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"Generation Sozialfall"

Studie: Pflichtschul-Abgänger zu hohem Anteil "nicht einsetzbar"

Arbeitsmarkt - "Generation Sozialfall"

Die Absolventen von Pflichtschulen sind zu einem "hohen Anteil nicht einsetzbar", unabhängig davon, ob es sich um reichere oder ärmere, städtische oder ländliche Gebiete oder Regionen mit hohem oder niedrigen Migrantenanteil handelt. Zu diesem erschütternden Fazit kommt der Gewerbeverein nach einer Umfrage unter mehr als 2.000 Unternehmen über das Kompetenzniveau von Pflichtschulabsolventen.

Der Gewerbeverein spricht deshalb von einer "Generation Sozialfall". Mehr als 70 Prozent der Unternehmer schätzen zwar die grundlegenden Lesefertigkeiten der Pflichtschulabgänger noch als gut bzw. ausreichend ein. Allerdings finden schon mehr als 40 Prozent, dass die Schüler die grundlegenden Rechenoperationen nur unzureichend bis gar nicht beherrschen.

Geht es um das Umrechnen in andere Maßeinheiten, ist mehr als jeder zweite Unternehmer unzufrieden, beim Prozentrechnen sind es schon rund 60 Prozent. Unzureichend bzw. gar nicht verstehen für mehr als 50 Prozent der Befragten die Schulabsolventen englischsprachige Diskussionen in Alltagssituationen. Und zwei von drei Unternehmen bezeichnen den Einblick der Schüler in die politischen Systeme als unzureichend bzw. nicht vorhanden.

Wohlstand in Gefahr
Dieses laut Umfrage geringe Kompetenzniveau "schmälert die Chancen von etwa 50 Prozent der Schüler jedes Jahrgangs, einen Brotberuf erlernen zu können, es gefährdet das duale System, da sich immer weniger Betriebe zur Berufsausbildung durchringen können und es setzt unseren Wohlstand aufs Spiel, da schon mittelfristig zu wenig Unternehmer und Spitzenkräfte zur Verfügung stehen", so Stephan Blahut, Generalsekretär des Gewerbevereins.

Der Gewerbeverein fordert in seinen aus der Umfrage resultierenden Empfehlungen u.a. Bildungsstandards am Ende des Kindergartens, der vierten, achten bzw. neunten sowie zwölften bzw. dreizehnten Schulstufe, deren Erreichung verbindlich per Zeugnis bestätigt werden soll. Am Ende des neunten Schuljahres sollte das Erreichen der Bildungsstandards als "Mittlere Reife" überprüft und damit aufgewertet werden.

ÖGJ: "Ausrede der Unternehmen"
Kritik an der Umfrage kommt von der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ): "Man könnte den Eindruck bekommen: Die Unternehmer wollen einfach keine Lehrlinge mehr ausbilden, und um sich zu rechtfertigen, jammern sie, dass die SchulabsolventInnen zu ungebildet sind", schreibt ÖGJ-Vorsitzender Jürgen Michlmayr in einer Aussendung. Gut ausgebildete Fachkräfte würden nicht "fix und fertig" aus der Pflichtschule kommen, Firmen und die öffentliche Hand müssten danach in die Qualität der Ausbildung investieren, so Michlmayr.

Kommentare

Wollen einfach nicht mehr! Wir sind auch in diesem System in die Schule gegangen und können rechnen! Aber wozu denn noch überhaupt was tun! Beim Vater Staat kriegst alles hinten hineingesteckt! Wir sind übersozial und gehen somit selber drauf! Dass man vom Nintendo spielen nicht leben kann ist klar! Und wenn ich mir die Kinder ansehe die gar kein Deutsch können, wie sollen die dann die Schule schaffen, wenn es unsere schon nicht können? Aber wie gesagt, bei uns muss keiner etwas machen, je weniger du tust umso besser ist es! Neben dem AMS gibts ja noch Mindestsicherung, Caritas ... und wer finanzierts?

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Michlmayr Der Typ hat keine Ahnung wovon die Rede ist. Keine Firma erwartet eine Fachkraft, wenn sie einen Lehrling einstellt. Wenn aber 60% nicht mal Prozentrechnen können, dann gute Nacht Österreich. Und was sagt die Bildungsministerin dazu ? Schließlich ist es ja auch die Lehrergewerkschaft, die auf der Bremse steht wenn es um Bildungsreformen geht.

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Re: Michlmayr Volle Zustimmung! Das Niveau ist teilweise schon so schlecht, dass Prozentrechnen schon purer Luxus ist. Bereits die Begriffe Addition und Subtraktion sind teilweise unbekannt und so mancher Jugendlicher kann diese Rechenarten auch nicht durchführen. Die Hälfte von 30 ist z. B. 150!!! Bei der Aufgabe "Fertigen Sie eine Freihandzeichnung von einem Tisch an" wurde die eigene Hand auf das Blatt Papier gelegt und die Umrisse nachgezeichnet. Sinn erfassendes Lesen eines Textes kann man überhaupt gleich vergessen.
Für welchen Beruf sollten solche jungen Menschen eigentlich geeignet sein??

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Schon richtig, aber vielleicht wäre es gut, wenn man den Schlüssel mal dort sucht,wo er hinuntergefallen ist und nicht dort,wo Licht ist.
Wenn wir davon ausgehen,dass die Verteilung von Hirn die letzten 100 Jahre gleich geblieben sein dürfte und auch unsere Schulen seit Jahrzehnten mehr oder weniger gleich vor sich hindümpeln,müsste man eigentlich zu dem Schluss kommen, dass etwas, das über lange Zeit konstant geblieben ist, nicht die Ursache für einen derart massiven Absturz sein kann und daraus folgt logischerweise, dass es wohl an einem Wertewandel in unserer Gesellschaft liegen muss und daran tragen auch zu einem Großteil die Eltern bei.Und wenn ich will, dass mein Kind Leistung und Lernen für erstrebenswert hält, muss ich\'s selbst vorleben,sonst wird auch das beste Schulsystem nix dran ändern.

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Re: Michlmayr Ich kenne viele Familien, in denen das einzige Buch im Haus ein Telefonbuch ist und Eltern für die die Zumutung ein Buch zu lesen fast eine Beleidigung darstellt. Dazu kommt noch, dass sie ihren Kindern von klein auf eine Abneigung gegen alles was nur irgendwie mit Bildung zu tun hat vorleben (die Streber, die abgehobenen Akademiker, die nichtsnutzigen Studenten, so willst du doch sicher nicht werden, usw.). Und wenn ich dann abends den Spross lieber ins Zimmer zum Computerspielen schicke, weil ich selbst Musikantenstadl oder Grey\'s Anatomie nicht verpassen will, anstatt vorzulesen oder mir wenigstens vorlesen zu lassen, dann bin ich zwar noch immer Vorbild, aber sicher kein gutes.

Zum Gesamtproblem tragen sicher auch die Schulen und Lehrer bei, aber nicht in erster Linie.

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Re: Michlmayr @higgs: Scchon richtig, ich wage sogar zu behaupten, dass in den beschriebenen Fällen die Eltern solcher Kinder entweder: 1) Migrationshintergrund haben oder 2) beide selbst rund um die Uhr arbeiten oder 3) geschieden und daher alleinerziehend und arbeitend sind oder 4) keine Kontrolle über ihre Kinder haben oder 5) sich tatsächlich nicht um die Brut scheren. Umgekehrt: wer will schon in der Schule sitzen und lernen, wenn der Lehrer nicht lehren kann ? Und solche Fälle kenne ich auch zur Genüge.

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Re: Michlmayr Wir werden mit allen Fällen, die brabus aufgezählt hat, konfrontiert. Aber erst vor wenigen Tagen hat mir ein Bekannter erzählt, dass es tatsächlich eine Schule in Wien gibt, die den Kindern keine Hausaufgaben aufträgt mit der Begründung, dass die Kinder schon in der Schule so belastet werden. Meine persönliche Meinung dazu war, dass die Lehrer wohl keine Zeit mit der Verbesserung der Aufgaben verschwenden wollten.
Wenn wir (hauptsächlich türkischen) Jugendlichen empfehlen, doch ab und zu ein Buch zu lesen, um die deutsche Sprache besser zu beherrschen, bekommen wir in der Regel anschließend Stunk mit einem wütenden Vater. Bücher zu lesen ist nämlich Zeitverschwendung müssen Sie wissen. :-) Aber Sie können daraus schließen, dass Hirn vielleicht doch nicht so gerecht verteilt wurde.

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Re: Michlmayr naja, trotzdem dürfte es bei der Verteilung gerecht zugegangen sein, die Frage ist nur, ob man\'s dann auch benutzt;-))
Und viele Eltern (wurscht ob mit Migrationshintergrund oder ohne ) wollen oft nicht wahrhaben, dass Kinder nicht nur Freude, sondern unter anderem auch ein Knochenjob sind. Da geht\'s vom Windelwechseln, über Leseerziehung bis hinein in die Pubertät. Und dass es immer lustig wird, steht in keinem Vertrag. Ich habe auch noch nie jemanden durchgängig lachen gesehen.

Aber die Zeit,die Eltern früh investieren spart ihnen das viel zeitintensivere Nachbessern hinterher.Und letztlich wird die Dankbarkeit das einzige sein,das sie wenigstens kurze Zeit überdauert.

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Re: Michlmayr Aber trotz alledem glaube ich schon, dass viele sich von selbst bewegen würden, wenn sie die Einsicht hätten, dass sie das Problem sind und nicht die Schule, denn die meisten Eltern lieben ihre Kinder. Aber dazu müsste man aufhören das Problem da zu suchen wo es nun mal nicht ist.

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Re: Michlmayr Selbstverständlich ist die Basis jedes Lebens das Elternhaus bzw. die Erziehungsberechtigten. Aber von irgendwo her MUSS endlich mal ein Impuls kommen, damit alle Beteiligten erkennen, welche Rechte und Pflichten sie haben. Es genügt einfach nicht, Erziehungsberechtigte zu einer Geldstrafe zu verdonnern, wenn das Kind über einen längeren Zeitraum den Schulbesuch verweigert. Meiner Meinung nach müsste der Schulsprechtag für Eltern verpflichtend werden. Es müsste eine Möglichkeit geben, die die Eltern an ihre Erziehungspflicht erinnert. Denn die Erziehung kann wahrlich nicht die Aufgabe der LehrerInnen sein. Aber wahrscheinlich müsste man erst mal viele Eltern erziehen.
Ja, Sie haben völlig Recht! Kinder sind eine große Aufgabe und das bedeutet auch Verantwortung.

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Re: Michlmayr Genau so ist es.
Eigentlich wärs ja nicht so schwer;-). Die Eltern müssten das Einsehen haben, dass Erziehung ihre Sache ist und damit die Schule von Dingen entlasten, die nicht in ihren Bereich gehören. Die Politik müsste dafür sorgen, dass auch diejenigen die mit dem Einkommen kein Auskommen haben und deshalb nicht zuhausesitzen können, entsprechende Rahmenbedingungen für die Bildung ihrer Kinder vorfinden, dazu müssten sie allerdings Geld in die Hand nehmen und das will momentan keiner.

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Re: Michlmayr Und den Herrschaften von Wirtschaftsseite ins Stammbuch: wer wie die Industriellenvereinigung schuld daran ist, dass der EDV-Unterricht auf Kosten des Deutsch-Unterrichts durchgeboxt wurde ( frei nach dem Motto:"geht\'s der Wirtschaft gut, sind wir alle Analphabeten"), sollte die Resultate nicht allzulaut beklagen und sich nicht wundern, dass die Jungen heute lieber den Blechtrottel befragen als selbst zu denken.

Und nur wenn alle drei Seiten an einem Strang ziehen, dann wird auch ein Schuh daraus...und sonst solln\'s den ganzen Krempel zusperren und Voodoo-Priester importieren, denn so wird das nix.

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