Arbeitslosigkeit bei uns um fast 12 Prozent gesunken: Niedrigster Februarwert seit 1992

Arbeitslosenquote voraussichtlich bei 6,8 Prozent Österreich hat damit fünftniedrigste Quote in der EU

Arbeitslosigkeit bei uns um fast 12 Prozent gesunken: Niedrigster Februarwert seit 1992 © Bild: APA

Die Arbeitslosigkeit in Österreich hat den tiefsten Stand seit 16 Jahren erreicht. Im Februar ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum neuerlich um 11,9 Prozent oder 32.799 Jobsuchende auf 243.853 zurückgegangen, erklärte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein im Gespräch mit der APA. Laut Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl soll die Wirtschaft im heurigen Jahr netto zusätzlich 50.000 neue Jobs schaffen. Trotz zunehmender Konjunkturrisiken hält Bartenstein das Ziel von Vollbeschäftigung für nach wie vor erreichbar. Gleichzeitig plädierte der Wirtschaftsminister für "maßvolle" Lohnabschlüsse im heurigen Jahr.

Für Arbeiterkammer-Chef Herbert Tumpel ist das Arbeitslosen-Niveau immer noch viel zu hoch. ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer meint, ein Vorziehen der Steuerreform auf 2009 würde den weiteren Rückgang beschleunigen.

Gemäß gängiger Definition ist Vollbeschäftigung nach heimischer Berechnung bei unter 5 Prozent Arbeitslosenquote, nach der Eurostat-Berechnungsmethode unter der 4-Prozent-Marke erreicht. Die Februar-Arbeitslosenquote (nach österreichischer Berechnungsmethode) lag nach einer vorläufigen Schätzung bei 6,8 Prozent, das wäre der tiefste Stand seit 1990. Im Februar 2007 war die Arbeitslosenquote noch bei 7,8 Prozent gelegen, im Jänner dieses Jahres bei 7,5 Prozent. Die endgültigen Beschäftigungsdaten des Hauptverbands für Februar, die dieser Berechnungsmethode zugrunde liegen, kommen aber erst diese Woche. Nach der Berechnungsmethode des EU-Statistikamtes Eurostat ist die Arbeitslosenquote zuletzt von Dezember auf Jänner von 4,3 auf 4,2 Prozent zurückgegangen. Österreich hat damit die fünftniedrigste Arbeitslosigkeit in der EU.

"Der Wirtschaftsmotor brummt weiter, der Arbeitsmarkt entwickelt sich nach wie vor besser als erwartet", sagte Bartenstein. Der hohe Ölpreis über 100 Dollar und ein starker Euro-Kurs von über 1,50 Dollar dämpfe zwar die Wachstumsprognosen. Die "Ist-Situation" sei aber nach wie vor "sehr gut". Vor allem die Baubranche boome. Und auch die Industrie entwickle sich "weiterhin ausgezeichnet".

Bei den Bauberufen ist die Zahl der Arbeitslosen trotz des im Vergleich zu Beginn 2007 deutlich kälteren Winters um 17,9 Prozent gesunken. In den Metall und Elektroberufen betrug der Rückgang der Arbeitslosenzahl ebenfalls 13,6 Prozent. Und auch im Tourismus hat sich aufgrund der guten Wintersaison die Zahl der Jobsuchenden um 10,2 Prozent reduziert.

Ältere Arbeitslose haben es weiter schwer
Deutlich schwächer war der Rückgang der Arbeitslosigkeit nur bei älteren Jobsuchenden. Sozialminister Erwin Buchinger (S) erinnerte deshalb an die bei der letzten Regierungsklausur beschlossene Vereinbarung, bis Mitte März ein Arbeitsmarktpaket für ältere Menschen vorzulegen, um deren Beschäftigungssituation nachhaltig zu verbessern und sich nicht nur auf die konjunkturelle Entwicklung zu verlassen. Bei den über 50-Jährigen sank die Arbeitslosen-Zahl im Februar nur um 2,9 Prozent, bei den Jugendlichen dagegen um 15,2 Prozent. Die Lehrstellenlücke, also die Differenz zwischen Lehrstellen-Suchenden und freien Lehrstellen - ist im Februar erstmals unter 1.000 gesunken.

Auch wenn beim Wirtschaftswachstum nach 3,2 Prozent im vierten Quartal nur noch ein Zweier vor dem Komma stehen sollte - das Wifo hat zuletzt für heuer 2,2 Prozent BIP-Wachstum vorausgesagt - sei weiterhin eine Verbesserung am Arbeitsmarkt möglich, erklärte Bartenstein. Üblicherweise wirken sich konjunkturelle Veränderungen außerdem erst mit einigen Monaten Verspätung auf den Arbeitsmarkt aus.

"Ich möchte, dass Österreichs Wirtschaft auch heuer 50.000 Arbeitsplätze netto, also zusätzlich schafft", sagte Leitl am Sonntag in der "ORF-Pressestunde". Damit würde wieder "Zuversicht für die Zukunft" und optimistische Stimmung geschaffen. Trotz Konjunkturkrise in den USA werde Österreich "auch 2008 gute Wachstumsraten und Beschäftigungsraten haben". Leitl rechnet heuer neuerlich mit rund 30.000 neuen Firmengründungen.

Zwar räumte der Wirtschaftskammer-Chef ein, dass sich das Wirtschaftswachstum verlangsamen werde, "weil die USA immer fähig sind, ihre Probleme zu exportieren". In anderen Weltregionen - etwa in Asien und Südamerika - könnte Österreich aber von neuen Wachstumsmöglichkeiten profitieren. Gefordert sieht Leitl einmal mehr die Europäische Zentralbank (EZB). Schon eine symbolische Senkung der Leitzinsen um 25 bis 50 Basispunkte könnte nach Meinung Leitls womöglich ausreichen, um die Wachstumsprognosen in der Eurozone "wieder hinaufzubringen". Aufgrund der immer noch hohen Inflation gilt eine Zinssenkung in der Euro-Zone derzeit nach wie vor als unwahrscheinlich. Zuletzt hat sich die Hoffnung auf eine Zinssenkungen an den Finanzmärkten aber etwas erhöht.

Trotz der anhaltend hohen Teuerungsrate hat Bartenstein am Wochenende für "maßvolle" Lohnabschlüsse im heurigen Jahr ausgesprochen. "Die Arbeitnehmer-Seite weiß genau, dass eine wettbewerbsorientierte Lohnpolitik maßvoll sein muss, wenn man weiterhin neue Jobs schaffen will", sagte Bartenstein. Mehr Jobs seien "den meisten Arbeitnehmern wichtiger als das eine oder andere Zehntel höhere Lohnabschlüsse".

Heftige Kritik kam daraufhin von den Gewerkschaften und von Sozialminister Erwin Buchinger (S). Gerechte und faire Löhne seien ein wesentlicher Faktor für eine gesunde Wirtschaft. Der Argumentation Bartensteins, die Wettbewerbsfähigkeit auf niedrige Lohnabschlüsse und damit auf die Arbeitnehmer abzuwälzen, könne er nichts abgewinnen, sagte Buchinger. Erich Foglar, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung (GMTN) und Wirtschaftssprecher des ÖGB, erklärte, "für Menschen, die wenig verdienen, ist das eine oder andere Zehntel mehr bei den Lohnrunden durchaus wichtig." Viel sinnvoller wäre, "wenn Bartenstein die Unternehmen zu maßvollen Preissteigerungen aufrufen würde".

(APA/red)