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AMS: Trendwende am Arbeitsmarkt

Vorstand gibt sich vorsichtig optimistisch nach gesunkenen Arbeitslosenzahlen

Arbeit - AMS: Trendwende am Arbeitsmarkt © Bild: APA/DPA

Der Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS), Johannes Kopf, sieht durch die erneut gesunkenen Arbeitslosenzahlen die Trendwende am Arbeitsmarkt bestätigt. "Die Trendwende ist es, da bin ich sicher", meinte Kopf am Donnerstag im Ö1-Mittagsjournal des ORF-Radio. "Die Zahlen verbessern sich von Monat zu Monat, aber die Herausforderungen sind noch groß."

Probleme gebe es insbesondere bei der Arbeitslosigkeit von Menschen mit Behinderung, Älteren und Langzeitarbeitslosen. Angesprochen auf die Flüchtlinge, die erst nach abgeschlossenem Asylverfahren langsam auf den Arbeitsmarkt kommen, meinte Kopf, er wünsche sich schnellere Verfahren. "Integration ist leichter, wenn die Verfahren kurz dauern." Künftig sei schon eine Intervention auch während des Asylverfahrens geplant.

Die abnehmende Arbeitslosigkeit bei Jüngeren sei einerseits durch die anziehende Konjunktur, andererseits durch die Demografie zu erklären. "Es gibt einfach weniger Junge, daher tun sich Junge leichter einen Job zu finden." Je besser die Qualifikation sei, desto nachhaltiger die Beschäftigungsintegration. Personen mit Pflichtschule fänden schwer eine Lehrstelle, bei Akademikern werde in manchen Bereichen nur prekäre Projektarbeit angeboten - insgesamt sei die Qualifikation aber wesentlich für einen guten Job.

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Die Aktion 20.000 ziele auf die über 50-Jährigen Langzeitarbeitslosen, die es bei der Jobsuche besonders schwer hätten. "Ich gehe davon aus, dass das beschlossen wird", meinte Kopf. Das AMS stecke in den Vorbereitungen und sei für die geplanten Modellregionen ab 1. Juli bereit.

Angesprochen auf die Debatte um eine Einführung des deutschen Hartz IV-Modells in Österreich meinte Kopf, Österreich habe wie kaum ein Land mehr unbefristete Leistung aus der Arbeitslosenversicherung, nämlich Arbeitslosengeld und Notstandshilfe. Theoretisch könnte jemand nach einem Jahr Arbeit bis zur Pension Notstandshilfe beziehen. In der Debatte gehe es ihm weniger stark um die Frage des Anreizes zu arbeiten, sondern um die Frage, welche Leistungen soll die Arbeitslosenversicherung erbringen und welche Leistung kommt aus Steuergeldern. Er habe vorgeschlagen, anfangs höheres Arbeitslosengeld zu zahlen und es später zu senken. Wenn man die Notstandshilfe abschaffen würde, müsste man das Arbeitslosengeld verlängern, weil das in Österreich nicht lange gezahlt werde, so der AMS-Vorstand.

Schlechte Karten für ältere Arbeitnehmer

Die Arbeiterkammer (AK) pocht auf die Beschäftigungsaktion 20.000 für ältere Langzeitarbeitslose. "So erfreulich es ist, dass die Zahl der Arbeitslosen rückläufig ist und die Beschäftigung steigt, so bleibt doch ein Wermutstropfen", sagte AK-Präsident Rudolf Kaske in einer Aussendung. Die positiven Entwicklungen durch das Arbeitsmarktpaket vom Herbst seien nicht bei allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen angekommen. Die älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hätten offensichtlich derzeit die schlechtesten Karten auf dem Arbeitsmarkt. Das Projekt 20.000 liege im Sozialausschuss zum Beschluss - "und den erwarte ich mir auch", so Kaske. Darüber hinaus brauche es aber auch eine Qualifizierungsoffensive für alle Menschen im Haupterwerbsalter - egal, ob sie beschäftigt oder arbeitslos sind.

Die Wirtschaftskammer (WKÖ) will die positive Wende am Arbeitsmarkt nutzen, um den Betrieben die Schaffung von Beschäftigung zu erleichtern. Denn im EU-Vergleich der Arbeitslosenquoten rutsche Österreich immer weiter zurück, so Martin Gleitsmann, Leiter der sozialpolitischen Abteilung in der WKÖ. "Während Österreich vor einem Jahr noch den 6. Platz einnahm, sind wir jetzt nur mehr an 10. Stelle hinter Ländern wie Rumänien und Estland." Gleitsmann fordert, dass bereits in der Regierung vereinbarte Beschäftigungsbelebungsmaßnahmen - etwa der Ausbau der Entfernungsbeihilfe und des Kombilohns für mehr Mobilität am Arbeitsmarkt - rasch umgesetzt werden. Die Beschäftigungsaktion 20.000 solle gemeinsam mit der Privatwirtschaft umgesetzt werden. Der im Arbeitsprogramm der Bundesregierung verankerte Beschäftigungsbonus ab 1. Juli sei ein erster Schritt, den Betrieben die Schaffung zusätzlicher Beschäftigung zu erleichtern.

Industriellenvereinigung schlägt Alarm

Von der Industriellenvereinigung (IV) kommt ebenfalls der Verweis auf die EU-Länder. "Während Österreich vor vier Jahren noch die geringste Arbeitslosenquote in der gesamten Europäischen Union verzeichnete, rutschen wir nach den jüngsten EU-Daten auf den zehnten Platz - weit hinter die Spitzenreiter Tschechien und Deutschland - zurück. Wir dürfen den wirtschaftlichen Aufschwung in der EU nicht an uns vorbeiziehen lassen", so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. Zur Stärkung des Industriestandorts fordert er die Anhebung der möglichen Tageshöchstarbeitszeit bei Gleitzeit auf zwölf Stunden. Weiters urgiert er eine Lohnnebenkostensenkung. Der geplante Beschäftigungsbonus sei ein positives Signal, bei dem Betriebe weniger Lohnnebenkosten zahlen müssen, wenn sie Arbeitslose einstellen.

Der ÖGB sieht Österreichs Wirtschaftspolitik auf dem richtigen Weg. "Die Wirtschaft wächst, nun müssen wir darauf schauen, dass alle Menschen in Österreich etwas davon haben", sagt Bernhard Achitz, Leitender Sekretär des ÖGB. Anzusetzen sei beim Bildungssystem ebenso wie bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik, bei öffentlichen Investitionen und bei der Verkürzung der Arbeitszeit. Es gebe aber immer noch viel zu viele Menschen, die keine Arbeit finden. Vor allem Ältere und Langzeitarbeitslose haben es schwer. Daher seien schnell arbeitsmarktpolitische Maßnahmen notwendig, "vor allem der Beschäftigungsbonus und die Aktion 20.000 müssen rasch in Kraft treten", fordert Achitz.

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