Arbeitslosen-Zahl im Juni 2007 gesunken: 183.644 Personen waren auf Jobsuche!

Minus von 6,5 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum Zahl der gemeldeten offenen Stellen weiter gestiegen

Die Arbeitslosigkeit in Österreich sinkt weiter. Im Juni 2007 ist die Zahl der Arbeitssuchenden weiter auf 183.644 zurückgegangen - ein Minus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Schulungsteilnehmer fiel um 12,7 Prozent auf 50.373. Mit einer Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent, was einem Rückgang um 0,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht, hat Österreich jetzt die viertniedrigste Arbeitslosigkeit in der EU.

Die Vollbeschäftigung - also eine Arbeitslosenquote unter 4 Prozent - sei in Reichweite, sagte Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein. "Das ist ein Erfolg der neuen Regierung. Der Kurswechsel in der Wirtschaftspolitik hat den entscheidenden Impuls gebracht", meinte SP-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina. Erst im Mai war die Arbeitslosenzahl in Österreich erstmals seit sechs Jahren wieder unter 200.000 gelegen. Die Opposition sieht jedoch noch keinen Grund zur Entwarnung und auch die Wirtschaftsforscher sind skeptisch: Sie haben zuletzt zusätzliche Reformen eingefordert. Sonst halten sie einen Rückgang der Arbeitslosenquote unter 4 Prozent für eher unwahrscheinlich.

Vollbeschäftigung in fünf Bundesländern
Rückläufig war die Arbeitslosigkeit im Juni weiter in allen Bundesländern. In fünf Bundesländern - in Vorarlberg, Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Niederösterreich - gibt es die Vollbeschäftigung bereits. Am niedrigsten liegt die Arbeitslosenquote mit 2,6 Prozent in Oberösterreich. Dort ging die Zahl der Arbeitssuchenden im Juni mit minus 12,8 Prozent auch am stärksten zurück. Am höchsten war die Arbeitslosenquote zum Stand 30.6. immer noch im bevölkerungsreichsten Bundesland Wien mit 6,7 Prozent - obwohl auch in der Bundeshauptstadt die Arbeitslosenzahl deutlich um 9,6 Prozent zurückgegangen ist.

Politik der "soliden Haushalte"
Um tatsächlich österreichweit Vollbeschäftigung zu erreichen, müssten eine "weitere Politik der soliden Haushalte, weitere Reformen und Investitionen" sicher gestellt werden, sagte Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer. Die Beschäftigung sei jetzt schon am höchsten Stand in der Geschichte. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen stieg im Juni gegenüber dem Vorjahr weiter kräftig um 19,8 Prozent auf 42.892 an. Die Zahl der unselbstständig Beschäftigten in Österreich hat um 60.000 oder 1,8 Prozent auf 3,366.400 zugelegt. Nach österreichischer Berechnung liegt die Arbeitslosenquote damit derzeit bei 5,2 Prozent.

Der Rückgang der Arbeitslosigkeit spiegelte sich auch in beinahe allen Berufsgruppen wider. Am größten war der Rückgang bei den Metall- und Elektroberufen (-16,0 Prozent) bei den Hilfsberufen (-3,6 Prozent), in den holzverarbeitenden Berufen (-16,4 Prozent) sowie in Bekleidungs- (-14,0 Prozent) und Textilberufen (-21,7 Prozent).

Fachkräfte bleiben Mangelware
Handwerk und Gewerbe klagten erneut über Fachkräftemangel. Die seit Anfang Mai geltende eingeschränkte Öffnung des Arbeitsmarktes für 800 Schweißer, Dreher und Fräser aus den neuen EU-Ländern hat bisher kaum für Entspannung gesorgt. In den ersten drei Monaten haben bisher nur 130 Fachkräfte eine Bewilligung erhalten oder beantragt und werden derzeit geprüft. Wie Wifo-Chef Karl Aiginger in der Vorwoche plädierte auch Handwerksobmann Georg Toifl ebenso wie AK-Chef Herbert Tumpel für zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen. Jene, die nach neun Pflichtschuljahren ein gewisses Ausbildungsniveau noch nicht erreicht hätten, sollten verpflichtend sechs bis zwölf weitere Monate Ausbildung erhalten, schlägt Toifl vor.

Der ÖGB forderte eine Ausbildungsgarantie für Jugendliche. FP-Generalsekretär Herbert Kickl meinte, die wachsende Beschäftigung sei "weitgehend auf das Konto der steigenden Anzahl von oft schlecht bezahlten Teilzeit- und McJobs" zurückzuführen. Und die Wiener Grünen verlangten einen Berufsausbildungsfonds.

Jugenarbeitslosenquote überdurchschnittlich hoch
Immer noch ist die Jugendarbeitslosenquote in Österreich fast doppelt so hoch wie der allgemeine Durchschnitt. Nach Eurostat-Kriterien lag sie im Juni bei 8,5 Prozent. Die Zahl der offenen Lehrstellen ist im Juni um 12,2 Prozent auf 3.097, jene der Lehrstellensuchenden dagegen nur um 5,1 Prozent auf 3.939 zurückgegangen. Langsamer als im Durchschnitt sinkt in Österreich auch weiter die Zahl der älteren Arbeitslosen. Bei Personen über 50 Jahren ist die Zahl der Arbeitssuchenden im Juni nur um 4,9 Prozent auf 36.355 geschrumpft.

Die Zahl der Langzeitarbeitssuchenden, die länger als 12 Monate vorgemerkt waren, sank dagegen um 13,8 Prozent auf 5.907. Die durchschnittliche Verweildauer in der Arbeitslosigkeit liegt derzeit bei 94 Tagen. (APA/red)