Attraktive Strukturen auf Elite-Uni Gugging:
Pionier Fratzl will trotzdem nicht wechseln

Forscher über Vorteile der Max-Planck-Gesellschaft

Attraktive Strukturen auf Elite-Uni Gugging:
Pionier Fratzl will trotzdem nicht wechseln © Bild: APA

Peter Fratzl hat vor seiner Tätigkeit in der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) das Erich Schmid-Institut für Festkörperphysik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Leoben geleitet, kennt also die jeweils größten außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Österreich und Deutschland. Als gravierendsten Unterschied zwischen MPG und ÖAW sieht Fratzl, dass die ÖAW Gelehrtengesellschaft und Forschungsträger in einem sei, während in der MPG alle wesentlichen Richtungsentscheidungen von den Leitern der Forschungseinrichtungen gemeinsam getroffen würden. Außerdem sei das Leitbild der MPG "völlig klar: man will die beste Struktur für Grundlagenforschung sein". Wenn man sich die Kennzahlen anschaue, erfülle man dies auch, "da spielt die Max-Planck-Gesellschaft in einer Liga mit den US-Elite-Unis".

Das mag wohl mit ein Grund für Fratzls Wechsel von Leoben nach Potsdam vor 4,5 Jahren gewesen sein. Er selbst begründet ihn mit der "Möglichkeit, auf dem Gebiet, auf das ich mich ohnehin konzentrieren wollte, etwas völlig Neues anzufangen. So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben".

Wechsel nach Österreich kommt nicht in Frage
Dies wäre nun auch am I.S.T. Austria möglich, und Fratzl räumt auch ein, dass das Institut "attraktive Strukturen" biete. Dennoch kommt ein Wechsel zurück nach Österreich für ihn derzeit nicht in Frage. "Ich habe hier in Potsdam völlig neue Strukturen aufgebaut, und die will man eine Zeitlang zu einer gewissen Reife bringen, bevor man wieder etwas Neues beginnt." Außerdem habe er inzwischen ein tolles Team, mit dem er sich in der nächsten Zeit auf die Forschung konzentrieren möchte.

Forschungspreis
Dafür bekommt Fratzl Ende Juni mit der Verleihung des Max-Planck-Forschungspreises zusätzlichen Schub. 1,5 Mio. Euro teilt er sich mit dem US-Forscher Robert Langer für seine Pionierleistungen auf dem Gebiet der biologischen und biomimetischen Werkstoffe, die sich die Natur zum Vorbild nehmen. In dem Preis sieht er eine "Anerkennung, dass es Sinn macht, sich auf Gebiete zu begeben, die etwas außerhalb des Mainstreams liegen". Die MPG sei hervorragend darin, so etwas zu erkennen und einem die Möglichkeiten zu geben, sich in solchen Gebieten zu entfalten. (apa/red)