Arbeitslosigkeit um 9,2 Prozent gesunken:
279.109 Personen Ende Dezember ohne Job

Zahl der Schulungen beim AMS sind 2006 gestiegen Anzahl an offenen Stellen um 47,6 Prozent gestiegen

Die Arbeitslosigkeit in Österreich geht zurück: Ende Dezember 2006 waren 279.109 Personen als arbeitslos vorgemerkt, im Jahresvergleich um 28.173 Jobsuchende bzw. um 9,2 Prozent weniger. Gestiegen ist die Zahl der Schulungen: Ende Dezember waren 49.663 Personen in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice (AMS), um 6.059 mehr als Ende des vorangegangenen Jahres. Schulungsteilnehmer werden nicht zur Zahl der Arbeitslosen dazugerechnet.

Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen stieg um 10.280 bzw. um 47,6 Prozent auf 31.871. Die Arbeitslosenquote nach nationaler Berechnung lag im Dezember 2006 laut Prognose des Wirtschaftsministeriums bei 7,9 Prozent, ein Rückgang im Vorjahresvergleich (zu Dezember 2005) um 0,9 Prozentpunkte. Die Arbeitslosenquote nach Eurostat-Berechnung sank gemäß vorläufiger Fortschreibung auf 4,7 Prozent.

Bartenstein: "Positive Trendwende"
"Die Zahl der Arbeitslosen ist auf Talfahrt", die positive Trendwende habe sich verfestigt, so Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) am Dienstag bei der Präsentation der aktuellen Arbeitsmarktdaten für Dezember. "Wir sind unterwegs in Richtung Vollbeschäftigung." In der Hälfte des Landes gebe es bereits Vollbeschäftigung, bis 2010 sollte das auch in ganz Österreich möglich sein, so der Minister.

Die Situation am Arbeitsmarkt hat vor allem von der guten Konjunktur profitiert. Das Wachstum von 3,0 bis 3,1 Prozent liege höher als im Euro-Raum, in Japan und in den USA. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit sei bereits zu drei Viertel auf das hohe Wachstum und zu 20 bis 25 Prozent auf die Qualifizierungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice (AMS) zurückzuführen. Vor allem der Export, der im vergangenen Jahr die 100 Mrd. Euro-Schallmauer durchbrochen hat, habe wesentlich zur Erholung des Arbeitsmarkts beigetragen. So wurde jeder zweite Arbeitsplatz durch den Export von Waren und Dienstleistungen verdient.

Jugendarbeitslosigkeit rückläufig
Deutlich rückläufig war im Dezember die Jugendarbeitslosigkeit (15 bis 24 Jahre), und zwar um 12,0 Prozent oder um 5.913 auf 43.511 Personen. Bei Älteren ab 50 Jahre sank die Arbeitslosigkeit um 7 Prozent auf 51.119 Personen, die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die länger als 12 Monate auf Jobsuche sind, sank um 28,4 Prozent auf 7.405 Betroffene. Bei den Lehrstellensuchenden verzeichnete das AMS einen Rückgang um 2,7 Prozent auf 5.148 Personen, die Zahl der gemeldeten offenen Stellen ging allerdings auch zurück und zwar um 5,2 Prozent auf 2.746 offene Lehrstellen.

Nach Branchen verzeichnete die Sachgütererzeugung mit minus 13 Prozent den relativ stärksten Rückgang bei der Arbeitslosigkeit, gefolgt vom Bauwesen mit minus 12 Prozent und dem Handel mit minus 8,3 Prozent. Am schwächsten war der Rückgang wegen des Schneemangels im Fremdenverkehr mit minus 3,7 Prozent. Im Jahresschnitt 2006 nahm die Arbeitslosigkeit um 5,3 Prozent auf 239.174 Jobsuchende nach 252.654 im vorangegangen Jahr ab. Die Beschäftigung stieg im Jahresschnitt um 1,6 Prozent auf 3,281.386 (2005: 3,230.286).

Gemischte Reaktionen
Die Reaktionen auf die jüngsten Arbeitsmarktzahlen waren gemischt: Die Arbeiterkammer (AK) verwies darauf, dass es inklusive Schulungen 328.772 Arbeitsuchende im Dezember 2006 gegeben habe, um 85.174 Menschen ohne Arbeit mehr als im Dezember des Jahres 2000. Mit der Forderung nach einer wirtschaftspolitischen Neuorientierung hat der ÖGB auf die jüngsten Arbeitsmarktzahlen reagiert. Um das Ziel der Vollbeschäftigung bis 2010 zu erreichen, brauche Österreich zur Ankurbelung der Wirtschaft Investitionen in die Infrastruktur sowie in Bildung und Forschung.

Bei mindestens 330.000 Arbeitslosen im Dezember 2006 von Entspannung oder einer Trendwende am Arbeitsmarkt zu reden, sei ziemlich daneben, kommentierte Karl Öllinger, stellvertretender Klubobmann und Sozialsprecher der Grünen.

FPÖ spricht von "verheerender Bilanz"
Als "verheerende Regierungsbilanz" bezeichnete FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache die Arbeitslosenzahlen. Zufrieden äußerten sich hingegen BZÖ und ÖVP. "Die aktuellen Arbeitsmarktdaten stimmen positiv und bedeuten eine Verstärkung der Trendwende am Arbeitsmarkt", sagte heute der ÖVP-Fraktionsverantwortliche für Soziales, ÖAAB-Obmann Fritz Neugebauer. (apa/red)