Aribert Heim doch noch am Leben? Nazi-Fahnder zweifeln an seiner Todesmeldung

Werden die Experten an der Nase herum geführt?

Die Experten der weltweit größten Fahndungsstelle für NS-Verbrechen im süddeutschen Ludwigsburg haben starke Zweifel am Wahrheitsgehalt der Berichte zum Tod von NS-Kriegsverbrecher Aribert Heim.

"Ich bin noch nicht überzeugt, dass das Ergebnis richtig ist", sagte der stellvertretende Leiter der dortigen "Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen", Joachim Riedel. "Es kann gut sein, dass da jemand an der Nase herumgeführt werden soll", meinte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Schon zuvor hatte auch der Leiter des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Ephraim Zuroff, gegenüber der APA den Tod Heims bezweifelt.

"Es könnte tatsächlich sein, dass er längst unter der Erde liegt, aber solange wir die Leiche des Mannes nicht haben, können wir den Fall sicherlich nicht als vollständig geklärt ansehen", sagte Riedel. Erst in der vergangenen Woche habe seine Behörde einen anonymen Hinweis erhalten, nach dem Heim lebe und in Spanien wohne.

Zwar habe ihn der jüngste Bericht über den NS-Verbrecher nicht überrascht. "Aber es hat mich zum einen irritiert, dass es angeblich eigenartige und nicht bestätigte Geldflüsse an Heims Sohn gegeben haben soll", sagte Riedel weiter.

Heim nicht für tot erklärt
Zum anderen sei es verwunderlich, dass Heims Familie in Baden-Baden den gesuchten Schergen nicht schon längst für tot erklärt habe. "Diese Konstellation ist eigentlich gut für alle Varianten, auch für die vom Tod Heims", sagte Riedel.

Nicht zuletzt bei der weltweiten Suche nach dem berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele, der 1979 in Brasilien gestorben war, hatte es ähnliche Verwirrungen gegeben. Und auch bei Karl Adolf Eichmann, dem Organisator der Deportation von Millionen Juden in die Lager, seien nachweislich falsche Spuren gelegt worden.

Heims Entkommen 1962 aus seinem Haus im südwestdeutschen Baden-Baden bis nach Kairo sei "die typische Fluchtgeschichte eines gesuchten NS-Verbrechers", sagte Riedel. Vorwiegend seien die Nazis nach Südamerika entkommen, nachdem sie viele Jahre in Deutschland unter ihrem richtigen Namen gelebt hatten.

(apa/red)