Argentinien verliert seinen größten Gott:
Maradona nicht mehr Trainer der "Gauchos"

49-Jähriger wollte eigentlich als Coach weitermachen Verhandlungen spießten sich an Cotrainer-Besetzung

Argentinien verliert seinen größten Gott:
Maradona nicht mehr Trainer der "Gauchos"

Diego Maradona hüllt sich nach seinem Quasi-Rauswurf als argentinischer Teamchef in Schweigen und die Gerüchteküche kocht. Gleich vier Namen möglicher Nachfolger werden gehandelt, die besten Chancen soll dabei der Trainer von Estudiantes de la Plata, Alejandro Sabella, haben. Er gilt als besonnen und medienscheu, ein echter "Anti-Diego". Außerdem sei er Favorit des mächtigen Präsidenten des nationalen Verbandes (AFA), Julio Grondona, schrieb die Sportzeitung "Ole". Grondona meinte jedoch seelenruhig: "Nachfolger? Damit eilt es nicht".

Nur wenige Minuten zuvor hatte er Maradona abserviert. Das Exekutivkomitee der AFA, das in der Regel immer tut, was Grondona will, lehnte einstimmig eine Vertragsverlängerung für die "Hand Gottes" ab. Grondona vermied damit eine förmliche Entlassung Maradonas, indem er ihm wiederholt eine Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt hatte, diese aber mit der Bedingung verknüpfte, Maradona müsse den Großteil seiner Mitarbeiter austauschen.

Maradona lief direkt in die Falle, verweigerte empört auch nur die Auswechselung von Hilfskräften und wurde vor die Tür gesetzt. Grondona meinte danach lächelnd: "Hier ist keiner rausgeschmissen worden". Auf die Frage nach seinem Verhältnis zu Maradona antwortete er: "Mit dem ist im Augenblick nicht gut zu sprechen".

Demonstration
Eine Gruppe Demonstranten hatte zuvor vor dem Gebäude der AFA ihrem Ärger über Grondona Luft verschafft und an die Wand geschrieben: "Grondona, Gegner des Volkes". Einer Internet-Umfrage zufolge will eine Mehrheit der Argentinier am liebsten den erfolgreichsten argentinischen Trainer der vergangenen Jahre, den Ex-Trainer der Boca Juniors, Carlos Bianchi, als neuen Teamchef. Der aber kann Grondona nicht ausstehen und hat schon dessen frühere Angebote abgelehnt.

Etwas überraschend kam auch der Trainer von Racing, Miguel Angel Russo, ins Gespräch. Sowohl als früherer Spieler als auch als heutiger Trainer gilt er eher als Mittelmaß. Der Ex-Trainer von River Plate, Diego Simeone, ist auch noch im Spiel. Allerdings galt seine Berufung als eher unwahrscheinlich.

Maradona-Intimfeind Übergangstrainer
Zum Interimstrainer wurde U20-Teamchef Sergio Batista bestellt, der als Intimfeind von Maradona gilt. Batista betreut die "Albiceleste" damit im Freundschaftsspiel gegen Irland am 11. August in Dublin. 18 Spieler habe "freundlicherweise" noch Maradona kurz vor seinem Vertragsende aufgelistet, sechs weitere habe die AFA "für alle Fälle" hinzugefügt, sagte Grondona. Zu den Einberufenen zählen alle Stars wie Lionel Messi, Carlos Tevez, Gonzalo Higuain oder Javier Mascherano. Nicht mehr dabei ist Oldie Juan Sebastian Veron, die für die WM nicht berücksichtigten Inter-Spieler Esteban Cambiasso und Javier Zanetti fehlen weiterhin.

Der 49-jährige Maradona hatte die argentinische Nationalelf Ende Oktober 2008 übernommen und sie nur mit viel Mühe zur WM in Südafrika geführt. Dort schieden die "Gauchos" im Viertelfinale mit 0:4 gegen Deutschland aus. Unmittelbar danach hatte der Weltmeister von 1986 seine Zukunft offengelassen, sich vor wenigen Tagen aber bereiterklärt, weiter als Teamchef arbeiten zu wollen.

(apa/red)