Atomstreit von

Zähe, aber intensive Verhandlungen

Iran: Zarif soll Kerry "neuen und respektvollen" Vorschlag gemacht haben

Zarif und Kerry © Bild: Reuters/Bourg

Im Atomstreit zwischen dem Westen und der Iran erwarten die Konfliktparteien fünf Tage vor dem Ende der Deadline zähe Verhandlungen. Laut der iranische Agentur IRNA hat es am Montag und Dienstag in Wien intensive Gespräche zwischen den USA und dem Iran gegeben. Hierbei wurde über die Uran-Anreicherung, die Sanktionslockerungen gegen Teheran und einen Zeitplan gesprochen.

"In den letzten 20 Stunden hatten wir einen regelrechten Verhandlungsmarathon mit den Amerikanern. Hierbei ging es zunächst darum die Positionen abzustimmen und auf den Punkten aufzubauen, bei denen ein Konsens vorhanden ist.", meinte ein iranischer Diplomat, der anonym bleiben wollte, gegenüber Journalisten. Aus Verhandlungskreisen hieß es zudem, dass der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif seinem US-Kollegen John Kerry einen "neuen und respektvollen" Vorschlag unterbreitet habe.

Uran-Anreicherung beschränkt und erweiterte Kontrollen

Hierbei soll der Iran seine Uran-Anreicherung weiterhin, wie im Interimsabkommen vorgesehen, auf fünf Prozent beschränken und erweiterte Kontrollen der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA/IAEO) gestatten. Zudem soll ein Zeitplan für die verbliebenen Streitpunkte, wie etwa die Zentrifugenfrage avisiert werden, damit die Verhandlungen doch noch zu einem endgültigen Ziel führen.

Im elf Jahre andauernden Konflikt geht es dem Westen darum, dass die iranische Führung ernsthafte und überprüfbare Garantien abgibt, dass Teherans Nuklearprogramm ausschließlich friedlicher Natur ist. Im Gegenzug will die internationale Staatengemeinschaft die Wirtschaftssanktionen gegen den Golfstaat schrittweise suspendieren.

Iran meint es ernst

"Wir konnten uns davon überzeugen, dass die iranischen Verhandler es hier ernst meinen und anscheinend eine Lösung anstreben. Dennoch muss die andere Seite noch viel mehr Flexibilität zeigen, damit es einen endgültigen Deal geben kann. Es ist klar, dass wir nur ein Abschlusspapier akzeptieren, indem sicher gestellt ist, dass Teheran nicht in Besitz von Nuklearwaffen kommt", erklärte ein europäischer Diplomat am Dienstagvormittag gegenüber der APA. Die sechste Runde der Wiener Atomgespräche seit Februar dauert voraussichtlich noch bis 20. Juli. Dies ist auch der Tag, an dem das Interims-Abkommen zwischen den beiden Parteien endet. Ob letzteres verlängert wird, wird sich erst im Laufe dieser Woche herausstellen.

US-Außenminister Kerry: Einigung bis 20. Juli möglich

US-Außenminister John Kerry glaubt weiterhin an eine Einigung in den Iran-Atomgesprächen bis Sonntag. "Der 20. Juli ist weiterhin aktuell. Wir arbeiten weiter", sagte Kerry am Dienstag in Wien. In seinen dreitägigen Gesprächen mit dem iranischen Chefunterhändler Mohammad Javad Zarif habe es "Fortschritte" gegeben, doch sei man in Schlüsselfragen weiter auseinander.

Er werde am heutigen Dienstag nach Washington reisen, um mit US-Präsident Barack Obama und der Führung des US-Kongresses darüber zu beraten, "welche Aussichten es für ein dauerhaftes Abkommen gibt und ob es mehr Zeit braucht", sagte Kerry.

Der US-Außenminister attestierte der iranischen Seite, die Verhandlungen "mit guten Absichten" zu führen. "Wir haben greifbare Fortschritte in Schlüsselfragen gemacht, es gibt aber noch wirkliche Differenzen in anderen Schlüsselfragen", sagte er mit Blick auf die Zentrifugen zur Uran-Anreicherung. "Es ist klar, dass noch viel Arbeit zu tun ist."

Kommentare