Atomstreit von

Inspektoren untersuchen
Anlage im Iran

Schwerwasserreaktor unter Lupe genommen - Atomdeal: Obama pessimistisch

Iran: Zwei Inspektoren untersuchen die Anlage in Arak. © Bild: APA/EPA/HAMID FORUTAN

Zwei Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) haben am Sonntag im Iran eine Anlage zur Schwerwasserproduktion unter die Lupe genommen. Der Schwerwasserreaktor in Arak, der Ende 2014 in Betrieb gehen soll, wird vom Westen beargwöhnt, weil darin theoretisch waffenfähiges Plutonium hergestellt werden kann.

Ein Sprecher der iranischen Atombehörde sagte am Sonntag der Nachrichtenagentur ISNA, die beiden UN-Mitarbeiter sollten am Nachmittag ihre Arbeit beenden und dann noch in der Nacht nach Wien zurückkehren.

Am Montag und Dienstag werden Experten der 5+1-Gruppe (China, Frankreich, Großbritannien, Russland und USA plus Deutschland) und des Iran in Wien Details des kürzlich in Genf vereinbarten Atomabkommens mit Teheran erörtern, das auf sechs Monate befristet ist. Dabei wird auch das Ergebnis der Inspektion in Arak zur Sprache kommen.

Bau einer Atombombe möglich

Die Inspektion ist ein Ergebnis des jüngsten Zwischenabkommens mit dem Westen zu dem umstrittenen iranischen Atomprogramm. Demnach wurde mit der IAEA vereinbart, dass Inspektoren die Produktionsanlage für Schweres Wasser (Deuteriumoxid) besichtigen können. Schweres Wasser wird als Moderator in Reaktoren eingesetzt, bei deren Betrieb Plutonium anfällt, das wie hoch angereichertes Uran 235 zum Bau einer Atombombe eingesetzt werden kann.

Die Anlage in Arak ist noch im Bau. Mit der Herstellung von Plutonium stünde der Regierung in Teheran ein zweiter Weg zur Herstellung von Kernwaffen offen. Aus US-Kreisen war verlautet, die Regierung in Washington könnte vom Iran verlangen, Teile des Komplexes abzubauen. Der Sprecher der iranischen Atombehörde, Behrouz Kamalvand, erklärte, man werde über derartige Fragen nicht einmal diskutieren.

Auch in einem Punkt zeigte sich der Iran am Wochenende unnachgiebig. Am Samstag hatte die Atombehörde erklärt, man setzte die Erprobung neuer Zentrifugen für die Anreicherung von Uran fort. Eine erste Testreihe effizienterer Geräte sei abgeschlossen worden. Mit den Tests scheint der Iran zwar nicht direkt gegen das jüngste Abkommen zu verstoßen. Dennoch könnte die Entwicklung die Westmächte beunruhigen, weil der Iran die Anreicherung deutlich beschleunigen könnte. Bei entsprechend höherer Anreicherung kann das Uran zum Bau von Atomwaffen eingesetzt werden.

Obama: Chancen für Atomdeal stehen 50:50

US-Präsident Barack Obama gab sich überraschend pessimistisch hinsichtlich einer dauerhaften Einigung mit dem Iran. Die Chancen lägen bei "nicht mehr als 50:50", sagte er am Samstag bei einer Nahost-Diskussion in Washington. "Aber wir müssen es versuchen." Man dürfe nicht naiv sein. Die USA gäben auch keine Option aus der Hand, betonte Obama mit Blick auf militärische Optionen.

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