Arbeitslosigkeit in Deutschland: Niedrigster
Jänner-Stand seit Jahren - gute Konjunktur

Das Beschäftigungswachstum gewinnt an Breite Mildes Wetter bremst Anstieg der Arbeitlosenquote

Die gute Konjunktur und das milde Wetter haben dem Arbeitsmarkt zum Jahresanfang Schwung verliehen. Der für den Winter übliche Anstieg der Arbeitslosenzahl fiel im Jänner mit einer Zunahme auf 4,247 Mio. geringer aus als in den Vorjahren, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. Dies waren zwar 239.000 Arbeitslose mehr als im Dezember, aber 764.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug 10,2 Prozent. "Das ist die Wende", erklärte Arbeitsminister Franz Müntefering.

Saisonbereinigt ging die Erwerbslosenzahl unerwartet deutlich um 106.000 zurück. "Das Beschäftigungswachstum gewinnt an Breite", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise in Nürnberg. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung steige mittlerweile wieder in allen Branchen. Weise ging davon aus, dass die Marke von vier Mio. erst im April wieder unterschritten wird.

"Die gute Konjunktur hat die übliche saisonale Entwicklung am Arbeitsmarkt abgefedert", sagte Weise. "Die Arbeitslosigkeit ist deutlich geringer gestiegen als sonst im Jänner." Niedriger war die Arbeitslosenzahl im Jänner zuletzt vor sechs Jahren. Im Vorjahr hatte die Arbeitslosenzahl um gut 400.000 auf über fünf Millionen zugelegt. Saisonbereinigt ging die Arbeitslosenzahl um 106.000 auf 3,976 Mio. bei einer Quote von 9,5 Prozent zurück.

Zur positiven Entwicklung trug auch das Wetter bei. "Wir hatten noch keinen Winter bis zum Zähltag im Jänner", sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. Das neue Saisonkurzarbeitergeld, das Winterarbeitslosigkeit am Bau verhindern soll, wurde daher nach Schätzungen der BA nur in etwa 4.000 Fällen in Anspruch genommen. Etwa 300.000 Arbeitslose waren in gemeinnützigen Ein-Euro-Jobs beschäftigt und wurden in der Statistik daher nicht mitgezählt. Das milde Winterwetter hat Alt zufolge aber auch negative Folgen, weil in den Skigebieten mangels Schnee weniger Saisonarbeitskräfte eingestellt wurden.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag im November nach BA-Hochrechnungen bei 26,95 Mio. - 428.000 mehr als im November 2005. Die Erwerbstätigenzahl, die auch Ein-Euro-Jobber und Selbstständige umfaßt, sei im Dezember jahreszeitlich bedingt um 168.000 auf 39,62 Mio. gesunken. "Der Beschäftigungsaufbau erfasst immer mehr Branchen", sagte Weise. Selbst am Bau steige die Mitarbeiterzahl. Der Anstieg der Beschäftigung ist aber geringer als der Rückgang der Arbeitslosigkeit. Dies erklärt sich Weise zufolge auch dadurch, dass die BA den Arbeitslosenstatus stärker überprüft und Erwerbslose daraufhin aus der Statistik herausfallen.

Auch die Zahl der gemeldeten offenen Stellen war im Jänner mit knapp 600.000 deutlich höher als im Vorjahr. Saisonbereinigt ging ihre Zahl seit Dezember allerdings wegen einer Abnahme bei den staatlich geförderten Arbeitsangeboten um 36.000 zurück.

Die Mehrwertsteuererhöhung hatte laut Weise noch keine Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Für das Gesamtjahr 2007 rechnet die BA nach seinen Worten im Durchschnitt weiter mit 4,1 bis 4,2 Mio. Arbeitslosen. In einzelnen Monaten werde die Vier-Mio.-Marke aber unterschritten. Weise nannte dafür den Zeitraum April/Mai und September/Oktober.

(apa/red)