechen in ihren Berichten schon von der Gefahr neuer Gewalt. Etwa im gespaltenen Bosnien, das 22 Jahre nach dem Dayton-Vertrag, der den Krieg beendete, bis heute mit dem wackeligen Konstrukt von damals lebt. Dass das fernab von perfekt ist, ist jedem klar, der die Region halbwegs kennt. Dass es aber bis heute nichts Besseres gibt, ebenso. Die Lage gleicht einem Mikado-Spiel, in dem bereits ein falscher Zug das ganze Stäbchenwerk zu Fall bringen kann. Sich daher wie Strache eindeutig auf die Seite der bosnischen Serben zu stellen, seinen Vize Johann Gudenus zu schicken, um sich vom dortigen Präsidenten gar einen Orden abzuholen, nutzt den Scharfmachern. Nicht nach Lösungen zu trachten, sondern einfach ein wenig Öl ins Feuer zu gießen und dann wieder abzurauschen, ist in einer Region, in der Brandgefahr herrscht, fahrlässig.

Grob fahrlässig wird das Ganze, sobald die bewusste Bosnien-Provokation nur der Anfang war und nun der Kosovo folgt. Das Land begeht dieser Tage zehn Jahre Unabhängigkeit, die Österreich damals früh anerkannte. Wenn der regierende Vizekanzler diese nun en passant in einer serbischen Zeitung infrage stellt, mag das zwar in Belgrad für ein bisschen Beifall sorgen, im Interesse Wiens ist es sicherlich nicht. Dieses liegt vielmehr in einer stabilen Region in unserer nächsten Nachbarschaft. Um das zu erreichen, wurde viel Geld aufgewandt. Es ist auch der Grund, weshalb bis heute über 600 heimische Soldaten in Bosnien und im Kosovo stationiert sind. Dass sich die Lage dort dennoch verschlimmerte, ist kein Geheimnis. Dies zu ändern, sollte gerade deshalb neutralen Vollzeit-Profis vorbehalten bleiben. Strache ist bei Ceca-Discomusik auf der Wiener Balkanmeile besser aufgehoben.

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