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Arbeitslosigkeit führt
zu mehr Suiziden

Anteil der Beschäftigungslosigkeit als Motiv für Selbsttötungen von 20 Prozent

Arbeitsloser © Bild: thinkstock.de

Arbeitslosigkeit führt zu mehr Suiziden. Das geht aus einer Studie von Psychiatrie-Experten der Universitätsklinik Zürich mit Daten aus 63 Staaten - darunter auch Österreich - hervor. Der Anteil der Beschäftigungslosigkeit an den Selbsttötungsraten dürfte bei rund 20 Prozent liegen, heißt es in "Lancet Psychiatry".

Carlos Nordt von der Züricher Klinik und die Co-Autoren haben die Daten bezüglich der Arbeitslosenrate und der Suizide von mehr als fünf Dutzend Staaten, zusammengefasst in vier Regionen (Amerika, Nord- und Westeuropa inklusive Österreich, Süd- und Osteuropa sowie Länder außerhalb von Nord- und Südamerika und Europa), aus den Jahren 2000 bis 2011 analysiert. An sich ging die Suizidrate, wenn man die Beschäftigungslosigkeit herausrechnete, pro Jahr in diesen Weltregionen um 1,1 Prozent zurück.

2008: Deutliche Gegenbewegung

Doch das Jahr 2008 hatte eine deutliche Gegenbewegung zur Folge. Die Autoren: "Das beste und stabilste Rechenmodell deutet auf einen Anstieg der Suizidraten schon vor der Erhöhung der Arbeitslosenzahlen (sechs Monate zuvor) hin (...). In allen Weltregionen war das Risiko für Selbsttötungen in Verbindung mit Arbeitslosigkeit in der Beobachtungszeit (2000 bis 2011) um 20 bis 30 Prozent erhöht."

Für das Jahr 2000 gingen die Wissenschafter von insgesamt rund 243.000 Suiziden in diesen Ländern aus. 2011 waren es dann rund 227.000 solcher Todesfälle. Das entsprach dem global beobachteten Rückgang. Auf der anderen Seite, so die Wissenschafter: "Insgesamt standen im Jahr 2007 41.148 Suizide in Verbindung mit Arbeitslosigkeit, im Jahr 2009 waren es 46.131. Das deutet auf eine Übersterblichkeit infolge der Wirtschaftskrise des Jahres 2008 durch 4.983 Fälle von Suiziden hin."

Insgesamt, so Nordt und die Co-Autoren, ist der Effekt von Arbeitslosigkeit auf die Selbsttötungen offenbar in jenen Staaten höher, in denen Beschäftigungslosigkeit traditionell an sich geringer ist. In diesen Ländern kommen vulnerable Menschen offenbar nicht mit für sie ungewohnter Arbeitslosigkeit zurecht. In Weltregionen mit an sich schon hoher Beschäftigungslosigkeit wirkt sich ein weiterer zeitweiser Anstieg nicht so stark aus.

Daten aus 63 Staaten ausgewertet

Die Ergebnisse der neuen Studie zeigen ganz ähnliche Trends wie eine wissenschaftliche Publikation, die unter anderem unter Mitarbeit von Lukas Pezawas von der Universitätsklinik für Psychiatrie der MedUni Wien im AKH (auch mit Nordt als Co-Autor) Ende Oktober vergangenen Jahres im British Journal of Psychiatry online veröffentlicht worden ist. Dabei wurden die Daten von 29 europäischen Staaten (2000 bis 2011), eine Untergruppe der nunmehr 63 Staaten in der größeren Auswertung weltweit, analysiert.

Dabei zeigte sich eine starke Korrelation zwischen den Suizidraten bei Männern exklusive des Bruttoinlandsproduktes pro Einwohner eines Landes heraus. Bei den Frauen war hingegen die Arbeitslosigkeit der einzige signifikant wirksame Faktor. Auch in dieser Studie zeigte sich, dass die Wirtschaftskrise des Jahres 2008 den sonst beobachteten Rückgang der Suizidraten zumindest zum Stillstand brachte.

Suizide sind besonders häufig in Verbindung mit Depressionen. Soziale Faktoren können das noch verstärken. Die Behandlung der Grunderkrankung und psychosoziale Hilfe reduzieren das Risiko. Psychosoziale Dienste und psychiatrische Nothilfe gibt es in allen Bundesländern mit Angeboten zumeist rund um die Uhr.

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Kommentare

Nudlsupp melden

Wir sind natürlich gut beraten, den Wohlstand den die Generationen vor uns und wir uns geschaffen haben zu behalten. Aber trotz möglicher wirtschaftlicher Turbulenzen die wir haben, wir dürfen dennoch nicht vergessen wir haben trotz alledem die längste Friedens- und größte Wohlstandsperiode die Europa in der Geschichte miterlebt hat.

11223344 melden

erstens: wie lange noch?? die eu sorgt schon dafür dass es mit den meisten bergab geht und das ist sicher so gewollt, kommt einem vor, denn ein volk welches nichts mehr hat ist willenloser und leichter zu lenken.
zweitens: was hilft es den über 400.000 arbeitslosen die immer mehr an perspektive verlieren? es werden weltweit laufend zig-tausende arbeitsplätze stillgelegt und nichts kommt nach, da wird es möglicherweise nicht mehr lange dauern bis es zum big-bang kommt und dann hat niemand mehr etwas, dann herrscht ....??....sicher kein frieden mehr , da wäre es auch besser dass du komplett mittellos bist oder extrem reich um dir eine armee zu leisten ?????

Nudlsupp melden

Naiv bin ich nicht, und vorsichtig auch. Ein Teil meines Vermögens ist sehr krisensicher in Sachwerten und Edelmetallen angelegt. Bringt nicht immer die höchste Verzinsung aber beruhigt ungemein. Und natürlich müssen wir daran arbeiten, den Wohlstand nicht zu verspielen, und 400.000 Arbeitslose darunter viele Alte und Langzeitarbeitslose sowie auch arbeitslose Jugendliche verdienen....

Nudlsupp melden

unsere größte Aufmerksamkeit und auch Lösungsvorschläge. Aber ich mache kein Geheimnis aus meiner Meinung, daß ich Wirtschaftskraft und Verschuldung lieber bei den Menschen investiert wüsste, also bei Banken, Fonds und Rettungsschirme.

Griechenland ist näher als viele glauben wollen!
Rekordstaatsverschuldung
Rekordarbeitslosigkeit
die Wirtschaft liegt danieder
Rekordsteuerbelastung
keine Reformen

...aber WIR? Wir wählen solche Leute immer wieder.

11223344 melden

aber hier fehlt mir die übliche idioten-bemerkung unserer medien, aber gegenüber dem eu-schnitt stehen wir sehr gut da

Oberon
Oberon melden

Ja, diese Bemerkung fehlt mir auch. Üblicherweise sind da einige Beschwichtigungshofräte am Werk, die das Volk für blöd verkaufen, aber das kennen wir ja schon alles. WAS hilft es einem österr. Langzeitarbeitslosen, wenn er weiß, dass es in Spanien oder Griechenland noch viel schlimmer ist?! Genau - nichts!

Sophie35 melden

Am schlimmsten finde ich diese permanenten Negativmeldungen der Medien....wenn man noch nicht so weit ist depressiv zu sein, wird man es aufgrund der Flut der negativen Nachrichten, mit denen wir tagtäglich überhäuft werden, bald sein !

christian95 melden

Das war bei Spindelegger ganz anders! 400.000 neue Arbeitsplätze versprach er - vor den Wahlen - um sich danach mit einem hochbezahlten Job nach Brüssel (zu seiner Frau, die er vorher schon versorgt hat) zu verabschieden.

günza melden

Du hast das falsch verstanden mit den 400.000. Der Spindelegger hat immer gesagt, dass er sich so schnell als möglich einen gut bezahlten Job besorgt und da verdient er dann € 400.000,--. Das ist doch viel leichter sich selbst und seine Familie zu versorgen und die anderen (ob 400 oder 500.000) ist doch egal.

Arbeitslos (und arm) wird man nur in der Privatwirtschaft. Pateigünstlinge werden weiterhin mit hochbezahlten Jobs lebenslang beim Staat oder staatsnahen Betreiben versorgt. Zum Dank dürfen sie dann auch noch ab 50 in Pension gehen und bekommen Pensionen bis zu 33.000.
Damit SPÖ+ÖVP so weiter machen können wählen wir sie dafür immer wieder.

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