Leben von

Märchenstunde
in den letzten Tagen

Das Ateliertheater schließt würdig mit Brahms

Leben - Märchenstunde
in den letzten Tagen © Bild: Susanne Zobl

Die Schauspielerin Gerti Drassl, der Südtiroler Bariton Konrad Huber und der Pianist Volker Nemmer führten im Wiener Ateliertheater Johannes Brahms` Vertonung von Ludwig Tiecks „Liebesgeschichte der schönen Magelone und dem Grafen Peter von Provence“ auf. Mit dem Werk der Romantik lenkte man in die letzten Runden am Spielplan. In wenigen Tagen ist das kleine Theater Geschichte.

Die Tage des Wiener Ateliertheaters in der Burggasse sind gezählt. Ende des Jahres schließen die Betreiber, Nina C. Gabriel und Ludwig Drahosch, die Pforten. Der Grund: Mangel an Subventionen. Als sie es dieses Jahr zu einer Nominierung beim Nestroy-Preis in der Kategorie „Bester Nachwuchs“ mit dem Darsteller Benjamin Vanyek gebracht haben, war es zu spät. Die Mittel reichen nicht, um den vielfältigen Spielplan, Schauspiel und Kabarett inklusive, aufrechtzuerhalten.

Höchste Ansprüche

Ein selten aufgeführtes Werk, Johannes Brahms’ Opus 33, „Die schöne Magelone“ gab den Auftakt zur Schlussrunde. Weshalb das Werk nur selten Eingang in die Spielpläne der Konzerthäuser findet, mag daran liegen, dass es zu den musikalisch anspruchsvollsten Werken für Singstimme und in der Klsvierliteratut gilt.

Die Geschichte der schönen Magelone, die sich in den Ritter Peter verliebt, mit ihm vor einer geplanten Hochzeit mit einem anderen Edelmann flieht, den törichten Liebhaber verliert und wiederfindet, hat Ludwig Tiecks, der Autor des „gestiefelten Katers“, in einem einfachen, zuweilen fast naiven Märchenton nacherzählt. Im Gegensatz dazu steht die Partitur. Der Klavierpart hat fast symphonische Züge und wirkt gleichberechtigt neben dem Gesang, der höchste Ansprüche an die Singstimme stellt.

Und die bewältigt Bariton Konrad Huber glänzend. Möglich, dass der geborene Südtiroler seine Kondition als Sänger im Wiener Staatsopernchor generiert. Denn Kondition braucht ein Sänger für den Zyklus von 15 breit angelegten Liedern. Brahms, der keine einzige Oper komponiert hat, verlangt der Singstimme ein Höchstmaß an Flexibilität und Ausdauer ab. Die Lieder sind lang, schwierig vertont und verlangen im Idealfall auch darstellerische Fähigkeiten. All das bringt Huber mit. Mit wenigen Gesten und Minenspiel stellt er das Gesungene dar und begeistert mit präziser Stimmführung. Volker Nemmer ist ihm nicht nur ein Begleiter, sondern kongenialer Partner. Gerti Drassl komplettiert das Ensemble und entführt mit ihrer klaren Erzählstimme ins Märchenreich.

Kommentare

Oberon
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Auch wenn ich nicht gerade ein begeisterter Theaterbesucher bin, tut es mir doch sehr leid, wenn das Theater in der Burggasse seine Pforten für immer schließen muss. Damit geht ein Stück Österreich unwiederbringlich verloren. Schade, dass sich niemand gefunden hat, der dem kleinen Theater eine Chance zum Überleben gibt. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass künstlerische Qualität in....

Oberon
Oberon melden

.... Österreich nicht mehr viel zählt.

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