Armstrong-Comeback alarmiert Experten:
Nach wie vor sind viele Doping-Fragen offen

Armstrong könnte mit Anabolika nachgeholfen haben Sieg bei der Tour de France '09 wäre höchst auffällig

Armstrong-Comeback alarmiert Experten:
Nach wie vor sind viele Doping-Fragen offen

Der einstige US-Präsident Bill Clinton hat dem Comeback-Auftritt des siebenfachen Tour-de France-Siegers Lance Armstrong vor der Weltpresse zwar eine staatsmännische Note verliehen, doch die Zweifel an der Seriosität und sportlichen Sinnhaftigkeit des Unterfangens beseitigten die glamouröse Vorstellung nicht. Auch die Fragezeichen zum Thema Doping blieben. Stattdessen präsentierte sich der umstrittene Sportstar als Botschafter seiner Krebs-Stiftung und weltweiter Kämpfer gegen die Krankheit, an der er selbst 1996 erkrankt war.

"Ich werde nicht sagen, wie sauber ich bin und wie gedopt andere sind", meinte Armstrong und präsentierte in Don Catlin seinen eigenen Doping-Experten. Mit ihm will er zusammenarbeiten "für den Fall, dass ich gut bin, um alle Zweifel an meiner Leistung auszuräumen". Ein geschickter Schachzug des latent unter Dopingverdacht stehenden Armstrongs.

Armstrong könnte mit Anabolika nachgeholfen haben
Doping-Experte Wilhelm Schänzer hat wie der frühere Chef der Welt-Anti-Doping Agentur WADA, Richard Pound, Zweifel an den Tests und meinte: "Die Frage ist doch, wie gut ist Armstrong bis jetzt kontrolliert worden." Zwölf Monate vor seinem Comeback sollte ein Athlet ins Kontrollsystem zurückgekehrt sein, fordert der Leiter des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule in Köln. "Ein Jahr ist sogar ein bisschen knapp, mehr wäre hilfreich", sagte Schänzer.

Bei seiner Vorbereitung im Verborgenen hätte Armstrong, der 2009 im Astana-Team zurückkehrt, gefahrlos mit Anabolika nachhelfen und die Intensität des Ausdauertrainings mit EPO steigern können. "Natürlich sind Rückschlüsse hochspekulativ", meinte Schänzer. Armstrong schweigt dazu und meinte lapidar in New York: "Ich fahre einfach nur Rad." Aber reicht das, um im kommenden Juli mit dann fast 38 Jahren um den achten Sieg bei der Tour de France mitzufahren?

"Aus medizinischer Sicht wäre das sicher möglich", sagte Helge Riepenhof, der bei der Rad-WM in Varese Arzt des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) ist. "Man kann nicht sagen, biologisch ist 38 gleich 38." Dass Armstrong sicherlich nicht mit Durchschnitts-Maßstäben zu beurteilen ist, habe er bei seinen letzten Starts im Marathon und bei Mountainbike-Rennen bewiesen. Schänzer stößt ins gleiche Horn: "Sportler mit ganz besonderen Merkmalen können auch mit 34 oder mehr Jahren optimale Leistungen bringen."

Toursieg wäre höchst auffällig
"Wenn Armstrong tatsächlich die nächste Tour gewinnen sollte, wäre das extremst auffällig und könnte unter Umständen auf Manipulation hinweisen", behauptet Sportarzt, Kardiologe und Chef-Mediziner des Berlin-Marathons, Willi Heepe. "EPO-Gaben sind bei niedriger Dosierung nur kurz nachzuweisen. Es ist klar, dass es leistungsmäßig ab 35 bergab geht, auch, wenn man sich auf einem solch hohen Plateau wie Armstrong bewegt." Für Heepe gilt das "unwiderruflich".

Zudem betont der Fachmann für Ausdauersportarten: "Der Stressfaktor beim Abruf von Extremleistungen wie sie im Profiradsport sicherlich nötig sind, ist in höherem Alter schädlicher als in jungem." Armstrong bestreitet das nicht. "Wenn ich im Jänner wieder starte, bin ich fast dreieinhalb Jahre nicht mehr Rad gefahren. Ich weiß nicht, wie gut ich sein werde, aber ich werde so gut wie möglich vorbereitet in die Tour starten."
(apa/red)