Asif Ali Zardari: Neuer pakistanischer Präsident mit einem zweifelhaften Ruf

Benazir Bhuttos Witwer saß elf Jahre im Gefängnis

Pakistans politische Landschaft wurde durch die Ermordung der Oppositionsführerin Benazir Bhutto Ende 2007 gehörig durcheinandergebracht. So erklärt es sich, dass jetzt ihr Witwer zum neuen Präsidenten gewählt wurde - als Nachfolger von Pervez Musharraf, an dessen Entmachtung Bhuttos Volkspartei (PPP) erfolgreich gearbeitet hatte.

Nach dem haushohen Sieg der PPP bei der Parlamentswahl im Februar hatte kein Zweifel an der Wahl Zardaris durch die Parlamentarier in Islamabad bestanden. Asif Ali Zardari ist eine schillernde Figur. Er hat durch eine endlose Reihe von Korruptionsvorwürfen, elf Jahre Haft, Playboy-Allüren und Intrigen innerhalb des Bhutto-Clans von sich reden gemacht.

Zardaris Weg zum höchsten Amt in Pakistan war keinesfalls vorgezeichnet. Als der Sohn einer Landbesitzer-Familie 1987 in die Bhutto-Familie einheiratete, war er als Playboy bekannt, der gerne Polo spielt. Mit der Wahl seiner Frau zur Regierungschefin ein Jahr später gewann auch Zardari an Macht. Weil er sich als Minister stets lukrative Anteile an Staatsgeschäften gesichert haben soll, ist der 53-Jährige mit dem stattlichen Schnauzer und dem zurückgekämmten schwarzen Haar auch als "Mister Zehn Prozent" bekannt.

Auf Zeiten großen Einflusses folgten bei Zardari Zeiten der Ohnmacht. Nach Bhuttos erster Amtszeit kam er 1990 für drei Jahre ins Gefängnis, nach ihrer zweiten Regierungszeit, die von 1993 bis 1996 dauerte, musste er sogar acht Jahre einsitzen. Die Liste der Vorwürfe gegen Zardari war lang - von Korruption und Erpressung über Drogenschmuggel bis hin zu einem Mordkomplott gegen seinen Schwager Murtaza Bhutto. Einige Vorwürfe wurden später fallengelassen.

Doch auch wenn Zardari beteuert, er sei allein aus politischen Gründen in Haft gewesen, bleibt sein Ruf zweifelhaft. Zardari sei für viele "weder rein noch unschuldig", sagt der frühere Abgeordnete Shafqat Mahmood.

Nach seiner Entlassung aus der Haft verließ Zardari die Heimat, um mit seiner Frau im Exil in London und Dubai zu leben. 2007 wurde eine Amnestie erlassen, die ihm und Bhutto die Rückkehr nach Pakistan ermöglichte. Zardari ließ seine Frau jedoch allein zurückkehren und Wahlkampf für die PPP machen. Erst als Bhutto am 27. Dezember bei einem Anschlag ums Leben kam, reiste Zardari nach Pakistan.

Die PPP bestimmte Bhuttos Sohn Bilawal zu ihrem neuen Chef. Da dieser aber erst 19 Jahre alt war und im fernen Oxford studierte, wurde Zardari der wahre Anführer der Partei. Aus der Parlamentswahl im Februar ging die PPP als stärkste Kraft hervor, sie bildete eine Koalition mit der Muslim-Liga (PML-N) von Bhuttos früherem Rivalen, Ex-Premierminister Nawaz Sharif. Regierungschef wurde nicht Zardari, sondern Yousaf Raza Gillani.

Die Strippen in der Regierung zieht aber Zardari. Er ließ es offenbar auf einen Bruch des Regierungsbündnisses ankommen, da die PPP auch mit anderen, kleineren Parteien regieren kann. PPP und PML-N stritten über die Wiedereinsetzung der von Musharraf abgesetzten Richter.

Kritiker warfen Zardari vor, er wolle die Wiedereinsetzung des Obersten Richters Iftikhar Muhammad Chaudhry verhindern, weil dieser die Amnestie-Regelung für den PPP-Politiker außer Kraft setzen könne. Und obwohl Sharif einen unabhängigen Präsidentschaftskandidaten gefordert hatte, ließ Zardari sich für die Abstimmung in der Wahlversammlung am Samstag aufstellen. Er bekam die Quittung: Die PML-N kündigte das Regierungsbündnis vor zwei Wochen auf.

Vorher hatte Zardari das Bündnis mit der PML-N genutzt, um den Druck auf den langjährigen Präsidenten Musharraf zu erhöhen. Nachdem die Regierung ihm mit einem Amtenthebungsverfahren drohte, entschloss sich der Staatschef Mitte August zum Rücktritt. Der Weg für Zardari war frei. Als Präsident kann Zardari nun noch ungehinderter schalten und walten.

Fraglich ist aber, ob er Lösungen für die gravierenden Probleme seines Landes parat hat. Mit reinem Machtstreben wird Zardari im Kampf gegen die hohe Inflation und islamistische Aufständische kaum etwas ausrichten können. (apa/red)