Attentat in indischem Gebetshaus in Wien:
Bekenner-Mail nach Blutbad aufgetaucht

KZF übernimmt darin Verantwortung für Anschlag Bisher rund 30 Zeugen von der Polizei befragt

Attentat in indischem Gebetshaus in Wien:
Bekenner-Mail nach Blutbad aufgetaucht © Bild: Reuters/Bader

Vier Tage nach dem Attentat auf die beiden Ravi Dass-Prediger in einem Wiener Gebetshaus geht die Polizei einem angeblichen Bekennerschreiben - nach anderen Informationen einem Anruf - nach, in dem die Khalistan Zindabad Force (KZF) die Verantwortung für den Anschlag mit einem Toten und rund einem Dutzend Verletzten übernimmt.

Die KZF setzt sich - auch mit terroristischen Mitteln - für einen unanhängigen Sikh-Staat Khalistan auf dem Gebiet des nordindischen Bundesstaats Punjab ein. Adressat der Bekennung war der Radio-Sender im Südlondoner Stadtteil Southhall, in dem eine starke Sikh-Gemeinde ansässig ist und wo es Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre zu Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gruppierungen der Religionsgemeinschaft gekommen war.

"Derzeit wird geprüft, ob der Bekenneranruf echt ist oder ob es sich um Trittbrettfahrer handelt", sagte Polizeisprecher Michael Takacs am Donnerstag in Wien. In der Bekennerbotschaft wird laut Radio Akash das nicht dem Sikh-Glauben entsprechende Verhalten der Ravi Dass-Gemeinschaft genannt. Da die Ravi Dassi trotz Warnungen weiter "Sünden begangen" hätte, sei das Attentat unvermeidlich gewesen.

Prediger auf Weg der Besserung
Der durch Schüsse schwer verletzte Prediger Sant Niranjan Dass befindet sich laut Takacs weiterhin auf dem Weg der Besserung. Er liegt streng bewacht in einem Wiener Krankenhaus. Unter den sechs Verdächtigen - über alle wurde U-Haft verhängt - gilt jener Mann als mutmaßlicher Haupttäter, der selbst einen Kopfschuss erlitt und vorläufig nicht einvernommen werden kann, da er sich im künstlichen Tiefschlaf befindet.

In der am Freitag erscheinenden Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" kritisiert der britische Anwalt Lekh Raj Birdy, der Sant Niranjan Dass und den getöteten Rama Anand (Nand) vertreten hat, die Untätigkeit der österreichischen Behörden. In Großbritannien habe es Drohungen gegen die Gurus der Ravi-Dass-Sekte gegeben, und dort "wurden die Drohungen ernst genommen" und "Schritte unternommen, um die Gefahr zu minimieren". In Österreich hingegen taten die österreichischen Behörden "nach meinen Informationen absolut nichts, um die heiligen Männer zu schützen", wird der Anwalt in einer Vorausmeldung zitiert.

(apa/red)